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Ein Plädoyer für das Sauerländer "woll"

Dr. Werner Beckmann

Dr. Werner Beckmann

Foto: Johannes Pusch

Sprache gehört zur Identität des Menschen – obwohl Mundarten vom Hochdeutschen verdrängt werden. Ein Gastkommentar von Dr. Werner Beckmann.

Sprache gehört zur Identität des Menschen. Das gilt auch noch in der heutigen Zeit, in der die Mundarten immer mehr von der hochdeutschen regionalen Umgangssprache verdrängt werden. Einen Beweis sprachlicher Identität liefert das Wörtchen woll: Von einem ins Sauerland zugezogenen Menschen hieß es schon kurze Zeit darauf: „Der kann ja noch nicht mal woll sagen“.

Als die plattdeutschen Mundarten noch lebendige Umgangssprache waren, war das ähnlich: Der Zugezogene sprach einen anderen Dialekt als die Einheimischen; ihm fehlte deren sprachliches Identifikationsmerkmal, und so blieb der Zugezogene außen vor.

Ein Bestandteil der Region

Die niederdeutsche Sprache, das Plattdeutsche, ist im Sauerland noch nicht geschwunden. Viele Sauerländer sprechen es nicht mehr, es ist ihnen aber immerhin noch bekannt, und die Mundart wird daher auch als ein Bestandteil der heimatlichen Region empfunden.

Um das Sauerländer Platt mit seinen vielfachen Varianten vor dem Untergang zu bewahren, ist das Mundartarchiv Sauerland in Eslohe-Cobbenrode eingerichtet worden. Bereits seit etwa zwanzig Jahren werden Tonaufnahmen mit Personen in Sauerländer Mundarten erstellt. Die Themen sind der persönliche Lebenslauf mit Schule, Beruf, Familie und Zeitgeschehen und das lokale Brauchtum. Dadurch werden die zahlreichen unterschiedlichen Lautungen und Formen der sauerländischen Mundarten in authentischer und unverfälschter Lautung erfasst, zudem werden Geschichte und Brauchtum des kurkölnischen Sauerlandes für die Nachwelt archiviert.

Die Interviews werden dann auf einer Compact Disc (CD) festgehalten und zusätzlich verschriftlicht; ein Abriss der wichtigsten grammatikalischen Erscheinungen und ein ausführliches Wörterverzeichnis werden zugefügt; so kann man das Interview gleichzeitig hören und lesen. In der Reihe „Op Platt. Texte aus den Kreisen Hochsauerland und Olpe“ sind inzwischen 27 Hefte inklusive CD erschienen, weitere werden folgen.

Diese Hefte mit CD können an Schulen, Universitäten und anderen Einrichtungen zu Unterricht, Forschung und Unterhaltung eingesetzt werden.

Ein Gastkommentar von Dr. Werner Beckmann.

  • Der Sprachwissenschaftler Dr. Werner Beckmann leitet das Mundartarchiv Sauerland in Cobbenrode.
  • Er hat maßgeblich an Entstehung und Veröffentlichung des Wörterbuches „Olper Stadt und Olper Land“ gearbeitet.
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