Schadinsekten

Gegen diese Schädlinge sollten Gärtner sich jetzt wappnen

Blattläuse fallen schon jetzt in großer Zahl in den heimischen Gärten ein. Experten fürchten, dass es deutlich mehr werden, sobald die Temperaturen steigen.

Blattläuse fallen schon jetzt in großer Zahl in den heimischen Gärten ein. Experten fürchten, dass es deutlich mehr werden, sobald die Temperaturen steigen.

Essen.   Viele Pflanzen sind noch geschwächt durch die Dürre. Experten erwarten deshalb besonders viele Schädlinge. Wie man Pflanzen jetzt schützen kann.

Über zu wenig Aufträge kann Birger Bredenbrücher momentan wirklich nicht klagen. Der selbstständige Garten- und Landschaftsbauer aus Essen hat in diesem Frühjahr noch mehr Arbeit als sonst, denn den Pflanzen geht es schlecht. „Durch die Trockenheit im vergangenen Jahr haben wir extrem viele Schäden“, sagt der Gärtner.

Immer wieder rückt er aus, um braun gewordene Grünpflanzen auszutauschen. Bredenbrücher kämpft aber nicht nur gegen die anhaltende Trockenheit, sondern auch gegen Millionen kleinster Krabbeltiere.

Während Bäume, Sträucher und Stauden noch mit den Folgen des vergangenen Dürresommers kämpfen, bereiten sich die ersten Schädlinge schon darauf vor, dem geschwächten Grün endgültig den Garaus zu machen. „Aufgrund des milden Winters haben wir schon jetzt sehr viele Blattläuse“, sagt Andreas Vietmeier, Experte des Pflanzenschutzdienstes der Landwirtschaftskammer NRW.

Er beobachtet, dass sich zunehmend auch wärmeliebende Insekten in den heimischen Gärten ausbreiten. Einer von ihnen ist der Buchsbaumzünsler, ein Schmetterling aus Asien, dessen Raupen sich von Buchsbaumblättern ernähren und starke Schäden an Hecken anrichten.

Stadtbäume sind noch geschwächter als Waldbäume

Heimische Arten wie der Borkenkäfer erschweren den Pflanzen zusätzlich das Leben. „Wenn zu den Folgen des heißen Sommers nun die Fraßgesellschaften kommen, dann haben wir ein Problem“, sagt der Bottroper Förster Markus Herber. Denn die Tierchen fressen sich nicht nur durch die Wälder. „Gerade im innerstädtischen Bereich dürfte sich das Problem verschärfen“, glaubt Alexander Niesar, Schädlingsexperte beim Landesbetrieb Wald und Holz NRW. In den Städten hätten die Bäume noch stärker unter der Hitze gelitten als im Wald, weil wegen der zu großen Teilen versiegelten Flächen deutlich weniger Feuchtigkeit ins Erdreich gelange. „Wenn die Pflanzen geschwächt sind, verschiebt sich der Wirts-Parasiten-Kreislauf zugunsten der Parasiten“, erklärt Niesar.

Im Revier sind die Folgen davon bereits sichtbar. „Wir haben in diesem Jahr viel mehr Totholz“, sagt Martin Gülpen, Botaniker bei Grün und Gruga. Für die Landschaftsgärtner in der Stadt bedeutet das mehr Arbeit. „Wir haben einen deutlich stärkeren Aufwand, gerade bei der Kronenpflege“, so Gülpen. Oft müssten Experten mit speziellem Gerät anrücken, um abgestorbene Äste oben aus den Baumkronen zu entfernen. Welche Mehrkosten für die Grünpflege der Stadt damit entstünden, ließe sich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht abschätzen.

Pflanzen stärken und Nützlinge anlocken

Schon absehbar ist, dass Pflanzen sich in diesem Sommer wohl gegen eine ungewöhnlich große Zahl an Fressfeinden wehren müssen. „Bei den ersten Sonnenstrahlen werden viele Schädlinge kommen“, ist sich Bredenbrücher sicher. Er rät seinen Kunden deshalb, Bäume und Sträucher gezielt zu stärken. Dazu empfiehlt er neben regelmäßigem Gießen auch organischen Dünger. Von chemischer Schädlingsbekämpfung hält er wenig. Besser sei es, Nützlinge zu unterstützen.

„Im Grugapark arbeiten wir viel mit Nützlingen“, sagt Gülpen. Seit vielen Jahren schaffen die Landschaftgärtner dort ein insektenfreundliches Umfeld mit vielen Blumen. Die Stadt unterstützt das vielerorts mit Blühstreifen am Wegesrand. Andreas Vietmeier empfiehlt dieses Vorgehen auch für den heimischen Garten: „Korb- und Doldenblütler locken Schwebfliegen, Marienkäfern und Florfliegenlarven an.“ Sie alle sind Fressfeinde von Blattläusen.

Gefährlicher Pilz breitet sich aus

Oft befallen jedoch nicht nur Parasiten geschwächte Pflanzen. Experten beobachten auch eine Ausbreitung verschiedener Pilze. Einer von ihnen ist der Rußrindenpilz, der sich vorzugsweise auf Ahorn ansiedelt. Das hat Folgen, nicht nur für die befallenen Bäume, warnt Bredenbrücher: „Der Pilz ist gesundheitsschädlich für Menschen, er löst Atemwegsbeschwerden aus.“ Wer unter der abblätternden Rinde eines Ahorns schwarze Sporen bemerke, solle deshalb einen Gärtner hinzuziehen.

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