Umwelt

Ruhrgebietsstädte kämpfen gegen illegale Mülltonnen

Mit einem Aufkleber an den Tonnen überprüfen die Wirtschaftsbetriebe Oberhausen (WBO), ob die Tonnen illegal aufgestellt werden. Stehen die Behälter zum Beispiel am falschen Tag an der Straße, werden sie nicht geleert.

Mit einem Aufkleber an den Tonnen überprüfen die Wirtschaftsbetriebe Oberhausen (WBO), ob die Tonnen illegal aufgestellt werden. Stehen die Behälter zum Beispiel am falschen Tag an der Straße, werden sie nicht geleert.

Foto: Kerstin Bögeholz

Oberhausen/Gelsenkirchen/Mülheim.   Chips erkennen in Oberhausen, Gelsenkirchen und Mülheim, ob die Tonne legal aufgestellt wurde. Wenn nicht, bleibt die Leerung aus.

Mit der Einführung eines neuen Ident-Systems für Mülltonnen ist den Wirtschaftsbetrieben Oberhausen (WBO) ein erstaunlicher Coup gelungen: Innerhalb weniger Monate hat der Abfallbeseitiger 850 illegale Tonnen aus dem Verkehr gezogen. Auch andere Ruhrgebiets-Städte denken über die Einführung eines ähnliches Systems nach – oder haben sogar schon vorgelegt.

Und so funktioniert das Oberhausener System: Ein Aufkleber mit Chip und Barcode wird an beiden Seiten an die Mülltonne angebracht. Darauf können die am Müllwagen angebrachten Antennen auslesen, ob die Mülltonnen auch ganz legal dort stehen. Gibt es keinen Aufkleber auf dem Behälter oder wird die Tonne regulär an einem ganz anderen Tag geleert, blinkt ein rotes Licht auf, und die Tonne wird nicht geleert. Sokannbeispielsweise verhindert werden, dass die Oberhausener ohne Erlaubnis eine nicht angemeldete zweite Tonne aufstellen oder ihre Tonne an einem anderen Abholtag einfach in die Nebenstraße stellen.

Umrüstung von rund 50.000 Behältern

„Es geht um Gebührengerechtigkeit“, sagt Jan Küppers, Pressesprecher der WBO. Seit Mitte vergangenen Jahres wurden die Aufkleber für insgesamt rund 50.000 Restmülltonnen und Bio-Tonnen an die Haushalte verschickt, seit Februar ist das System „scharf gestellt“ – leert also keine Tonnen mehr ohne Aufkleber.

Die Kosten für die Anschaffung des System und Umrüstung der 14 Müllwagen belaufen sich laut WBO auf etwa 120.000 Euro. Ob dies zu einer Gebührenerhöhung führen würde, konnte Jan Küppers nicht sagen. Dies sei eine Entscheidung der Stadt. Fest steht aber, dass der Stadt Oberhausen laut Sabine Lauxen, Beigeordnete für Umwelt, etwa 420.000 Euro wegen illegaler Tonnen entgangen sind. Weitere 80.000 Euro hat die Stadt durch die Neuveranlagungen eingenommen.

Gelsenkirchen schon seit 2015 dabei

Oberhausen ist nicht die erste Ruhrgebiets-Stadt, die mit einem Chip-System gegen illegal aufgestellte Mülltonnen ankämpft. In Gelsenkirchen kippen schon seit Anfang 2015 mit Chip ausgestattete Bio-Tonnen ihren Inhalt in die Müllwagen, seit 2016 sind die blauen und grauen Tonnen mit einem Chip bestückt.

Rund 100.000 gechipte Tonnen sind im Gelsenkirchener Entsorgungssystem. Kostenpunkt: rund 200.000 Euro. Wirkung: 1400 Behälter wurden nachveranlagt. Illegale Mülltonnen zu bekämpfen ist aber nicht der einzige Zweck des Systems. Auch eine Bestandsaufnahme ist, so Tobias Heyne, Pressesprecher der Gelsendienste, besser möglich. „Das ist eine Erleichterung für die Behälterverwaltung. Jetzt können wir leichter herausfinden, wie viele Tonnen Schäden aufweisen und erneuert werden müssen“, so Heyne.

Geringe Ausbeute in Mülheim

Die Stadt Mülheim hat schon 2016 auf Elektronik umgestellt. „Das war ganz schön aufwendig“, sagt Dirk Eurskens, Leiter der Logistik bei der Mülheimer Entsorgungsgesellschaft (MEG). Rund 40.000 Restmülltonnen mussten mit Chips ausgestattet werden, dazu kam noch die Umrüstung der 14 Müllwagen. Im Gegensatz zu Oberhausen hat Mülheim allerdings nicht so viele illegale Tonnen einkassiert. Auf 100 bis 150 Restmüllbehälter schätzt Eurskens die Ausbeute. Im Vergleich zu Oberhausen nicht viel.

Das könnte daran liegen, dass Mülheim schon vorher einen etwa DIN-A5-großen Service-Aufkleber auf den Tonnen angebracht hat – mit Informationen zur Leerung. Das Aufstellen illegaler Mülltonnen war also schon von vornherein schwerer. Die Aufrüstung der Tonnen erfülle aber auch einen weiteren Zweck: „Man hat so eine Beweisführung gegenüber den Bürgern, dass die Tonnen tatsächlich geleert wurden“, erklärt Eurskens.

Test-Runde mit Bio-Tonnen in Duisburg

Duisburg ist in der Einrichtung eines Ident-Systems für Mülltonnen noch nicht auf dem gleichen Stand wie Oberhausen, Gelsenkirchen oder Mülheim. Seit Februar haben die Wirtschaftsbetriebe Duisburg ihre Bio-Tonnen mit einem Chip ausgestattet. Ob dies aber auch auf die Restmülltonnen ausgeweitet werden soll, lässt Volker Lange, Pressesprecher der Wirtschaftsbetriebe Duisburg, offen. „Wir sammeln noch Erfahrungen“, sagt er. Ob das System mit den verchipten Bio-Tonnen erfolgversprechend ist, sei zum Zeitpunkt noch nicht sicher.

Die Bottroper Entsorgung und Stadtreinigung (BEST) überlegen auch schon, ein Ident-System für ihre Mülltonnen einzuführen. Wie und ob dies aber geschehen soll, ist noch unklar.

Kein Ident-System in Dortmund und Bochum

Die Entsorgung Dortmund GmbH hat laut Pressesprecherin Petra Hartmann die Einführung solcher Systeme geprüft. Allerdings verwendet Dortmund eine andere Gebührensatzung als viele andere Kommunen. Die berücksichtigt neben den Tonnen-Volumen auch die Anzahl der Personen im Haushalt und die Leerungsfolge. Geläufige Ident-Systeme sind also inkompatibel.

Der Umweltservice Bochum (USB) sieht sich wiederum bisher nicht im Zugzwang – im Bezug auf das illegale Abstellen von Mülltonne. „Uns ist das als spezifisches Problem nicht bekannt“, sagt Jörn Denhard, Sprecher des USB. Es befinden sich allerdings QR-Codes an allen neu zugelassenen Tonnen. Damit wird die jeweilige Tonne einem Haushalt zugeordnet.

Theoretisch wäre es also möglich, die Tonnen elektronisch zu kontrollieren. Dies sei aber bisher nicht geplant.

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