Ostern

Wie soll es weitergehen? So denken Leser über Ostern 2020

Ostereier suchen – das wird wohl auch diesmal einigermaßen funktionieren.

Ostereier suchen – das wird wohl auch diesmal einigermaßen funktionieren.

Foto: Tobias Hase / dpa

Ostern in Zeiten von Corona: Es wird eine völlig neue Erfahrung. Das denken WAZ-Leser, und so wollen sie an den Festtagen feiern.

Wir genießen die Tage im Garten

„Wir verbringen Ostern alleine zu Hause und in unserem Garten. Wir sind beide Risikopatienten, und

Gesundheit ist momentan wichtiger als ein Osterfest mit Kindern und Familie (Geschwister und deren Familien). Sonst waren wir immer zusammen. Osterbrunch, Lammkeule, Osterzopf und Osternester selbst gemacht. Aber 2020 zählt nur die Gesundheit. Wir telefonieren und skypen. Jeder bleibt zu Hause in seinem Haus und Garten. Wir sind ja allein dadurch bevorzugt gegenüber Familien, die weder Balkon noch Garten haben. Das wissen wir zu schätzen.

Aber auch uns fehlen Freunde und Familie in unserem Zuhause. So batike ich Ostereier mit Kräutern und Efeu aus unserem Garten für unsere Mieter und Nachbarn. An Freunde und deren Kinder schicke ich selbst gebastelte Osterhasentischkarten, die uns verbinden. Fotokarton in verschiedenen Farben habe ich noch, Musterhäschen von den letzten Jahren. Eine kleine Verbindung zu Freunden in allen Teilen Deutschlands.

Ansonsten genießen wir die Feiertage bei Sonne im eigenen Garten und freuen uns, dass wir gesund sind. Ich bin Risikopatient, da ich vor zwei Jahren zwei Lungenembolien hatte und 66 Jahre alt bin. Alte Ostertraditionen können auch aus der Ferne mit Freunden und Familie gelebt werden.“
Annette Zimmermann, 66, Duisburg


Hausgottesdienst zur Osternacht

„Unser Schwiegersohn wird eine Video-Schaltung einrichten. Darüber werden wir mit sieben Personen aus

vier Familien einen Hausgottesdienst zur Osternacht abhalten, mit den Unterlagen, die unsere Pfarrei auf ihrer Homepage zur Verfügung stellt. Das ist das erste Mal in meinem Leben, dass ich nicht in einer vollen Kirche die Osternacht – das ist für mich der Höhepunkt des kirchlichen Lebens – oder einen anderen Ostergottesdienst mitfeiern kann! Das finde ich sehr traurig.
Dr. med. Esther Schoonbrood, Ärztin, 62, Essen

Ich werde meine Spaziergänge allein unternehmen

„Ein anderes Osterfest werden wir nun feiern und hoffen, dass die Zeit danach uns einen guten neuen

Anfang bringt. Mögen wir uns über den Frühling, den wärmenden Sonnenstrahlen und den bunten Blumen in der Natur erfreuen. Da ich allein bin, werde ich nun meine Spaziergänge auch allein unternehmen und mich in Gedanken einmal ganz mit mir selbst beschäftigen.

Daheim werde ich es mir gemütlich machen: Schöne Blumen stehen in der Vase, Osterzweige und eine Kerze werden auch dazugehören. Ich werde ein gutes Buch lesen, schöne Musik hören und Tagebuch schreiben.

Natürlich halte ich auch Telefonkontakt zu Menschen, die mir wichtig sind. Miteinander reden ist in dieser Zeit besonders wichtig; es bereichert mein Leben und das der Anderen. Auf ein gesundes Wiedersehen mit Freunden, Nachbarn und Bekannten freue ich mich schon sehr. Bleiben auch Sie alle gesund und frohes Ostern!“
Heike Kensbock, 63, Rentnerin,
Oberhausen

Wie wollen wir weitermachen?

„Nie war die gesamte Menschheit im Teilen solidarischen Miteinanders derartig vereint wie in dieser epochalen Umwälzung all unseres geschaffenen sozialen Lebens. Der Imperativ der bisherigen ökonomischen Ziele und der Verlust an innerer Einkehr, Kontemplation und Besinnung auf das, was wirklich zählt, hat nun die einmalige Chance, neu erfunden zu werden, im Sinne von: Wie wollen wir weitermachen?

Lehrt uns die Corona-Krise, dass das Glück und die Verantwortung für den Nächsten im Mikrokosmos des

Einzelnen liegt und sich vom Makrokosmos des vermeintlich mächtigen Kapitals auf den allerreinsten Kern eines jeden Menschen reduziert?

Ostern 2020 und die Fastenzeit stehen zum ersten Mal als Destillat einer Event- und Konsumgesellschaft jedem Gläubigen in seiner reinsten Form zur Verfügung.

Keiner kann entfliehen und jeder muss sich der solidarischen Verpflichtung stellen: Die innere Einkehr durch politisch verordnete Vernunft wird jeden Menschen reifen lassen und ich hoffe, dass sich der gesellschaftliche Diskurs danach an einer Ethik der Wertschätzung zu orientieren weiß.

