Mutmaßliche Schleusung

28-Jähriger aus Hagen soll Flüchtlinge eingeschleust haben

Bei einer solchen Polizeikontrolle wurde der Wagen angehalten, der von einem Syrer mit festem Wohnsitz in Hagen gesteuert wurde.

Foto: Armin Weigel/dpa

Bei einer solchen Polizeikontrolle wurde der Wagen angehalten, der von einem Syrer mit festem Wohnsitz in Hagen gesteuert wurde. Foto: Armin Weigel/dpa

Hagen/München.   Ein Syrer mit Wohnsitz in Hagen sitzt in Bayern in Untersuchungshaft. Ihm wird das Einschleusen von Ausländern und Urkundenfälschung vorgeworfen.

Seinen festen Wohnsitz in Hagen muss ein 28 Jahre alter Syrer seit geraumer Zeit mit einem Haftraum in einem bayerischen Untersuchungsgefängnis tauschen. Der Mann, der eine Aufenthaltserlaubnis in Deutschland besitzt, war am 8. Juli auf der Autobahn A 8 Salzburg-München bei Irschenberg festgenommen worden. Bei einer Schleierfahndung wurde sein Pkw mit deutschem Kennzeichen angehalten. Neben dem Fahrer aus Hagen, der eine verfälschte syrische Fahrerlaubnis und einen gefälschten internationalen Führerschein bei sich trug, saßen der Bundespolizeiinspektion Rosenheim zufolge vier Landsleute ohne Papiere im Wageninnern. Auf Anordnung des Amtsgerichts München sitzt der Syrer seitdem in Untersuchungshaft. Vorwurf: Einschleusen von Ausländern, Urkundenfälschung und Fahren ohne Fahrerlaubnis. Eine Spurensuche.

Eher Handlanger als Drahtzieher

Ski- und Wanderurlauber in Österreich und Südtirol kennen die A 8-Anschlussstelle und den Rasthof Irschenberg. In Polizeiberichten kommt der Name der Gemeinde im oberbayerischen Landkreis Miesbach in Zusammenhang mit mutmaßlichen Schleusungen durchaus häufig vor, seitdem im Zuge der Flüchtlingskrise Männer und Frauen illegal die österreichisch-deutsche Grenze passieren. Und oft, so könnte es auch im Fall des Untersuchungshäftlings aus Hagen sein, sind die Fahrer eher Handlanger als Drahtzieher, eher die kleinen Lichter als die Hintermänner in einem internationalen kriminellen Netzwerk. „Nach unseren bisherigen Erkenntnissen war der bislang nicht vorbestrafte Mann kein Auftraggeber, sondern wurde beauftragt, das Auto zu fahren, um syrische Landsleute von Italien nach Deutschland zu bringen“, sagt Florian Weinzierl von der Staatsanwaltschaft München I.

Der 28-Jährige war nach Angaben des Staatsanwalts - so weit man bislang weiß - bis dato nicht in Zusammenhang mit banden- und gewerbsmäßigen Schleusungen aufgefallen. Wegen der laufenden Ermittlungen will Weinzierl keine detaillierten Informationen zu dem Inhaftierten geben. Nur so viel: „Er hat keine gefestigten Bindungen in Deutschland.“ Will heißen: Er hält sich noch nicht lange im Bundesgebiet auf. Nach Informationen dieser Zeitung lebte der Syrer nicht in einer Flüchtlingsunterkunft in Hagen, sondern war unter einer Wohnungsanschrift gemeldet.

Weinzierl zufolge sollen seine Landsleute in dem bei Irschenberg angehaltenen Pkw jeweils „um die 600 Euro“ für die Fahrt von der italienischen Insel Lampedusa nach Deutschland bezahlt haben.

Verschiedene Hierarchieebenen

Der Syrer mit Wohnsitz in Hagen war einer von 232 Personen, die im ersten Halbjahr 2017 unter Schleusungsverdacht von der Bundespolizei in Bayern festgenommen wurden (Vorjahreszeitraum: 295). Die „Top-5-Nationalitäten“ waren syrisch, deutsch, serbisch, italienisch und rumänisch, erklärt Matthias Knott, Sprecher der Bundespolizeidirektion München. In der Regel seien es „kriminelle Schleuserorganisationen, die mit dem Leid und der Not der Menschen sehr viel Geld verdienen“. Nach Schätzungen des Uno-Migrationsexperten Frank Laczko weltweit pro Jahr zehn Milliarden Euro. „Es könnte auch noch mehr sein.“

Die Organisationen, so Knott, agierten mit verschiedenen Hierarchieebenen und zum Teil mit voneinander unabhängigen operativen Zellen, die einzelne Aufträge durchführten. Die Schleuserbanden hätten ein strikt arbeitsteiliges Vorgehen: „Die Fahrer sind oft das letzte Glied in der Kette, aber nicht immer.“ Ihr Lohn hänge von der Transportart, der Strecke und weiteren Umständen ab. „Der Lohn beläuft sich meist im dreistelligen Bereich.“

Der Preis, den ein Flüchtling entrichten muss, kann stark variieren. „Vom Herkunfts- bis zum Zielland sind mehrere Tausend Euro bis hin zu einem fünfstelligen Betrag - vor allem bei Garantieschleusungen - durchaus realistisch“, sagt Knott. Eine geplante Schleusung auf dem Luftweg mit gefälschten Dokumenten sei viel teurer als ein Weg zu Fuß über die „grüne Grenze“.

Die Ermittlungen gegen den Syrer mit Wohnsitz in Hagen dauern an. Sollte es zu einer Verurteilung kommen, droht ihm eine Freiheitsstrafe von drei Monaten bis fünf Jahren. Erkennen die Richter ein gewerbsmäßiges Einschleusen, ist der Strafrahmen doppelt so hoch.

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