Recycling

Airbus A310 wird in Paderborn-Lippstadt komplett zerlegt

Vom Himmel ins Ersatzteillager

Recycling spielt auch in der Luftfahrt eine Rolle. Am Flughafen Paderborn wird gerade ein A310 zerlegt und in Einzelteilen verkauft. Ein Triebwerk bringt rund 1,5 Millionen Euro.

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Bühren.   Paderborn war für einen Airbus A310 das letzte Ziel. Der Flieger wird gerade zerlegt und in einzelteilen verkauft. Ein offenbar gutes Geschäft.

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Jörg Marons Begeisterung hält sich in Grenzen, schließlich ist er seit beinahe 40 Jahren leidenschaftlicher Flugzeugbauer. Jetzt hat der Technikchef der German Aircraft Maintenance (GAM) das Gegenteil vor. Sein Auftrag: Einen mächtigen Flieger in seine Einzelteile zerlegen. Im 4000 Quadratmeter großen Hangar am Flughafen Paderborn wird von Maron und seinem beinahe 80-köpfigen Team gerade ein Airbus A310 recycelt.

„Es wird alles verwertet, bis keine Schraube des Airbus mehr am Flugplatz ist“, beschreibt GAM-Geschäftsführer Jürgen Stolze das Ziel, das in einem Vierteljahr erreicht sein soll. Dann ist der Flieger, von dem GAM nicht verrät, wo er genau herkommt, Geschichte. Aero-Sky mit Sitz bei Genf hat den A310 nach Paderborn fliegen lassen. Die Kennung „D-AAAM“ sind im Prinzip rote Nummern für den allerletzten Flug nach Paderborn. „Das Flugzeug war nicht in Europa stationiert“, verrät Stolze, mehr nicht.

Tagesgeschäft Ferienflieger

Immerhin ist es auch nicht in der Wüste in den USA gelandet, wo nicht nur der Friedhof für alte Flieger ist, sondern nach Stolzes Infos auch rund 600 000 Volkswagen herumgammeln, die im Zuge des Dieselskandals zurückgenommen werden mussten – eine ganz andere Geschichte.

„Wir sind nicht der Parkplatz für alte Gurken“, betont Stolze. GAM am Flughafen Paderborn-Lippstadt ist ein noch junges Unternehmen, 2015 gegründet und seit gut zwei Jahren als unabhängige Flugzeugwerkstatt am Start. Das Tagesgeschäft sind Wartungsarbeiten. Zwischen Landung und Start der Ferienflieger erledigen die Mechaniker die sogenannte Line Maintenance, die kleine Wartung, die ruckzuck gehen muss.

Hier sind die Kunden vor allem die Fluggesellschaften, die in Paderborn starten und landen beziehungsweise ihre Flugzeuge dort stationiert haben. Oder die große Inspektion (Base Maintenance), die zwischen einer Woche und zwei Monaten dauern kann.

Die komplette Zerlegung eines ehemaligen Linienflugzeugs ist für GAM neu. Die Paderborner sind die einzigen von einer Handvoll Firmen in Europa, die so etwas können und die entsprechenden Lizenzen dafür haben. „Auseinanderreißen kann es jeder“, erklärt Stolze. Nur könnte man dann die Teile nur noch in die Schrottpresse stopfen.

Jeder einzelne Mitarbeiter, der gerade Hand an den A 310 anlegt, verfügt über die nötige Lizenz, also die Berechtigung, dies zu tun. Sieht man, wie akribisch und lang andauernd allein das Ablassen des riesigen Triebwerks auf einen mächtigen Rollwagen dauert, und wie viele Hände, Augen und Ohren es dazu braucht, glaubt man diese Expertise ohne Zweifel.

Bis Ende August wird die Skelettierung des Fliegers etwa dauern, die mit dem Abbau der Nase, dem Radar-Dom, begann und sich nun mit der Demontage der Triebwerke fortsetzt. So schnell es geht, soll das Leitwerk mit dem Höhen- und Seitenruder abgeschnitten werden, damit der Airbus komplett in die eigentlich riesige Halle passt. Parallel hat die Entkernung des Innenlebens begonnen. Zahlreiche Sitze stehen bereits abholbereit am Hallenboden neben der Maschine.

Am Ende 40 Tonnen Aluschrott

Ein Mitarbeiter zeigt in einem Kriechgang, wo die Blackbox im Heck sitzt, zwei andere montieren im Gepäckraum Wandverkleidungen ab, um die zahlreichen Kilometer Kabel zu entfernen.

„Irgendwann kommt der traurige Punkt, an dem nur noch die nackte Aluminiumzelle da steht. Dann kommt der Entsorger mit dem Bagger“, erzählt Jörg Maron unter dem Cockpit stehend und in den Hallenhimmel blickend. „Eigentlich ist die ja zum Fliegen gebaut“, sinniert der 55-jährige Flugzeugbauer. „Aber es ist eben auch ein Geschäft.“ Und für die GAM ein gutes und dazu ein neues Standbein auf dem Weg zu weiterem Wachstum, das unbedingt angestrebt wird. Es wird nicht die letzte Demontage bleiben.

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