Iserlohn. . Die Iserlohner Villa Wessel zeigt bislang weitgehend unbekannte Bilder von Irmgart Wessel-Zumloh. Eine Begegnung mit einer anfangs verfolgten, später gefeierten Künstlerin.
Die Nationalsozialisten diffamierten ihre Kunst als „entartet“, in der jungen Bundesrepublik wurden ihre Motive mitunter „aus der weiblichen Sphäre des Haushalts“ belächelt: Die Iserlohner Malerin Irmgart Wessel-Zumloh (1907-1980) widerstand diesen Anfeindungen und Herabwürdigungen mit innerem Mut und konsequenter Qualität. Der Karl-Ernst-Osthaus-Preis 1952 und der Wilhelm-Morgner-Preis 1957 reflektieren denn auch die trotz allem höchst anerkannte Seite dieser großen Kreativen aus Westfalen.
Die Iserlohner Villa Wessel zeigt jetzt bis zum 5. März „Selten oder bisher nie gezeigte Bilder“ von Irmgard Wessel-Zumloh. Es handelt sich dabei um 20 großformatige Ölarbeiten und einige kleinere Aquarelle, zumeist aus privaten Sammlungen.
Echtes Heimspiel für die Künstlerin
Rouven Lotz, der wissenschaftliche Leiter des Hagener Emil Schumacher-Museums, hob in seiner Eröffnungsrede am Wochenende hervor, dass der vermeintliche Stillleben-Charakter in der Themen-Palette Wessel-Zumlohs im Grunde genommen zu kurz greift. Die Malerin öffne vielmehr den Blick auf ein Problem, dem sie sich stelle, nämlich dem des Farbraums: „Es findet sich in ihren Gemälden eine Anordnung von abstrahiert, also nur reduziert ausgeführten Gegenständen des täglichen Gebrauchs. Diese Gegenstände geben bei der Betrachtung, wie bereits der Künstlerin im Prozess des Malens, einen Haltepunkt, von dem aus das Bildgeschehen studiert werden kann. Irmgart Wessel-Zumloh schafft auf den Bildflächen ein Farbgefüge, das seinen eigenen Raum behauptet. dadurch wird der Farbe eine Freiheit zugebilligt, die nun wie Noten in der Musik für sich selbst und aus sich selbst heraus wirken kann.“
Diesen Schaffensprozess benannte Irmgart Wessel-Zumloh selbst mit den Worten: „Dass Malen, das Ermalen von Bildgründen und Dingen, das Übermalen, Verwischen, Auskratzen und Überfangen von Pinseln, Händen, Spachteln und Lappen, das ist meine Aktion.“ Natürlich ist diese abermals so eindrückliche Bilderschau in der Iserlohner Villa Wessel ein echtes Heimspiel im Sinne der Künstlerin. Neben vielen großen Museen überall in Deutschland besitzen auch zahlreiche Bürger der Stadt voller Stolz Bilder „ihrer“ Irmgart Wessel-Zumloh.
Vitale Vollblut-Malerei
An der Seite ihres Mannes Wilhelm Wessel gehörte die Malerin 1946 zu den Mitbegründern des Westdeutschen Künstlerbundes, ab 1960 arbeitete die Iserlohnerin aktiv im Vorstand des Deutschen Künstlerbundes mit. Der Kunsthistoriker Eugen Thiemann, der in den 60er Jahren einen Katalogtext für eine Wessel-Zumloh-Ausstellung im Dortmunder Museum am Ostwall verfasste, schwärmt darin über ihre Arbeit: „Die Bilder schäumen über von den Essenzen einer Vollblut-Malerei, einer Malerei, die von Vitalität und von Wissen um die Malerei tief gesättigt ist.“
Rouven Lotz verweist zudem auf die künstlerische Nähe Wessel-Zumlohs zu der um eine Generation jüngeren Malerin Roswitha Lüders aus Herdecke: „Die Nähe besteht nicht in den mehr geometrischen Flächenausdehnungen weniger Farben, sondern vielmehr in den ornamentalen Details wie etwa Ritzungen und Schraffuren.“