Muttertag

„Mich für ein Kind zu entscheiden, stand nicht zur Debatte“

Annette Pell sitzt in ihrem eigenen Büro. Sie liebt ihre Arbeit

Annette Pell sitzt in ihrem eigenen Büro. Sie liebt ihre Arbeit

Foto: Lena Kley

Fröndenberg.   Sie arbeitet gerne und viel. Deswegen hat sich Annette Pell bewusst gegen Kinder entschieden – und ist damit auf viel Unverständnis gestoßen.

Ich habe früh die Entscheidung für mich getroffen, dass ich in meinem Leben beruflich vorankommen möchte – ohne Kinder. Schon als junge Frau wollte ich einen Beruf erlernen, bei dem ich eigenverantwortliches Arbeiten und Planung miteinander kombinieren kann.

Mittlerweile arbeite ich selbstständig in meinem eigenen Unternehmen.

Ich bin als Fremdsprachenkorrespondentin in das Berufsleben gestartet und habe eine zusätzliche Ausbildung zur Managementassistentin abgeschlossen.

Sehr viele Jahre war ich in dem internationalen Konzern „Schlaraffia“ die Assistentin der Geschäftsleitung. Ich habe immer viel und gern gearbeitet. Mich bei dieser Tätigkeit für ein Kind zu entscheiden, stand nicht zur Debatte.

Warum willst du denn keine Kinder?

Gerade als jüngere Frau bin ich deswegen in meinem Umfeld teilweise auf großes Unverständnis gestoßen. „Das verstehe ich nicht, warum willst du denn keine Kinder?“ „Das kommt vielleicht noch ...“ „Dann musst du eben zurückstecken, um Kinder zu kriegen.“ Diese Aussagen habe ich über Jahre gehört.

Eine Frau ohne Kinder verunsichert viele

Aber je älter ich wurde, desto leiser wurden diese Stimmen: „Die ist eben mit ihrer Arbeit verheiratet, kann sie vielleicht keine Kinder bekommen?“ Manche haben auch gesagt: „Die mag wohl keine Kinder.“

Auch wenn ich neue Menschen kennenlerne, kommt meist zwangsläufig die Frage: „Hast du Kinder?“ Wenn ich verneine, sind meine Gesprächspartner erst einmal überrascht. Manche Menschen sind verunsichert, wenn vor ihnen eine Frau ohne Kinder steht.

Oftmals versuchen sie dann herauszufinden, ob ich Kinder mag. Viele sind dann erstaunt, wenn ich ihnen sage, dass ich Kinder sehr gern mag, mich aber bewusst dagegen entschieden habe, weil ich mir nicht vorstellen konnte, dass ich Kindern mit der von mir gewählten Lebenseinstellung gerecht werden kann.

Ich habe für mich selbst entschieden, dass ich Kind und Karriere nicht gerecht werden kann. Das Elternsein beschränkt sich für mich nicht nur auf zwei Tage in der Woche. Ich hatte bewusst nie den typischen Acht-Stunden-Tag, war immer erreichbar und oft bis spät abends und am Wochenende beruflich eingespannt.

Ich würde den Weg wieder gehen

Aber was soll ich sagen. Es ist genau das, was ich will. Ich hatte das Glück, dass ich immer große Erfüllung in meinem Beruf gefunden habe und durfte aufgrund meiner Einsatzbereitschaft auch phantastische Erfahrungen machen. Ich war beruflich in ganz Europa unterwegs, in Brüssel, Warschau, Paris und Wien. All das wäre mit einem Kind schwierig gewesen.

Ich kenne allerdings auch Frauen in leitenden Positionen, die Mütter geworden sind. Dadurch weiß ich auch, wie schwierig das ist. Ich ziehe vor jeder Frau den Hut, die das schafft!

Wir brauchen Kinder, doch Eltern müssen auch die Verantwortung für ihren Nachwuchs übernehmen. Sie müssen dafür sorgen, dass es dem Kind an nichts fehlt. Deswegen sollte sich meiner Meinung nach jeder sehr genau Gedanken machen, ob er oder sie bereit ist, diese Aufgabe zu übernehmen.

Männer haben weniger Probleme damit

Ich kann aus meiner Erfahrung sagen, dass in der Geschäftswelt Männern diese grundsätzliche Frage nicht gestellt wird. Hier wird in unserer Gesellschaft leider noch immer mit zweierlei Maß gemessen.

Jeder sollte so leben dürfen, wie es ihm gefällt – wir sind in der glücklichen Lage, dass wir es uns in unserer Gesellschaft aussuchen können. Ich würde den Weg, den ich gewählt habe, immer wieder gehen. Allerdings respektiere ich auch jede andere Lebenseinstellung.

Denn am Ende des Tages müssen wir mit den Entscheidungen leben, die wir für uns getroffen haben. Für meine Person kann ich auf jeden Fall sagen, dass ich meine Entscheidung nie bereut habe.

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