Wetteraussichten

Wetter: Kein Winter in Sicht an Rhein und Ruhr

Archivbild. Das Wetter ist für Winter viel zu mild. In Essen blühen bereits erste Pflanzen, wie etwa die Duftheckenkirsche.

Archivbild. Das Wetter ist für Winter viel zu mild. In Essen blühen bereits erste Pflanzen, wie etwa die Duftheckenkirsche.

Foto: STEFAN AREND / Funke Foto Services

Essen.  Zu warm und zu mild: Das Wetter ist derzeit überhaupt nicht im „Winter“-Modus. Meteorologen sehen für die nächsten Tage keine große Veränderung.

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Schnee? Minustemperaturen? Das Wetter in diesem Winter ist in NRW bis dato so gar nicht „Winter“-haft. An diesem Mittwoch werden für den Rhein-Ruhr-Raum bis zu 15 Grad Celsius erwartet - viel zu warm für einen Januar. Am Mittwochmorgen waren es bereits 10 Grad - das waren sieben Grad mehr als zur gleichen Zeit in Barcelona.

„Vom sogenannten mittleren Maximum her sind wir bei den Temperaturen in diesem Januar bisher auf April-Niveau“, sagt Ines Wiegand, Meteorologin beim Deutschen Wetterdienst in Essen. Verantwortlich für das milde Wetter ist derzeit ein Tief, das aus süd-westlicher Richtung vom Atlantik her feuchte und milde Luft auch nach NRW bringt. Experten beobachten, dass sich solche Tiefs inzwischen langsamer bewegen und sich solche Wetterlagen länger halten. Das könnte eine Folge des Klimawandels sein.

Temperaturen sind auf Frühlings-Kurs

Auch in den vergangenen Jahren gab es immer wieder ungewöhnlich warmes Januar-Wetter. Obwohl die Temperaturen derzeit schon auf Frühlings-Kurs sind, sind viele Pflanzen noch im Winter-Modus, sagt Martin Gülpen, Forst-Botaniker im Grugapark in Essen. „Derzeit blühen vor allem Exoten, wie etwa die Duftheckenkirsch, die Chinesische Winterblüte oder auch Winterjasmin, die das durchaus schon im Januar tun.“ Bei hiesigen Pflanzenarten würde jedoch auch der Faktor „Zeit“ eine Rolle spielen, erklärt Gülpen: „Der Zeitpunkt zum Austreiben wird dann auch über die Tageslänge bestimmt“ - also wie lange es am Tag hell ist.

In Wäldern kann es derzeit sein, dass Pflanzen wie das Buschwindröschen, das ohnehin zu den Frühblühern zählt, bereits jetzt Blüten austreiben, sagt Gülpen: „Solche Pflanzen ziehen ihre Blüte durch, solang Bäume über ihnen noch kein Laub tragen und dadurch Licht bis auf den Waldboden durchlassen“. Auch Erle und Hasel blühen bereits. Die Belastung der Luft mit „Frühblüher“-Pollen ist in NRW jedoch noch „gering“, zeigt der Pollenflug-Indes des Deutschen Wetterdienstes (DWD).

Mildes Wetter ist schlecht für manche Insektenarten

Das milde Wetter kann negative Folgen für Insekten haben: „Wärme stachelt die physiologischen Aktivitäten von Insekten an“, etwa wenn sie im Boden überwintern, erklärt Mathias Niesar, Experte beim Landesbetrieb Wald und Holz NRW. Bei Kiefernspinnern oder -spannern etwa komme bei Temperaturen ab 12 Grad der Stoffwechsel in Gang: „Wenn das im Januar passiert, finden sie nicht genug Nahrung und erreichen das Frühjahr nicht mehr“, sagt Niesar.

In der Landwirtschaft gibt es unterdessen derzeit keine Probleme, sagt Bernhard Rüb, Sprecher der Landwirtschaftskammer NRW. „Es könnte vielleicht mehr Blattläuse geben“, sagt Rüb. Schlimmer sei die Tatsache, dass die beiden äußerst trockenen Sommer 2018 und 2019 nach wie vor dazu führen, dass die Böden in größeren Tiefen auch in NRW vielerorts noch viel zu trocken sind. Laut den aktuellen Daten des „Dürremonitors“ sei die Lage in den oberen Bodenschichten bis 25 Zentimeter Tiefe zwar inzwischen ausgeglichen. In Tiefen darunter herrsche aber in vielen Regionen in Deutschland nach wie vor „außergewöhnliche Dürre“. In NRW betreffe das Teile des Münsterlandes und Bereiche etwa in der der Kölner Bucht.

Am Wochenende wird es kühler - aber nicht „kalt“

Wirkliches Winterwetter ist bis auf Weiteres in NRW nicht in Sicht, sagt DWD-Meteorologin Ines Wiegand: „Es bleibt weiterhin zu warm und zu mild“. Am kommenden Wochenende werde ein Hoch zwar etwas frischere Temperaturen bringen, aber das nach wie vor im Plus-Bereich: „Für das Wochenende gehen wir an Rhein und Ruhr von Höchsttemperaturen von 5 bis 8 Grad Celsius aus, im Bergland 3 bis 5 Grad“, sagt Wiegand; kühl, aber nicht kalt.

Was das Wetter bringt, lässt sich auf längere Sicht jedoch nicht zuverlässig voraussagen, erklärt Wiegand. Die gängigen Wettermodelle können höchstens zehn bis 14 Tage voraus schauen. Und da sieht es dann erneut mau aus für Schnee und Frost in NRW: „In der kommenden Wochen wird es wohl eher wieder etwas wärmer“, meint Wiegand. Und es wird wohl trocken bleiben. Schnee? Was für eine Frage… (dae)

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