Digitale Technik

20.000 Smartphones für die NRW-Polizei – das können sie

Polizeikommissar Dorian Schmolke war am Freitag der erste Beamte, der ein Dienst-Smartphone erhielt. 19.999 sollen folgen

Polizeikommissar Dorian Schmolke war am Freitag der erste Beamte, der ein Dienst-Smartphone erhielt. 19.999 sollen folgen

Foto: Ralf Rottmann / FUNKE Foto Services

Dortmund.  Willkommen im Neuland: Die Polizei in NRW bekommt 20.000 spezielle iPhones. Was sie damit alles machen kann, zeigte sie am Freitag in Dortmund.

Worte der Mahnung senkt NRW-Innenminister Herbert Reul dem Dortmunder Polizeikommissar Dorian Schmolke ins Herz, als er ihm Freitagmittag eine kleine dunkle Pappschachtel überreicht. „Nagelneu, noch eingepackt, nicht fallen lassen.“ Sonst wäre es vielleicht kaputt, das erste von 20.000 iPhones, die die Polizei in NRW bis zum Frühjahr 2020 erhalten sollen. Mit den neuen Geräten, schwärmt der Minister, seien „die Möglichkeiten fast grenzenlos“.

Grenzenlos vielleicht nicht, aber zumindest größer, wie sich am Freitag im Trainingszentrum der Polizei in Dortmund zeigt.

Die Dortmunder gehören – neben den Kreispolizeibehörden in Wesel und Recklinghausen - zu den drei Behörden, die an einem Pilotprojekt teilnehmen und die Smartphones bis September testen sollen. Viele Änderungen erwartet der Projektleiter, Polizeioberrat Tim Probst, allerdings nicht mehr. Schon bei der Entwicklung der speziellen Polizei-Apps auf dem Handy habe man auf Tipps und Wünsche der Beamten reagiert.

Drei spezielle Programm für die Beamten im Einsatz

Zunächst stehen den Polizistinnen und Polizisten drei spezielle Programme zur Verfügung. Da ist zum einen ein Messenger zur Kommunikation untereinander, so eine Art „WhatsApp für die Polizei“, wie Reul es nennt. Außerdem gibt es eine spezielle Auskunftsapp, die einen Abgleich mit dem polizeilichen Datenbestand ermöglicht und einen Scanner, der etwa Personalausweise, Führerscheine oder Kfz-Kennzeichen einliest.

Was man damit machen kann, zeigt die Polizei bei einem nachgestellten Einsatz auf dem Gelände des Trainingszentrums. Da kommt dann plötzlich ein silberner Kombi um die Ecke gefahren. Das Stopp-Schild an der letzten Kreuzung hat seine Fahrerin nicht beachtet, der Mann neben ihr ist nicht angeschnallt. Das gibt ein Knöllchen.

Noch während ein Streifenwagen hinter dem Kombi herfährt, aktiviert der Beamte auf den Beifahrersitz die Kamera seines iPhones, hält es an die Frontscheibe und scannt das Nummernschild des anderen Wagens. Im Test bei Schrittgeschwindigkeit, doch laut Probst soll das auch bei höherem Tempo funktionieren.

Datenabgleich erfolgt binnen Sekunden

Binnen Sekunden erfolgt ein Datenabgleich, der in diesem Fall nichts verdächtiges ergibt. Jedenfalls ist das Auto nicht gestohlen. Als die Polizei es heraus gewunken hat und die Ausweise der Insassen kontrolliert, indem sie sie mit dem Handy scannt, sieht die Sache plötzlich anders aus. Die Fahrerin, ist durch Drogendelikte aufgefallen und gilt als „gewalttätig“. Genau wie der Mann neben ihr. Und der hat auch noch verblüffende Ähnlichkeit mit dem Fahndungsfoto eines Kioskräubers, das die Leitstelle kurz zuvor über das Messengerprogramm verschickt hat. Besser, man fordert Verstärkung an.

Neue Anwendungen in der Entwicklung

Das alles soll aber nur der Anfang sein, wie Reul versichert. „Nach und nach werden wir weitere Anwendungen entwickeln, um die Digitalisierung der Polizei voran zu treiben“ kündigt er an. Nächste Schritte sollen die vollständige digitale Aufnahme leichter Verkehrsunfälle und die Identifikation von Personen durch ihren Fingerabdruck sein. Und natürlich soll es auch nicht bei den 20.000 Handys bleiben, sondern jeder der derzeit 42.000 Polizisten und Polizistinnen, soll ein Smartphone kriegen. Zumindest die, die ständig draußen im Einsatz sind.

Um Datensicherheit muss sich nach Aussage des Projektleiters niemand Sorgen machen. Auf den Geräten würden gar keine personenbezogenen Daten gespeichert, Übertragungen seien verschlüsselt, das Rechenzentrum der Polizei zertifiziert.

Alles gut also, sofern man ein Netz hat. „In den Ballungszentren ist das kein Problem“, sagt Probst, weiß aber, dass es etwa im Hochsauerland oder am Niederrhein durchaus Empfangsprobleme geben kann. Aber dann, sagt Probst, habe man ja immer noch den herkömmlichen Digital-Funk. „Vorerst werden wir zweigleisig fahren.“

Smartphones für die NRW-Polizei- Pilotprojekt in Dortmund
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