Außenansicht

Der Erfolg von Merz sollte das Land aufwecken

Anstelle sich zu freuen, dass Menschen bereit sind, von ihren gut bezahlten Positionen in die Politik zu gehen, wird Merz kritisch beäugt.

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Wenn ein Mensch einen gut bezahlten Posten in der Wirtschaft aufgibt, um in die Politik zu wechseln, sollte das kein Anlass für Neiddebatten sein. Vielmehr benötige Deutschland Politiker mit Expertise in Wirtschaftsfragen, meint unser Autor Marc Eulerich in seiner Außenansicht.

Endlich: Eine neue Neiddebatte! Der Sauerländer Friedrich Merz offenbart vor Mediendeutschland sein Bruttoeinkommen von ca. 1 Mio. Euro und alles steht Kopf. Da will der Multi-Aufsichtsrat und Aufsichtsratsvorsitzender beim Vermögensverwalter Blackrock trotz des „unverschämt hohen“ Salärs wieder in die Politik? Nein, das geht nun wirklich nicht.

Anstelle sich zu freuen, dass Menschen bereit sind, von ihren gut bezahlten Positionen (zurück) in die Politik zu gehen, wird der Schritt von Merz über Parteigrenzen hinweg kritisch beäugt und offen als Gefahr späterer Lobbyarbeit angeprangert. Leider können hierzulande aber nur die wenigstens Abgeordneten auf eine Karriere außerhalb der Politik zurückblicken.

Karrieren mit Vorbildfunktion

Nun ergibt sich die Frage, ob der Alt-68er-Studienabbrecher mit Parlamentssitz den Wirtschaftsstandort Deutschland objektiv bewerten kann? Wahrscheinlich nicht! Jedoch kann er sich eine Meinung darüber erlauben, dass eine Mio. Euro zu viel für einen potentiellen CDU-Vorsitzenden sind.

Insbesondere, wenn es um die Zukunftsfähigkeit des Wirtschaftsstandortes Deutschland geht, brauchen wir in der Politik Vordenker mit detailliertem Verständnis von Unternehmen und Marktmechanismen und idealerweise Karrieren mit Vorbildfunktion. Dabei ist es mir persönlich egal, welche Farbe das Parteibuch hat oder ob dieses Verständnis und die Karriere durch Berufsausbildung, Studium oder Selbstständigkeit erreicht wurden. Außerdem darf doch nicht das Einkommen darüber entscheiden, ob wir einem Politiker vertrauen oder nicht! Doch jetzt wird Merz vornehmlich aufgrund seines Einkommens bewertet und nicht aufgrund seiner Kompetenz.

In Deutschland wird zu oft finanzieller Erfolg nur akzeptiert, wenn das Durchschnittseinkommen knapp überstiegen wird oder der Aufstieg aus „einfachen Verhältnissen“ zur „Mittelschicht“ gelungen ist (Wo auch immer die eine Schicht anfängt und die andere aufhört). Aber berufliche Leistungsorientierung oder tolle Karriere? – in Deutschland eher ein Brandmal als ein Zeichen von Erfolg.

Wir brauchen Akzeptanz

Wir brauchen in Deutschland Politiker mit expliziter wirtschaftlicher Expertise. Und wir brauchen auch die Akzeptanz für erfolgreiche Menschen. Dann können wir uns vielleicht einmal wieder mit dem wirtschaftlichen Aufstieg von Unternehmen, Unternehmern und Arbeitnehmern befassen. Vielleicht kann Friedrich Merz hier helfen.

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