Wirtschaft

Amazon eröffnet Europas modernstes Umverteilzentrum

Zur offiziellen Einweihung des Amazon-Umverteilzentrums auf dem Gelände der früheren Westfalenhütte (Hoesch) in Dortmund freute sich NRW-Minister Lutz Lienenkämper (CDU) über das neue „Amazonien“. 1600 Arbeitsplätze sind hier entstanden, viele Beschäftigte haben aber befristete Verträge.

Foto: Lars Heidrich

Zur offiziellen Einweihung des Amazon-Umverteilzentrums auf dem Gelände der früheren Westfalenhütte (Hoesch) in Dortmund freute sich NRW-Minister Lutz Lienenkämper (CDU) über das neue „Amazonien“. 1600 Arbeitsplätze sind hier entstanden, viele Beschäftigte haben aber befristete Verträge.

Dortmund.   Am Standort Dortmund hat der US-Gigant Amazon offiziell sein Umverteilzentrum eröffnet, das noch mehr Tempo bei der Zustellung bringen soll.

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Der Onlineversandhändler Amazon wächst weiter rasant. Und immer mehr Deutsche bestellen immer häufiger auf der Plattform des US-Giganten. Im vergangenen Jahr landete annähernd jeder zweite Euro, der in Deutschland im Netz ausgegebenen wurde, bei Amazon, hat das Institut für Handelsforschung (IFH) Köln ermittelt.

Dieses Wachstum spiegelt sich gerade in Nordrhein-Westfalen besonders in Infrastruktur und Arbeitsplätzen wider. Gestern wurde in Dortmund ein hochautomatisiertes Umverteilzentrum offiziell eröffnet – das bislang einzige dieser Art in Europa.

Weitere Beschleunigung der Zustellung

„Hier kommen Waren von Händlern aus ganz Europa an und werden zur Bevorratung an die Logistikstandorte weiter verteilt“, erläutert Lars Krause, Amazon-Geschäftsführer für Dortmund. Das Ziel ist, Pakete immer schneller zum Kunden zu befördern, möglichst noch am Tag der Bestellung. Die Spirale dreht sich also rasant, Amazons Marktmacht wächst laut IFH in höchstem Tempo. So stark, dass die Handelsexperten befürchten, dass der Weg zum Kunden anderen Anbietern regelrecht abgeschnitten werde.

Amazons Problem ist es natürlich nicht, dass sie ihren Job offenbar ziemlich perfekt machen: Die Bedürfnisse des Kunden bestmöglich befriedigen – und möglichst noch besser.

Der Standort Westfalenhütte, wo 2001 die Geschichte der Stahlproduktion bei Hoesch (später Krupp) in Dortmund endete, spielt hier eine zentrale Rolle, obwohl von dort kein einziges Päckchen beim Kunden landet. Im „DTM 2“ genannten Logistikzentrum werden die Warenströme innerhalb Europas gebündelt, die Wege verkürzt und so die Auslieferung beschleunigt. Der Testbetrieb läuft bereits seit Ende 2017.

Gerade werden Roboter installiert

Momentan werden in den gewaltigen Hallen vom Hersteller ABB 360-Grad-Roboter installiert, die die rund 1600, überwiegend befristet Beschäftigten bei der Arbeit unterstützen sollen. Noch herrscht relative Gelassenheit auf dem sieben Fußballfelder großen Areal. Es ist noch Luft für Waren. Spätestens zum Weihnachtsgeschäft wird sich dies ändern.

Von der Lokalpolitik bis zur Landesregierung gibt es an Tagen wie diesen für den US-Riesen nichts als Lob und Anerkennung. NRW-Finanzminister Lutz Lienenkämper (CDU) zeigt sich begeistert darüber, dass an dem Ort, wo einst bis zu 25 000 Hoeschianer malochten, „heute Amazonien ist“. Lienenkämper kommt mit einer Stunde Verspätung aus der Landeshauptstadt an – gerade noch rechtzeitig für ein paar warme Worte. Der Stau einmal mehr.

Amazon hat seine Infrastruktur ganz offenkundig besser im Griff als das wirtschaftsstärkste Bundesland. Und trotz Unzulänglichkeiten, die Logistiker durchaus berühren, bekennt man sich deutlich zum Standort NRW. „Hier fühlen wir uns zuhause“, versichert Amazons Deutschlandchef für Logistik, Bernd Gschaider. Man wolle genau hier weiter wachsen – im Rest Europas allerdings auch.

Das nächste Verteilzentrum in NRW ist in Mönchengladbach geplant. Nach eigenen Angaben investierte der Konzern seit 2010 rund acht Milliarden Euro in Deutschland, beschäftigt mehr als 16 000 Mitarbeiter – bezahlt sie für die Logistikbranche gar nicht schlecht, aber zum Ärger der Gewerkschaft Verdi nach wie vor nicht nach Einzelhandelstarif. Vielleicht die einzige ewige Baustelle der US-Amerikaner.

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