Hagen. . Hagens Intendant Norbert Hilchenbach ist Mitglied der Theaterkonferenz NRW. Im Interview erklärt er, warum ein Theaterpakt II nötig ist.
- Die Theater NRWs sind durch die Finanzkrise der Kommunen in ihrer Existenz bedroht
- Kulturministerin Christina Kampmann stellt neue Unterstützung in Aussicht
- Der Hagener Intendant Norbert Hilchenbach erläutert, warum das notwendig ist
Die Finanznot der Kommunen in NRW bedroht die Existenz der Stadttheater. Können die Rotstift-geplagten Bühnen nun aufatmen? Kulturministerin Christina Kampmann (SPD) hat einen zweiten Unterstützungspakt für klamme Häuser angekündigt. „Wir sind gegenwärtig in der von uns ins Leben gerufenen Theater- und Orchesterkonferenz in konstruktiven Gesprächen mit den Vertretern der Kommunen, der Theater und Orchester, wie ein zweiter Theaterpakt aussehen kann“, so die Ministerin zu unserer Zeitung. Norbert Hilchenbach (63), Intendant des Theaters Hagen, ist Mitglied der Theaterkonferenz und in ihre Arbeitsgruppe Finanzen berufen worden. Im Interview erläutert er, welche Hoffnungen sich an eine Erhöhung der Landeszuschüsse knüpfen.
Erhalten die NRW-Theater zu wenig Geld vom Land?
Norbert Hilchenbach: Kein anderes Bundesland gibt so wenig Geld für seine Theater aus wie NRW. NRW ist das absolute Schlusslicht. Die Theaterförderung beträgt im Landeshaushalt lediglich 0,7 Promille. Zum Vergleich: In Rheinland-Pfalz beträgt die Förderung schon 1,23 Promille. Es gibt Bundesländer, die 7 Promille ihres Gesamthaushalts für Bühnen ausgeben. NRW bezuschusst die städtischen Theater gerade mal mit fünf Prozent ihrer Betriebskosten. Der Städtetag und die Theater hoffen nun, diesen Zuschuss mittelfristig auf mindestens 20 Prozent zu erhöhen.
Weil es in NRW so viele Theater gibt, verringert sich also der Zuschuss für die einzelnen Bühnen?
Auch wenn man den Zuschuss des Landes auf die Einwohner umrechnet, bleibt NRW mit 2,50 Euro pro Kopf das Schlusslicht. Thüringen zahlt 21 Euro, das Saarland zahlt knapp 28 Euro pro Kopf. Rheinland-Pfalz steht an zweitschlechtester Stelle und zahlt schon 7,50 Euro. Es kann ja nicht logisch sein, zu sagen: Wir sind das bevölkerungsreichste Land mit den meisten kommunalen Theatern, deshalb zahlen wir am wenigsten.
Was ist denn das Ziel?
Die Theater gehen von einer jährlichen Kostensteigerung von 3 Prozent aus. Die resultieren aus Tarifsteigerungen im öffentlichen Dienst und inflationsbedingten Preiserhöhungen. Unser Vorschlag ist es, dass die Zuschüsse kontinuierlich steigen und hälftig getragen werden: 1,5 Prozent vom Land und 1,5 Prozent von der Kommune.
Können Sie das für das Theater Hagen umrechnen?
Der Zuschuss des Theaters Hagen beträgt ab 2018 nach der Einsparung 13,4 Millionen Euro. Drei Prozent mehr bedeuten pro Jahr 402 000 Euro. Kommt der Theaterpakt II, würde das Land 201 000 Euro davon tragen und die Stadt 201 000 Euro. Es soll eine langfristige gegenseitige Verbindlichkeit entstehen. Man muss dabei bedenken: Seit 25 Jahren erhalten wir nur die nackten Tarifsteigerungen, und die auch nur von der Stadt, ohne Inflationsrate. Jede Preiserhöhung haben wir bisher selber aufgefangen, das sind dicke sechsstellige Beträge, und das neben den allgemeinen Sparmaßnahmen.
Was steuert das Land zum Theater-Budget in Hagen bei?
Mit dem Theaterpakt I erreichen wir seit 2011 ungefähr fünf Prozent. Seit 2011 gibt das Land der Stadt Hagen 300 000 Euro mehr für den Strukturerhalt der Bühne. Notwendig wäre, dass das Land die Theater mit 20 Prozent unterstützt. So lautet auch die Forderung des Städtetages. Kommt der Theaterpakt II, so wären die Theater in circa zehn Jahren bei 20 Prozent Landes-Förderung angelangt, das wäre eine echte Erleichterung.
Die 300 000 Euro, die das Land jährlich seit 2011 zusätzlich an Hagen zahlt, sind die an Bedingungen geknüpft?
Wir erhalten von den 300 000 Euro 200 000 Euro als sogenannten Armenbonus, weil Hagen eine Kommune in der Haushaltssicherung ist. Ohne Nothaushalt würden wir nur 100 000 Euro erhalten. Das war ja auch ein Problem in der jüngsten Spardiskussion: Es ist bislang nicht klar, ob das Land seinen Zuschuss ebenfalls kürzt, wenn die Stadt Hagen dem Theater Hagen 1,5 Millionen Euro weniger gibt.
Was darf man unter der Theaterkonferenz verstehen?
Die Theaterkonferenz ist ein Zusammenschluss von Vertretern des Landes, des Städtetages und von Intendanten. Gerade im Städtetag haben die Bühnen einen kompetenten und agilen Partner, denn die Städte wissen, wie wichtig die NRW-Theaterlandschaft als Standortfaktor ist. Wir haben 2011 den ersten Theaterpakt auf den Weg gebracht. Seit drei Jahren drängen wir nun darauf, über eine Neuauflage zu diskutieren.
Ministerin Christina Kampmann zum Theaterpakt II
„Wir haben in den letzten Jahren in enger Partnerschaft mit den Kommunen viele Maßnahmen umgesetzt, um die Theater- und Orchesterlandschaft unseres Landes zu erhalten und weiterzuentwickeln“, so NRW-Kulturministerin Christina Kampmann in einem Statement zum Thema Theaterpakt.
Details könnten noch nicht mitgeteilt werden, da derzeit die Gespräche zwischen Land, Städtetag und Bühnen laufen. „Wir schließen mit Kommunen, die für ihre Theater und Orchester Planungssicherheit herstellen wollen, langfristige Fördervereinbarungen ab“, so die Ministerin weiter. „Und wir vergessen auch die Theaterlandschaft in der Fläche nicht, so können die Bespieltheater im nächsten Jahr erstmalig mit einer Förderung rechnen.“
Beim Theaterpakt I wurden die Fördermittel für die NRW-Bühnen ab 2011 um 4,5 Millionen Euro angehoben.