Unsere drei Hauskatzen genießen die permanente Anwesenheit mindestens eines Erwachsenen zurzeit sehr und dies ist unser persönliches Feinziel mit der Krise, besonders zu Ostern, klarzukommen.“
Claudia Lübcke-Tholl, Mülheim


Alexander steh an Opas und Omas Fenster

„Mein Sohn Alexander ist neun. Seinen Geburtstag am 10. März konnte er noch mit ein paar Kindern

feiern. Es gab schon einige Absagen, da andere Mütter bereits skeptisch wegen Corona waren. Er wohnt ländlich und freut sich, auch in den Ferien, nach einigen Lernübungen und Spielen eine Runde durch Feld und Wald spazieren zu gehen.

In den vergangenen Osterferien war Alexander bereits auf kanarischen und balearischen Inseln sowie auf Burgen in Rheinhessen und an der Mosel unterwegs. So ist es nun etwas ganz anderes, im kleinen Umfeld ringsum von zu Hause die Ferien zu verbringen. Er erkennt, dass er seine Umgebung nun mit ganz anderen Augen wahrnimmt. Dazu zählt etwa, dass man sich auf einen Gartenstuhl auf die Wiese hinterm Haus setzt, liest, etwas isst, und die Sonne genießt so als sei man an einem Strand mit Palmen. „Ich nehme alles jetzt ganz anders war und versuche die Zeit trotzdem zu genießen°, gibt er wieder. Fußball spiele ich jetzt nicht im Verein sondern auf der Wiese im Garten.

Merkwürdig ist es, nun nicht einfach Freunde oder Verwandte zu besuchen. Oma und Opa kommen bis zur Terrasse oder Alexander steht unten an Omas und Opas Fenster. Dort unterhalten sie sich. Dann wird eine Kleinigkeit zu Schnuppen, ein kleines Taschengeld und etwas zu Schmökern in einer Tüte für ihn abgestellt, und er nimmt die Aufmerksamkeit an sich.

Ich beschäftige mich jetzt noch mehr mit den Nagetieren und habe bereits jeden Raum bis in die kleinste Ecke sauber geputzt.
Daniela van Meegeren, 39,
Angestellte, Rheinberg

Trotzdem ist Ostern!

Wir, das sind zwei über 70- und 90-jährige Pastorenehepaare, die ihren Ruhestand gemeinsam genießen, nach dem Motto „Gerne in Herne“. Unsere Senioren-WG betätigt sich in diesen Tagen in der Brief- und Telefonseelsorge, gerade auch mit Alleinstehenden in Alten und Pflegeheimen. So lange wir noch können,

tun wir diese Dienste gerade vor Ostern sehr gerne. Auch wenn Ostern in diesem Jahr so ganz anders ist als sonst, ohne Gemeinden und persönliche Begegnungen und Ansprachen, so halten wir doch an dem fest, was uns unser Leben bereichert hat: Die Botschaft von der Auferstehung Jesu, so feiern wir Ostern. Ostereier, -Hasen und -Lämmer gehören dazu, auch Eier haben wir gerne gefärbt, früher mit Gemeindekindern und auch den eigenen. Aber die Hauptsache muss die Hauptsache bleiben.

Unseren Familie, Gemeinden und Einrichtungen, denen wir dienen durften, haben wir dies vorgelebt und freuen uns, dass viele dabei mitgezogen haben. Mission und Diakonie, Glauben in Wort und Tat war und ist unser Lebensmotto.

Die Karwoche gestalten wir als besondere Tage der Erinnerung an Leiden und Sterben Christi. Am Gründonnerstag feiern wir das Heilige Abendmahl, wie wir es sonst mit unseren Gemeinden getan haben. Nun sind wir nur zu viert, aber das ist ja Gemeinde des Jesus, der gesagt hat: „Wo zwei oder dreiin meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.“

Am Karfreitag predige ich online für unserer Gemeinde go-in in Castrop-Rauxel. Auch das Osterfest feiern

wir per Internet und Telefon als Fest der Auferstehung Jesu. Besonders freuen wir uns über die die vielen Internetgottesdienste. „Wenn wir nicht zum Gottesdienst gehen können, haben uns Fernsehgottesdienste oft erfreut!“ sagen unsere Senioren. Gerade in diesen Zeiten sind die Sendungen vom Evangeliumsrundfunk, Bibeltv, KTV, auch die Gottesdienste im Öffentlich-rechtlichen Fernsehen ein Ersatz für den nicht mehr möglichen Gottesdienstbesuch. Konfessionen waren uns nie wichtig, Christen sind im Glauben an den Auferstandenen über alle Konfessionsgrenzen hinweg verbunden.

Natürlich finden wir es schade, in diesem Jahr keinen Besuch bekommen zu können. Kinder und Enkelkinder, Freunde und Verwandte fehlen uns sehr. Kein Handschlag, kein Knuddeln, keine Berührungen – und trotzdem ist Ostern! In diesem Sinn wünschen wir allen ein gesegnetes und frohes Osterfest mit dem altkirchlichen Ruf: „Der Herr ist auferstanden, ER ist wahrhaftig auferstanden!“

Siegfried und Hildegard Ermlich, Renate & Dankmar Fischer, Herne

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