SCHULE

79 freie Rektorstellen in Südwestfalen

Trotz der bürokratischen Aufgaben nimmt sich die kommissarische Rektorin Christiane Lohmann noch Zeit für den Unterricht. Sie fände es schade, wenn sich das ändern würde.

Foto: Kevin Kretzler

Trotz der bürokratischen Aufgaben nimmt sich die kommissarische Rektorin Christiane Lohmann noch Zeit für den Unterricht. Sie fände es schade, wenn sich das ändern würde. Foto: Kevin Kretzler

Arnsberg/Menden.   Viele Schulen im Sauer- Siegerland suchen nach Rektoren. Gründe dafür sind nicht nur die mangelnde Attraktivität des Berufsalltags.

Schulleiter haben einen abwechslungsreichen Beruf, handeln mal als Finanzminister der Schule, mal als Klempner und mal als pädagogisches Großhirn. Das kostet viel Zeit. Zeit, die aber nicht in allen Fällen finanziell gewürdigt wird. In Südwestfalen fehlen an den insgesamt 613 Schulen derzeit 79 Rektoren.

Eine davon ist die Fröbelschule in Arnsberg. Dort übernimmt Astrid Bachen-Gessner seit zwei Wochen die Aufgaben eines Rektors, bis sich ein Nachfolger für den zurückgetretenen Kollegen findet. Sie ist eigentlich Konrektorin an der Förderschule und merkt jetzt am eigenen Leib, wie hoch der Arbeitsaufwand in dieser Position ist.

„Lehrpläne erstellen, Statistiken pflegen – die Belastung ist extrem“, sagt Bachen-Gessner. Deswegen bewirbt sie sich auch nicht auf den Posten. Und derzeit ist nicht absehbar, wann die vakante Stelle besetzt werden kann.

Grundschulen ohne Spitzenposten

Bei den 321 Grundschulen in der Region sind derzeit 37 Rektoren-Stellen unbesetzt. Eine davon ist die Albert-Schweitzer-Schule in Menden, wo seit diesem Jahr die Stelle des Schulleiters zum dritten Mal ausgeschrieben worden ist. Darauf gemeldet hat sich bislang aber niemand.

Derzeit erledigt hier Christiane Lohmann ersatzweise die Arbeit. Seit 2000 ist sie bereits Konrektorin und leitet jetzt die Schule mit Unterstützung ihres Kollegiums. Sie nutzte die vergangenen Monate, um einen besseren Überblick zu bekommen und erprobte die Vereinbarkeit von Klassenlehrerin und Schulleitung.

Zwar merkt sie den gestiegenen bürokratischen Aufwand, der aber sei aus ihrer Sicht zu bewältigen. „Eventuell bewerbe ich mich sogar auf die Stelle“, sagt Lohmann.

Nicht nur am Schreibtisch sitzen

Aber eines steht für sie fest: Es müsste dann immer noch genügend Zeit für den pädagogischen Teil ihrer Arbeit bleiben, da dies der Grund ist, weshalb sie überhaupt Lehrerin geworden ist.

„Ich möchte nicht nur am Schreibtisch sitzen, sondern etwas bewegen. Und ich möchte auch sehen, für wen ich das mache – nämlich für die Kinder.“ Sie hat die Hoffnung nicht aufgegeben, diesen Ansatz mit dem möglichen neuen Posten vereinbaren zu können.

Es gibt aber noch ein weiteres akutes Problem an den Schulen in der Region: Vielerorts sind die Sekretariate personell nicht ausreichend besetzt. „Und dadurch bleibt für die Rektoren noch weniger Zeit für die Schulentwicklung und für nötige pädagogische Impulse, die ein Schulleiter setzen müsste“, sagt Udo Beckmann, Vorsitzender beim Verband Bildung und Erziehung (VBE). Sein Verband vertritt die gewerkschaftlichen und bildungspolitischen Interessen der Mitglieder.

Ungleiche Bezahlung

Nächster Grund der verwaisten Rektoren-Posten in der Region: die ungleiche Bezahlung. An Grundschulen verdient der Rektor 5198 Euro brutto, der Oberstudiendirektor an einem Gymnasium bekommt 6443 Euro, obwohl in NRW für alle Lehrämter zehn Semester Hochschulstudium plus 18 Monate Vorbereitungsdienst auf dem Plan stehen.

Ziel müsse es laut Beckmann sein, dass es durch alle Schulformen hindurch ein gleiches Gehalt gibt. Er fordert: „Es muss diese Angleichungen geben, und das gilt nicht nur für Rektoren, sondern auch für die Konrektoren. Eine ausgeglichene Bezahlung würde den Beruf für viele interessanter machen, ebenso wie die Klärung des bürokratischen Aufwands.“

„40 000 Lehrerstellen fehlen“

Das Problem des Rektoren-Mangels wird sich für Beckmann zukünftig noch verschärfen. Er weist darauf hin, dass es aktuell an den Universitäten keine ausreichenden Studienkapazitäten für Lehrämtler gibt und somit der pädagogische Nachwuchs ausbleiben wird. Seine Prognose ist düster: „Bis zum Jahr 2025 werden vermutlich 40 000 Lehrstellen fehlen, um den Kindern gerecht zu werden.“

Auch interessant
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik