Reisechaos

Thomas-Cook-Pleite: Gestrandet am Düsseldorfer Flughafen

Das Ehepaar Dagmar und Heinrich Wilhelm Kämper steht vor dem Condor-Check-In-Schalter in Düsseldorf und kann seine geplante Reise nicht antreten.

Das Ehepaar Dagmar und Heinrich Wilhelm Kämper steht vor dem Condor-Check-In-Schalter in Düsseldorf und kann seine geplante Reise nicht antreten.

Foto: Roland Weihrauch / dpa

Düsseldorf.  Der Ärger ist groß am Düsseldorfer Flughafen. Condor fliegt zwar, dennoch sitzen viele Thomas-Cook-Kunden fest. Und keiner kann Auskunft geben.

Sie glaubten sich schon im Flieger, trotz Neckermann, trotz der beunruhigenden Nachrichten im Radio. Den Check-in haben Christian Lutter aus Marl und Detlef Radeke aus Witten schon genommen, dann die Sicherheitskontrolle, schließlich ist der Eurowings-Flug 6841 nach Palma de Mallorca um 11.36 Uhr bereit zum Einsteigen. Doch als Christian Lutter sein ausgedrucktes Ticket gegen den Scanner hält, leuchtet eine rote Lampe. Die Eurowings-Mitarbeiter greift zum Hörer. In der Zwischenzeit wird die digitale Anzeige an der Durchlasskontrolle konkreter: „Ticket nicht bezahlt, stand da. Unglaublich!“

So wie den beiden Freunden geht es am Montagmorgen vielen Urlaubern am Düsseldorfer Flughafen. Sie reisen in die Thomas-Cook-Falle. Der älteste Reiseanbieter der Welt hat am frühen Montag Insolvenz beantragt. Am Morgen aber hieß es noch, dass die Tochtergesellschaft Condor weiterfliege. Erst um kurz vor 10 Uhr kommt die Nachricht, dass viele Fluggesellschaften keine Passagiere mehr befördern, die über Neckermann, Öger, Bucher und der anderen Thomas-Cook-Marken gebucht haben. Darum stehen Christian Lutter und Detlef Radeke nun vorm Eurowings-Schalter, ärgern sich schwarz, und fragen: „Wo bekommen wir nun unsere Koffer wieder?“

Einige Freunde sind schon auf Mallorca (das Hotel haben sie separat gebucht), Kumpel Uwe sitzt noch zu Hause und checkt, ob man mit Ryan Air hinkommen könnte. Denn am Flughafen selbst ist eine Lösung kaum zu erreichen. „Wir haben angeboten, die Flüge noch einmal selbst zu bezahlen“, sagt Detlef Radeke. Doch das würde nun 1200 Euro kosten. „Nach Mallorca! Ich bin doch nicht verrückt! Die Sitzplätze sind ja eigentlich schon bezahlt. Die fliegen jetzt mit leeren Plätzen und bieten dir hier neue an .... Man stelle sich vor, das wäre in den Ferien passiert.“ Christian Lutter schüttelt sachte den Kopf: „Ich war schon bei der Air-Berlin-Pleite dabei.“ Die 1500 Euro für zwei Kuba-Flüge vor zwei Jahren hat er nie wieder gesehen.

Der Schalter von Thomas Cook ist nicht mal mehr besetzt

Wie vielen Kunden es ähnlich geht, kann noch keiner so genau sagen, denn zentral erfasst werden solche Fälle zwischen Fluggesellschaft und Reiseanbieter nicht. Eurowings verweist auf Anfrage an Thomas Cook, dort weiß man es (noch) nicht. Genau darum ist die Situation auch so unübersichtlich für die Reisenden, die sich in der Düsseldorfer Schalterhalle zu kleinen Grüppchen formieren.

Eine Dame weint, doch laut wird keiner. Wen sollte man auch anschimpfen: Der Schalter von Thomas Cook - inklusive Neckermann, Öger, Bucher und Air Marin – ist ja gar nicht besetzt. Nach Auskunft des Konzerns ist dies an allen deutschen Flughäfen der Fall. „Die Mitarbeiter waren am Morgen um 4 Uhr alle hier“, erklärt der Herr von der benachbarten Flughafenseelsorge den gestrandeten Reisenden. „Gegen 7.30 Uhr hat ihr Chef sie nach Hause geschickt. Es geht ja auch um deren Arbeitsplätze. Ich kann ihren Ärger aber gut verstehen.“

Auch der Flughafen selbst ist keine Hilfe. Noch um 10 Uhr schickt die offizielle Info Reisende zum leeren Thomas-Cook-Schalter. Eine vorbeikommende Mitarbeiterin will helfen und rät den Schwestern Ute Rollheim (61) und Andrea Eichholz (53) aus Stadtlohn noch, mit ihren Tickets einfach durchzugehen, obwohl die ja schon bei der Kofferabgabe abgewiesen wurden. So wird das nichts. „Wir sind natürlich sauer. Wir haben zwei Rollstuhlfahrer dabei“, sagt Ute Rollheim. „Die Eltern hatten uns die Reise nach Fuerteventura geschenkt. Wir sind natürlich stinksauer.“ Die beiden Bucher-Kunden werden etwa zwei Stunden brauchen, um im Reisecenter des Flughafens bei L’Tur eine Woche Ägypten zu buchen – für 800 Euro pro Person. Sie rechnen damit, den Preis der Fuerteventura-Reise über die Versicherung wiederzubekommen. Aber los geht es erst morgen, also kommt eine Nacht in Düsseldorf hinzu. „Zur Sicherheit werden wir nächste Woche einen Anwalt beauftragen.“

Das Last-Minute-Angebot ist spärlich

Auch Eva Engels (29) und Thomas Scharrenbach (35) stöbern im Last-Minute-Markt des Flughafens. Aber für den Montag gibt es nichts günstiges mehr für die gestrandeten Bucherkunden. An einem Stand findet das Paar aus der Eifel den Aufsteller „Wir sind gleich wieder für SIE da“ vor – eine andere Mitarbeiterin versteckt sich hinter: „Aus technischen Gründen heute keine Beratung“. „Wir werden wohl morgen wieder arbeiten gehen“, sagt Scharrenbach. „Teneriffa sollte unser erster Urlaub dieses Jahr werden.“ Mutter und Schwester von Eva Engels, ebenfalls Bucher-Kunden, sind „lustigerweise heute morgen noch nach Mallorca gekommen.“ Zum Zeitpunkt der Befragung waren sie auf dem Weg ins Hotel. Aber ob sie dort aufgenommen werden?

>> Info: Condor in Düsseldorf

Die Fluggesellschaft Condor hat am Flughafen Düsseldorf einen Marktanteil von sechs Prozent. Insgesamt bedient die Airline mit Sitz in Frankfurt in diesem Sommer 38 Ziele mit bis zu 110 wöchentlichen Abflügen. Für den Winter 2019/20 sind planmäßig 13 Ziele mit bis zu 37 wöchentlichen Abflügen vorgesehen.

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