Alter, was geht?

Was die Stones mit den Returns aus Wetter zu tun haben

Die Band-Mitglieder Jürgen Merkel (links) und Ebby Fandrey von den Returns.

Die Band-Mitglieder Jürgen Merkel (links) und Ebby Fandrey von den Returns.

Foto: Ralf Rottmann / FUNKE Foto Services

Wetter.   1965 gründeten sich in Wetter „The Returns“. Aktivität ist gerade im Alter wichtig, wissen (nicht nur) die Musiker von der Ruhr.

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„So lange die Stones noch spielen, machen wir auch weiter“, sagt Ebby Fandrey (Gitarre, Gesang). Jürgen Merkel (Bass, Keyboards) ist nicht ganz einverstanden: „Wenn die nicht mehr wollen oder können, ist das für uns noch kein Grund aufzuhören.“ Das sieht Fandrey im Grunde genau so: „So lange wir das schaffen und Leute zu den Konzerten kommen, bleiben wir dabei.“ Und Merkel ergänzt: „Das Schönste an der Band ist, dass es sie gibt.“ Und „The Returns“ gibt es schon seit mehr als einem halben Jahrhundert. Mit Unterbrechungen. Aber wie der Bandname schon sagt: Rückkehr ist Prinzip.

Wenig geändert

Angefangen hat es 1965. Da war selbst Ebby Fandrey noch nicht dabei. Er stieg ein Jahr später in die Band ein, die vor allem Beatles- und Stones-Titel nachspielte. „Eigentlich hat sich nur wenig daran geändert“, meint der heute 70-Jährige. Ein paar Jahre lang bespielte man die wenigen Bühnen, die es damals gab, aber dann zerstreute sich die Band in alle Winde – Studium und Beruf waren wichtiger geworden.

Die Rückkehr sollte eigentlich ein einmaliges Ereignis werden: Zu seinem 40. Geburtstag trommelte Ebby Fandrey ein paar der alten Jungs und ein paar neue zusammen. So kam Jürgen Merkel ins Spiel. Der Musiklehrer hatte einen Probenraum im Gymnasium anzubieten. Für ein paar Tage, glaubte man. Aber dann machte der Auftritt im Anglerheim allen Beteiligten so viel Spaß, dass sie es dabei nicht bewenden ließen. Und immer weiter machten.

Nette Nachbarn

Inzwischen ist auch Jürgen Merkel in Pension, und geprobt wird jetzt in seinem Keller: „Wir haben nette Nachbarn. Es hat sich noch nie einer beschwert.“ Aber muss man denn überhaupt noch proben nach so vielen Jahren? „In erster Linie zur Gedächtnisauffrischung“, meint Fandrey. „Wir haben den Band-Kühlschrank im Keller“, nennt Merkel einen weiteren Grund. „Und mit unserem neuen Lead-Gitarristen Jo Raidt (seit 2014) spielen wir jetzt auch anderes Material – von Jimi Hendrix, Eric Clapton und Mark Knopfler“, ergänzt der Kollege. Die Hauptsache aber, da sind die beiden sich einig: „Es ist schön, sich mit Freunden zu treffen und Musik zu machen.“

Fünf bis zehn Auftritte gibt es im Jahr, den nächsten gleich am morgigen 1. Mai am Harkortsee, im Oktober zum 21. Mal beim Benefiz für den Kulturverein in der Lichtburg, auf Privatpartys und einmal sogar auf einer Oldie-Nacht mit Dave Dee und Chris Andrews. Davor wird etwas regelmäßiger geprobt, sonst ist es schwer, die Termine mit den vielen anderen Aktivitäten der Rentner zu koordinieren. Fandrey ist im Kreistag aktiv, für die SPD, fährt Ski und Rad, spielt Golf und kümmert sich um eine Flüchtlingsfamilie, Merkel leitet den Gospelchor „Grooving Voices“ und ist auch sportlich aktiv.

Probleme am Schlagzeug

Und die Musik hält sie jung? Davon sind sie überzeugt. „Aber die Einschläge kommen näher“, sagt Fandrey. Der aktuelle Schlagzeuger ist schwer erkrankt, der Ur-Drummer mit 70 verstorben, der vorletzte hatte einen Herzinfarkt. Ebby Fandrey selbst hat Rückenprobleme. Deshalb muss Jürgen Merkels Ehefrau Uschi schon mal dabei helfen, das Equipment zu schleppen. „Ich bin Roadie, kein Groupie“, scherzt sie. Wie auch immer: „Auf der Bühne spürt man keinen Schmerz“, betont Fandrey.

Und was rät er weniger musikalischen Altersgenossen? „Aktiv sein ist ganz wichtig. Und für mich als früheren Lehrer ist Gartenarbeit ein Muss: Da sieht man die Resultate der Anstrengungen.“ Jürgen Merkel bestreitet, dass man die an der Schule nicht wahrnehme, zumindest über die Erfolge seiner Musikschüler kann er sich freuen. Und so Nachwuchs anwerben: Morgen trommelt als Ersatz ein ehemaliger Schüler. „Noah ist gerade einmal 20 Jahre.“

Die Struktur der Musik

Ihm gefällt die Musik der Oldies, freuen sich die Altrocker: „Nach zwei Proben war er drin. Die Musik hat eben noch Struktur.“ Struktur ist auch fürs Leben als Rentner wichtig, meinen sie. Noch entscheidender aber sei die Gemeinschaft. Für einen selbst aber auch im Engagement für andere. Unverkennbar: Hier sprechen Alt-68er. Aber es gilt: Wer jung bleibt, hat recht.

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