Absurde Anklage wegen zwei leerer Coladosen

Hagen.  Gäbe es eine Hitliste der absurdesten Anklagen, würde Aktenzeichen 262 Js 109/15 der Staatsanwaltschaft Hagen einen Spitzenplatz belegen. Es geht um den Diebstahl von zwei Coladosen, leeren Coladosen. Pfandwert: 50 Cent.

Der Fall: Eine Frau (26) beobachtete von ihrem Balkon zwei Männer. Während einer mit seinem blauen Trolley an der Haustür vorbeizog, verschwand der andere im Hausflur. Deshalb rief sie die Polizei. Zwei leere Coladosen seien ihr gestohlen worden, so die Zeugin. Sie stellte keinen Strafantrag: „zu läppisch.“

Die beiden Männer, Pfandsammler, konnten eine Straße weiter von einer Polizeistreife gefasst werden, Trolley und Inhalt wurden beschlagnahmt: 19 leere Flaschen Bier, 10 leere PET-Flaschen, eine leere Coladose. Eine Coladose, wohlgemerkt.

Das hindert eine pflichtbewusste Oberamtsanwältin der Staatsanwaltschaft Hagen aber nicht, Anklage zu erheben, gegen beide Pfandsammler, wegen „Diebstahls geringwertiger Sachen“. Es kommt zum Strafprozess vor dem Amtsgericht.

Der Angeklagte (28), der im Hausflur gewesen ist, erscheint erst gar nicht. Er soll verhaftet und zum nächsten Termin vorgeführt werden. Auch die Frau, der die leeren Coladosen abhanden kamen, erschien nicht als Zeugin. Gegen sie wurden 100 Euro Ordnungsgeld verhängt.

Freigesprochen wurde der Angeklagte (35) mit dem Trolley. Seinen Verteidiger Hans-P. Weiskirch muss nun die Staatskasse bezahlen, rund 800 Euro. Der Anwalt: „Wenn solche Kinkerlitzchen angeklagt werden, braucht man sich nicht zu wundern, dass die Justiz überlastet ist.“

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