Interview

Ältere Mitarbeiter – sind die nicht langsam und oft krank?

Viele Unternehmen haben Vorurteile gegen ältere Mitarbeiter – und stellen lieber Jüngere ein. Zu Recht?

Viele Unternehmen haben Vorurteile gegen ältere Mitarbeiter – und stellen lieber Jüngere ein. Zu Recht?

Foto: DPA

Lennestadt.   Besserwisser? Digital-Verweigerer? Lern-Unwillige? Nur wenige Firmen setzen auf Ältere – wie Schauerte aus Lennestadt. Ein Interview.

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Rente mit 67. Erst mit 67. Der Eintritt in die Regelaltersrente ist nach wie vor hoch umstritten. Auf der anderen Seite gilt: Wer findet mit 58 Jahren noch einen neuen Job? Abseits von den Faktoren demographischer Wandel und Nachwuchskräftemangel, die das Sauer- und Siegerland mehr und mehr beeinflussen, gibt es Unternehmen, die bewusst auf ältere Mitarbeiter setzen – und das zur Firmenphilosophie gemacht haben. Wie Schauerte Präzisionstechnik aus Lennestadt. Ein Interview.

Herr Schauerte, ältere Mitarbeiter sind auf dem Lohnzettel viel teurer als jüngere. Können Sie sich das leisten?

Stefan W. Schauerte: Das ist nicht meine Sichtweise; für mich ist die Leistung ausschlaggebend. Alle Mitarbeiter bekommen eine tätigkeitsbezogene Entlohnung. Mir ist der Mix innerhalb der Belegschaft wichtig. Das Durchschnittsalter im Unternehmen liegt stabil bei rund 42 Jahren. Letztens haben wir einen Mitarbeiter im kaufmännischen Bereich eingestellt, der 56 Jahre alt war. Die älteren Mitarbeiter bringen viel Erfahrung, Wissen und auch Gelassenheit in den Betrieb ein.

… und wie sieht es bei den Ausfällen wegen Krankheit aus?

Schauerte: Da gibt es keine Auffälligkeiten. Auch ein jüngerer Mensch kann einen Sportunfall in der Freizeit erleiden ...

Erfahrung ist das eine – aber es geht doch in Zeiten der Automatisierung und Digitalisierung auch um neue Produktionsprozesse und Anwendungen. Wie kommen ältere Beschäftigte damit klar?

Schauerte: Sie sind offen, sich mit neuen Technologien zu beschäftigen. Und das müssen sie auch: Es gibt keinen im Betrieb, der ohne die Nutzung eines Computers arbeitet. Meine Erfahrung ist: Auch die Älteren erkennen, wie wichtig der Fortschritt ist, und sie interessieren sich auch für Neuheiten.

Gibt es eine besondere Form der Schulung?

Schauerte: Da gibt es keinen Unterschied zwischen jüngeren und älteren Mitarbeitern. Es gibt interne und externe Schulungen, etwa, wenn eine neue Maschine angeschafft wird. Da spielt das Alter keine Rolle, sondern es geht um die Tätigkeit bzw. Aufgabe des Beschäftigten.

Spielt der Fachkräftemangel eine Rolle – oder anders gefragt: Lässt sich fehlender Nachwuchs durch das Festhalten an altgedienten Mitarbeitern kompensieren?

Schauerte: Die Region ist durch gewerblich-technische Berufe geprägt. Knapp 50 Prozent der Arbeitnehmer sind in der Industrie beschäftigt. Derzeit finden wir immer noch ausreichend Auszubildende. Ihr Anteil an den Beschäftigten liegt bei uns bei rund zehn Prozent. Dennoch halte ich nicht viel von der 63er-Regelung (abschlagsfreie Rente mit 63 Jahren nach 45 Beitragsjahren, Anm. d. Red.), das ist das falsche politische Signal, weil dadurch der Fachkräftemangel verstärkt wird.

Wieso spielt Erfahrung in ihrer Produktion eine so wichtige Rolle?

Schauerte: Bei der Herstellung von Präzisionsdrehteilen geht es um Genauigkeit, da kommt es auf ein Mü (tausendstel Millimeter, Anm. d. Red.) an. Ausgangsmaterial sind runde oder Sechskant-Stangen aus Stahl, Edelstahl, Aluminium oder Messing. Daraus werden etwa Hydraulikkupplungen hergestellt. Neben der Präzision in der Herstellung kommt es auf kurze Taktzeiten an und ein Gespür für die Maschinenlaufzeiten und Werkzeugstandzeiten, um möglichst wenig Stillstand zu haben. Da spielt bei aller Automatisierung die Erfahrung des Mitarbeiters weiterhin eine große Rolle.

Wie reagieren denn die Jüngeren auf die Älteren in der Belegschaft?

Schauerte: Das ist ein gleichberechtigtes Miteinander. Der Altersmix trägt dazu bei, dass die Älteren jung bleiben, und die Jüngeren durch die Erfahrung lernen. Nicht Alter ist das Kriterium, sondern der Mensch.

Wie alt ist aktuell der älteste Mitarbeiter in der Fertigung?

Schauerte: 63 Jahre. Und er will auch noch ein paar Jahre bis zur Rente weitermachen.

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