Senioren-Bericht

Studie belegt große Unterschiede bei Renten in NRW

Wie geht es den Rentnerinnen und Rentnern in NRW? Das Landesinstitut IT NRW zeichnet im neuen Senioren-Bericht ein gemischtes Bild.

Wie geht es den Rentnerinnen und Rentnern in NRW? Das Landesinstitut IT NRW zeichnet im neuen Senioren-Bericht ein gemischtes Bild.

Foto: Patrick Pleul

Essen.   " Alt, arm und allein" steht über dem neuen Senioren-Bericht vom Landesinstitut IT NRW. Doch hinter dem Titel steht auch ein dickes Fragezeichen.

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Alt, arm und allein – die drei Schlagworte über dem Senioren-Bericht von IT NRW klingen nach Provokation. Doch die Landesstatistiker haben ein dickes Fragezeichen hinter die Titelzeile ihrer Studie „Lebensbedingungen und wirtschaftliche Situation der älteren Bevölkerung in NRW“ gesetzt. Nur auf wenige Begriffe reduzieren lässt sich die Lage der rund 3,7 Millionen NRW-Rentner nämlich nicht. Ein Überblick.

Altert NRW immer mehr?

Ja. Die NRW-Bevölkerung weist bereits jetzt einen hohen Altenanteil auf und der Alterungsprozess wird sich zukünftig weiter fortsetzen, schreiben die Studienautoren. Die stetig steigende Lebenserwartung habe dazu geführt, dass die Zahl der Menschen im Alter von 80 und mehr Jahren deutlich zugenommen habe und voraussichtlich auch künftig weiter steigen werde. 2016 waren mehr als eine Million Menschen bereits 80 Jahre oder älter. Das waren 27,9 Prozent der NRW-Bürger ab 65. 2005 lag dieser Wert noch bei 21,7 Prozent. Insgesamt ist bereits ein Fünftel der Bevölkerung im Rentenalter.

Gibt es regionale Unterschiede?

Vor allem in Teilen des Ruhrgebiets und den angrenzenden Kreisen ist der Anteil der über 65-Jährigen überdurchschnittlich hoch. Die höchsten Quoten gibt es in Mülheim (23,8 Prozent), im Kreis Mettmann (23,6) und im Ennepe-Ruhr-Kreis (23,2). Am niedrigsten ist der Anteil der Älteren in Münster (16,8), in Paderborn (17,2), Köln (17,5) und Bonn (18,1). Das Ruhrgebiet liegt mit einem Seniorenanteil von 21,6 Prozent im Mittelfeld. Die Entwicklung ist aber uneinheitlich. In Essen, Duisburg und Gelsenkirchen ging die Seniorenquote seit 2005 leicht zurück. In Bochum und Bottrop stieg sie um mehr als einen Prozentpunkt.

Leben Ältere oft allein?

Während noch über zwei Drittel der 65- bis unter 80-Jährigen in einer Partnerschaft leben, sind es bei den 80-Jährigen und Älteren nur noch knapp 43 Prozent. Frauen leben dabei deutlich öfter allein als Männer. Von den über 80-Jährigen lebt nur noch ein Viertel der Frauen in einer Partnerschaft, während es bei Männern 70 Prozent sind. Insgesamt sind rund 29 Prozent der Älteren verwitwet, fast 60 Prozent verheiratet und 6,8 Prozent geschieden. Der Anteil der Geschiedenen lag 2005 noch bei 4,5 Prozent. Dies zeige, dass nun verstärkt jene Jahrgänge ins Rentenalter kommen, bei denen traditionelle Rollenbilder von Ehe und Familie eine abnehmende Rolle spielten. Die Zahlen beziehen sich übrigens ausschließlich auf Ältere, die selbstständig leben. Seniorenheimbewohner sind nicht erfasst.

Geht es den NRW-Senioren wirtschaftlich gut?

Hier ergibt sich ein gemischtes Bild. Die finanzielle Situation der Älteren wird geprägt durch ihren früheren Beruf. Pensionäre sind mit Abstand am besten versorgt, während frühere Arbeiter über die geringsten Altersbezüge verfügen. Unabhängig davon, welche Berufe Frauen ausgeübt haben, bekommen sie zum Teil deutlich niedrigere Altersbezüge als Männer. Insgesamt reicht die durchschnittliche Einkommensspanne der Senioren von netto monatlich 2740 Euro bei pensionierten Beamten bis zu 890 Euro bei früheren Arbeiterinnen.

Wie sieht es mit Altersarmut aus?

Zwar ist das Armutsrisiko im Alter mit 14,4 Prozent niedriger als in der NRW-Gesamtbevölkerung (16,7 Prozent). Allerdings stieg die Quote derjenigen Senioren in den vergangenen Jahren deutlich an, die mit einem Einkommen unterhalb der Armutsrisikoschwelle auskommen mussten. Frauen haben mit 16,1 Prozent dabei ein höheres Armutsrisiko als Männer (12,3).

Steigt das Risiko, ein Pflegefall zu werden?

Grundsätzlich ja, weil wir immer älter werden. Insgesamt 14,5 Prozent der Älteren sind pflegebedürftig. Bei den über 80-Jährigen ist dies bereits bei über einem Drittel der Fall. „Wir müssen uns auf eine immer älter werdende Gesellschaft vorbereiten“, sagte NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) dieser Zeitung. NRW brauche daher jedes Jahr zwei bis drei Prozent mehr Pflegekräfte.

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