Alter, was geht?

Alter spielt für Banken nicht mehr die zentrale Rolle

Kreditwürdig oder nicht? Hermann Backhaus in einem (für diese Zeitung gestellten) Beratungsgespräch.

Kreditwürdig oder nicht? Hermann Backhaus in einem (für diese Zeitung gestellten) Beratungsgespräch.

Foto: Lars Heidrich

Hagen.   Auch Rentner bekommen mittlerweile wieder einen Kredit. Aber: Achtung bei Spezialfällen Hypothekenumkehrung und Leibrente.

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Was geht im Alter eigentlich noch, wenn ich mir etwas leisten will, aber gerade nichts auf der Habenseite meines Kontos steht? Als wie kreditwürdig sehen Geldinstitute Senioren an?

Grundsätzlich spielt das Alter eines Kunden für eine Bank nicht (mehr) die wesentliche Rolle bei der Geschäftsbeziehung. „Der Kunde muss kapitaldienstfähig sein“, drückt es Hermann ­Backhaus, Vorstandsvorsitzender der Märkischen Bank mit Sitz in Hagen, einmal technisch aus. Backhaus kann es selbstverständlich auch im Klartext: „Bei ordentlicher Kontoführung gibt es keinen Unterschied, ob ein Gehalt oder die Rente überwiesen wird.“

Die Zahl der Nachsparer wächst

Bei Anschaffungskrediten für neue Möbel oder ein Auto gibt es zumindest ausreichend viele Banken, die Kredite ohne Alterbegrenzung vergeben. Und laut Backhaus ist die Zahl der älteren Kunden, die einen Kredit in Anspruch nehmen, durchaus beträchtlich. „Hier hat sich auch etwas am Image ­geändert. Es ist nicht mehr verpönt, sich Geld zu leihen. Es gibt viel mehr Nachsparer als früher“, ist die Erfahrung des Bankvorstandes. Seiner Kenntnis nach wird auch nicht mehr gefragt, wofür die Kreditnehmer das Geld verwenden wollen – jedenfalls nicht bei der Märkischen Bank. Auch werde beim Autokauf der Kfz-Brief nicht mehr bis zur Begleichung der letzten Rate einbehalten.

Dass die ältere Generation anders als noch vor Jahren mittlerweile sogar von Kreditinstituten umworben wird, ist einleuchtend. Die Demografie spielt hier eine große Rolle. In Kürze beginnt die Renteneintrittsphase der Babyboomer-Generation. Die Zahl der Rentner und Pensionäre wird im Vergleich zur arbeitenden Bevölkerung weiter wachsen – eine Kundenklientel, die also weiter an Bedeutung gewinnt.

Ohne überteuerte Risikolebensversicherungen

Die Märkische Bank hat dafür vor fünf Jahren sogar eine eigene Arbeitsgruppe mit dem Titel ­„VR-Lebenslinien 55+“ eingerichtet, die sich auf ältere Kundschaft spezialisiert. Bis hin zum Service, ein bis zwei Mal im Monat Geld frei haus zu bringen, um den Weg zum Bankomaten zu ersparen.

Zurück zum Kreditgeschäft: Selbst größere Beträge für eine Modernisierung von Wohneigentum werden heute zu vernünftigen Konditionen und ohne überteuerte Risikolebens- oder Restschuldversicherungen angeboten. Hermann Backhaus versichert, dass der Zinssatz auch hier nicht mit dem Lebensalter zusammenhängt.

Wohnrecht auf Lebenszeit

Speziell wird es, wenn die Rente zum Leben nicht mehr reicht. Übersteigen die laufenden Kosten ständig die Einnahmen, etwa weil für den Partner hohe Pflegeaufwendungen anfallen, ist guter Rat teuer, weil dann ein Darlehen auch nicht getilgt werden könnte.

Wer über Eigentum verfügt, könnte noch über eine sogenannte Hypothekenumkehrung oder die sogenannte „Leibrente“ nachdenken. Die Idee dahinter ist, die Immobilie entweder zu beleihen oder zu verkaufen, aber ein Wohnrecht auf Lebenszeit zu behalten. Wird die Immobilie beliehen, trägt der Eigentümer weiter anfallende ­Sanierungskosten und das Darlehen baut sich immer weiter auf. Im Fall der Leibrente werden Haus oder Wohnung verkauft, der Käufer zahlt eine monatliche Rente. „Es gibt kein richtig oder falsch. Die Angebote sind nicht in jedem Fall unseriös, aber man sollte die Möglichkeit nicht aus finanzieller Not heraus wählen“, rät Ralf Scherfling von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.

Verschiedene Angebote einholen

Für die meisten Banken ist Hypothekenumkehr kein Geschäftsfeld, sie bieten diese Möglichkeit gar nicht an. Und: Die Zahl der Anbieter scheint überschaubar zu sein. „Das ist ein Problem. Es gibt kaum Angebote, die sind meist regional begrenzt“, so Scherfling. Außerdem handele es sich um ein „sehr teures Darlehen“. Bei der Bewertung der Immobilie werde häufig ein Risikoabschlag genommen, bis zu 20 Prozent.

Verbraucherschützer Scherfling rät: „Grundsätzlich sollten Kunden immer verschiedene Angebote einholen. Das gilt natürlich auch für Kreditangebote.“ Das ist kein Affront gegen die jahrzehntelange Hausbank.

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