Stahlkonzern

Thyssen-Krupp plant große Investition in neues Werk in NRW

Thyssen-Krupp-Stahlchef Andreas Goss verteidigt seine Sparpläne für den Konzern.

Thyssen-Krupp-Stahlchef Andreas Goss verteidigt seine Sparpläne für den Konzern.

Foto: dpa

Essen.   Thyssen-Krupp-Stahlchef Andreas Goss verteidigt seine Sparpläne – und denkt über ein neues Werk in NRW nach, das Arbeitsplätze schaffen würde.

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Andreas Goss im Gespräch mit der WAZ:

WAZ: Sie planen ein neues Sparpaket für die Stahlsparte. Die IG Metall befürchtet daher den Abbau von 4000 Arbeitsplätzen. Ist diese Zahl realistisch?

Goss: Nein. Ich war schon sehr betroffen, als ich von dieser Spekulation gehört habe. Ein Arbeitsplatzabbau dieser Größenordnung ist nicht geplant. Wir müssen unsere Kosten an vielen Stellen verringern. Das ist richtig. Dazu gehören alle Kosten, die wir selbst beeinflussen können, also die Personalkosten und die Kosten in den Bereichen Vertrieb, Logistik, Instandhaltung und Verwaltung. Es geht nicht nur um die Personalkosten. Wer das behauptet, verunsichert unsere Mitarbeiter.

Wie viele Stellen sollen denn nun wegfallen? Und wann gibt es eine Entscheidung?

Goss: Das hängt vom Ausgang der Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern ab. Wir haben ein Kosteneinsparziel von 500 Millionen Euro für die nächsten drei Jahre formuliert. Wir tun das, weil wir beim Stahl langfristig Arbeitsplätze erhalten wollen. Das geht nicht, wenn sie nicht ausreichend Geld verdienen.

Die Unsicherheit in der Belegschaft ist seit Monaten groß. Haben Sie Verständnis für die Proteste der Stahlarbeiter?

Goss: Ich verstehe die Sorgen und Nöte unserer Mitarbeiter. Das lässt mich nicht kalt. Mein Job ist es, für langfristig sichere Arbeitsplätze zu sorgen. Deshalb packen wir jetzt an. Dazu gehört auch, unsere Kosten zu senken, um unser Geschäft wettbewerbsfähig zu machen.

Sparen allein ist aber keine Strategie. Was tut denn das Management dafür, dass die Geschäfte besser laufen?

Goss: Der Eindruck, wir würden nur sparen, ist nicht richtig. Wir planen, in den kommenden fünf Jahren acht Milliarden Euro in die Zukunft unseres Geschäfts zu investieren. Wir schauen genau, welche Märkte und Produkte Erfolg versprechen. Und wir sind dabei, unsere IT zu modernisieren, um effizienter zu werden und auch unsere Lieferperformance zu verbessern.

Seit Monaten wird über Standortschließungen spekuliert. Ist auch das Gegenteil denkbar: ein neues Werk?

Goss: Ja. Wir überlegen, eine neue Anlage in NRW zu bauen. Es geht um ein Werk für die Veredelung von Stahl für die Automobilindustrie. Die Nachfrage nach feuerverzinktem Material ist sehr hoch. Wir prüfen gerade, ob und wo diese neue Anlage entstehen könnte. Dabei geht es um eine Investition in dreistelliger Millionenhöhe, die Arbeitsplätze schaffen würde.

An mehreren Standorten geht gleichwohl die Angst vor einer Werksschließung um. Können Sie Entwarnung geben?

Goss: Im Moment haben wir keine Planungen, einzelne Standorte zu schließen. Aber natürlich müssen wir handeln, wenn es in bestimmten Bereichen auf längere Sicht Verluste gibt. Alles andere wäre unverantwortlich. Eine Schließung ist aber immer nur das letzte Mittel.

Wäre Ihnen eine Fusion mit dem indischen Hersteller Tata lieber als ein scharfer Sanierungskurs?

Goss: Das sind zwei völlig unterschiedliche Dinge. Eine Konsolidierung der Stahlindustrie macht aus strategischer Sicht Sinn. Dafür braucht es jedoch Partner, mit denen unsere Konzernmutter zurzeit spricht. Ob, wann und mit wem es zu einer Fusion kommt, ist weiterhin offen. Hier eine gute Lösung zu finden, braucht Zeit. Und genau in dieser Zeit dürfen wir nicht tatenlos zusehen, wie unsere Wettbewerber weiter hart an ihren Kosten arbeiten.

Die IG Metall befürchtet, der Sitz eines Gemeinschaftsunternehmens könnte von Duisburg nach Holland abwandern. Teilen Sie die Sorge?

Goss: Über ungelegte Eier rede ich nicht. Wenn ich in meinem Büro aus dem Fenster gucke, kann ich jedenfalls sehen, welche Milliardenwerte hier sind, die sich nicht einfach nach Holland bewegen lassen.

Wäre es klug, eine Fusion gegen den Willen der Arbeitnehmervertreter durchzupeitschen?

Goss: Ich gehe davon aus, dass wir zu einer gemeinsamen Lösung kommen. Alles andere passt auch nicht zur Unternehmenskultur. Wir achten und schätzen die Mitbestimmung. Aber Mitbestimmung heißt auch Mitverantwortung.

Legen Sie das 500 Millionen Euro schwere Sparpaket eigentlich zu den Akten, wenn es zu einer Fusion kommen sollte?

Goss: Nein. Konsolidierung hin oder her, jedes Unternehmen muss permanent schauen, dass es eine wettbewerbsfähige Kostenstruktur hat. Wir verdienen seit Jahren unsere Kapitalkosten nicht. Das geht auf Dauer nicht gut. Deshalb müssen wir die angestoßenen Maßnahmen unabhängig von einer möglichen Fusion zügig umsetzen. Alles andere gefährdet unser Geschäft in der Substanz.

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