Bildung

Oberstufen-Unterricht mit Tablets in Wirtschaftsschule

Die Wirtschaftsfachschule Wihoga wird digital; sie rüstet die Schüler der künftigen Jahrgangsstufe 11 der gymnasialen Oberstufe und 13 Lehrer mit Tabletcomputern aus. Melina, Malin und Alina (von links) probieren ein Gerät schon mal fürs Foto aus.

Die Wirtschaftsfachschule Wihoga wird digital; sie rüstet die Schüler der künftigen Jahrgangsstufe 11 der gymnasialen Oberstufe und 13 Lehrer mit Tabletcomputern aus. Melina, Malin und Alina (von links) probieren ein Gerät schon mal fürs Foto aus.

Foto: Ralf Rottmann

Dortmund.   Bildung 4.0: Die Wirtschaftsschule für Gastronomie und Hotellerie in Dortmund startet in der Oberstufe den Unterricht ausschließlich mit Tablets.

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Es ist Schulbuch, Duden und Lexikon in einem. Allerdings werden nicht Seiten umgeblättert, sondern es wird über den Bildschirm gewischt: Die Wihoga (Wirtschaftsschule für Hotellerie, Gastronomie, Handel und Dienstleistungen) in Dortmund startet als eine der wenigen Schulen in Westfalen in einer kompletten Klasse den Unterricht ausschließlich mit Tabletcomputern. Schule 4.0 wird damit Realität; Tafel, Kreide, Hefte und Bücher haben ausgedient.

Der Unterricht

Mit der Umstellung ändert sich das Lehren und Lernen grundlegend: „Die Schüler sollen vernetzt miteinander und mit dem Lehrer kommunizieren, anstatt dass der Lehrer vorne steht und einen Vortrag hält“, beschreibt Henning Schmidt, der IT-Koordinator im Kollegium der Wihoga. Im Mittelpunkt der digitalisierten Bildung stehen dabei die vier K’s: Kommunikation, Kollaboration (Zusammenarbeit), Kreativität und kreatives Denken; sie beschreiben die Fähigkeiten, die die Schüler trainieren sollen und die sie auf Studium und Beruf zeitgemäß vorbereiten sollen. Ergebnisse aus Unterricht und Hausaufgaben werden nicht mehr vorgelesen oder „langwierig an die Tafel geschrieben“, so Henning Schmidt, sondern sind künftig „in Echtzeit“ auf einem großen Bildschirm im Klassenraum zu sehen. Mit einer App können die Tablets übrigens von den Lehrern jederzeit zurückgesetzt werden – eine Masterfunktion.

Die Inhalte

Die Unterrichtsinhalte hat das Kollegium der Wihoga, im Rahmen des vorgeschriebenen Lehrplans, für die Pilotklasse selbst entworfen. „Es gibt zwar Schulbücher als PDF-Dokumente, aber bislang für NRW nur ein einziges Online-Schulbuch“, berichtet Oberstudiendirektor Harald Becker, der Leiter der Wihoga.

Die Ausstattung

Im Januar haben 13 Lehrer/innen des 25-köpfigen Kollegiums mit wöchentlichen Vorbereitungen begonnen; nach den Sommerferien soll das Projekt starten. In der Jahrgangsstufe 11, also der gymnasialen Oberstufe des Wirtschaftsgymnasiums (Leistungskurse Englisch und BWL). Für mindestens 24 Schüler und die 13 Lehrer hat die Fachschule Tabletcomputer der jüngsten Generation der Marke Apple (I-Pads, 9,7 Zoll) inklusive Stift und Tastaturmatte angeschafft. Dazu wurden Schnittstellen, so genannte Accesspoints, in der Schule installiert, die für schnelles Internet sorgen. In den Osterferien wurden zwei Kilometer Kabel verlegt und das Gebäude an eine 100 Mbit-Glasfaserleitung angeschlossen. Es sollen bald 200 Mbit werden, denn: „Digitale Bildung ohne schnelles Internet ist nicht denkbar“, sind sich Becker und Schmidt einig. Zur Neuausstattung gehören auch Schließfächer, in denen die Schüler ihre Tabletcomputer in den Pausen deponieren und gleichzeitig laden können: Die Fächer sind eigens mit Steckdosen ausgestattet.

Die Kosten

„Rund 100 000 Euro in den letzten beiden Jahren“, so schätzt Schulleiter Harald Becker, hat die private Schule in das Projekt gesteckt. Zum größten Teil Gelder aus dem Förderprogramm des Landes Nordrhein-Westfalen „Gute Schule 2020“, das noch die Vorgängerregierung aus SPD und Grünen aufgelegt hat. Hinzu kommen Mittel, die die Träger der privaten Schule beigesteuert haben.

Der Antrieb

„Es geht heute nicht mehr darum, Schüler etwas auswendig lernen zu lassen. Das gesamte Wissen der Welt lässt sich online recherchieren. Die Schüler müssen Problemlösungen lernen“, begründet Schulleiter Becker den Einstieg in die Schule 4.0.

Der Nachteil

Auf alle Unterrichts-Arbeiten kann jeder Schüler und Lehrer jederzeit zugreifen. „Die Ausrede, ,die Steffi ist nicht da und die hat alle Unterlagen’, funktioniert dann nicht mehr“, sagt Schulleiter Becker augenzwinkernd.

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