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Energiewende: Gut gedacht, teuer gemacht

Das Erneuerbare-Energien-Gesetz erfüllt das Ziel, den CO2-Ausstoß zu senken, kaum noch. Notwendig wäre ein höherer Preis für CO2-Zertifikate.

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Ein kurzer Blick auf die Stromrechnung reicht meist aus, um den Blutdruck eines jeden Stromkunden nachhaltig in die Höhe zu treiben. Fast ein Viertel des Endkundenpreises macht mittlerweile die sog. EEG-Umlage aus. Tendenz steigend. Zur Erklärung: Die EEG-Umlage finanziert den Ausbau der erneuerbaren Energien, also Energie aus Wasserkraft, Photovoltaik und vor allem Wind. Den Betreibern solcher Anlagen wurde durch das Gesetz zum Ausbau der Erneuerbaren Energien ein Fixpreis für die aus ihren Anlagen erzeugte Energie garantiert, der deutlich über dem Marktpreis liegt. Die Übertragungsnetzbetreiber, z.B. die Amprion GmbH aus Dortmund, verkauft den Strom aus diesen Anlagen an der Strombörse. Die Differenz zwischen dem niedrigen Börsenpreis und dem höheren Fixpreis wird als EEG-Umlage auf (fast) alle Stromkunden verbrauchsabhängig umgelegt. Aktuell liegt diese Umlage bei 6,88 ct/kWh. Zum Vergleich: 2010 lag sie noch bei 2,047 ct/kWh.

Ist dieses Verfahren gut? Zunächst kann man festhalten, dass das EEG-Gesetz einen starken Zubau von Wind- und Photovoltaik-Anlagen verursacht hat. Im Jahr 2017 wurden immerhin 38,2% des Nettostromverbrauches in Deutschland aus diesen Quellen gespeist. Die CO2-Emission des deutschen Strommix ist dadurch seit 1990 von 764 g/kWh auf nun 489 g/kWh gesunken. Jeder, der sich ernsthaft mit den Auswirkungen der globalen Erderwärmung befasst, kann dies nur begrüßen.

Allerdings gibt es Grund zur Kritik an dem System und der ist etwas kompliziert. Um den jeweiligen Strombedarf im Netz zu decken, werden immer genau so viele Kraftwerke betrieben, wie aktuell nötig. Dabei werden die Kraftwerke in der Reihenfolge ihrer Erzeugungskosten aktiviert (sog. Merit-Order). Erst kommen die günstigsten Kraftwerke (z.B. Braunkohle und Atom) zum Einsatz, dann die nächst teureren (Steinkohle), dann erst die teuersten (Gas-Kraftwerke). Das EEG-Gesetzt garantiert die Abnahme von Strom aus Erneuerbaren Energien, so dass oft die Gas-Kraftwerke am Ende dieser Kette gar nicht mehr benötigt werden. Das Ergebnis: Braun- und Steinkohlekraftwerke bleiben noch immer am Netz und stoßen mehr CO2 aus, als nötig. Noch immer stehen in Europa vier der fünf Kraftwerke mit dem höchsten CO2 Ausstoß in Deutschland. Einer der Gründe, warum Deutschland das Klimaziel für das Jahr 2020 wohl nicht erreichen wird.

Aber es gibt Alternativen zu diesem Vorgehen. Seit einiger Zeit schon müssen Kraftwerksbetreiber sog. CO2-Zertifikate kaufen, wenn Kraftwerke dieses klimaschädliche Gas emittieren. Aktuell ist der Preis für diese Zertifikate allerdings so niedrig, dass dies bislang kaum einen Effekt auf die Einsatzreihenfolge der Kraftwerke hatte. Ein höherer Preis verschiebt die Reihenfolge zu Gunsten klimafreundlicherer Technologien, ohne dieser aber vorzuschreiben. Dies kann deutlich mehr bewirken, als ein „Weiter-so“ beim EEG-Gesetz. Das Ziel, den Gesamtausstoß von CO2 zu reduzieren, kann das EEG-Gesetzt heute kaum noch erfüllen.Prof. Alexander Stuckenholz, 42, lehrt seit sechs Jahren an der Hochschule Hamm-Lippstadt im Bereich „Praktische Informatik“ . Zu den Forschungsschwerpunkten des Wetteraners gehören u.a. intelligente Energiesysteme. Prof. Alexander Stuckenholz, 42, lehrt seit sechs Jahren an der Hochschule Hamm-Lippstadt im Bereich „Praktische Informatik“ . Zu den Forschungsschwerpunkten des Wetteraners gehören u.a. intelligente Energiesysteme. Prof. Alexander Stuckenholz, 42, lehrt seit sechs Jahren an der Hochschule Hamm-Lippstadt im Bereich „Praktische Informatik“ . Zu den Forschungsschwerpunkten des Wetteraners gehören u.a. intelligente Energiesysteme.

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Prof. Alexander Stuckenholz, 42, lehrt seit sechs Jahren an der Hochschule Hamm-Lippstadt im Bereich „Praktische Informatik“ . Zu den Forschungsschwerpunkten des Wetteraners gehören u.a. intelligente Energiesysteme.

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