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Es ist nicht egal, wie wir alt werden

Franz Müntefering

Franz Müntefering

Hagen.  Älter wird man von alleine, dazu muss man sich keine Gedanken machen – eine Volksweisheit, aber falsch. Ein Gastkommentar von Franz Müntefering.

Älter wird man von alleine, dazu muss man sich keine Gedanken machen – eine Volksweisheit, aber falsch. Es ist nicht egal, wie man älter wird. Auch die Lebensverhältnisse ändern sich, sogar rasch. Und diesen Wandel müssen wir gestalten.

Der Staat ist gefordert, auch Kommunen und Regionen, aber es geht auch jeden persönlich an. Die Lebenserwartung steigt munter weiter. Die meisten werden relativ gesund alt, sind aktiver Teil der Gesellschaft, viele ehrenamtlich. Da kommt gutes Leben obendrauf. Das ist gut.

Andere Probleme in der Fläche

Die geburtenstarken Jahrgänge von 1950 bis 1965 wachsen nun ins Rentenalter, bis etwa 2040 wächst die Zahl der Älteren stetig. Und so wächst auch der Bedarf an Pflege, ärztlicher Versorgung, Hospiz- und Palliativdiensten, ambulant und stationär, ausreichender Alterssicherung. Mit dem Alter steigt die Zahl derer mit Demenz. Mobilität und Daseinsvorsorge sind unentbehrlich. Bund und Länder müssen die Kommunen handlungsfähiger machen und die dazu finanziellen Voraussetzungen garantieren. Der 7. Altenbericht ist eine gute Grundlage für eine nachhaltige Senioren-Politik in Kommunen, in Dörfern und Regionen. In der Fläche gibt es andere Probleme zu beachten als in den Ballungszentren. Mitnichten weniger.

Zu uns selbst: Niemand kann sein Leben perfekt planen, aber jeder kann doch Gutes für sich tun! L – wie Laufen, sich bewegen, das ist gut, auch für den Kopf. L – wie Lernen, neugierig bleiben, soziale Kontakte pflegen. L – wie Lachen, das Gute am Älterwerden entdecken und was daraus machen.

Die Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse ist nicht mehr überall im Lande gesichert – das Thema muss auf den großen Tisch. Denn Lebensqualität ist für alle Generationen wichtig. Nur wo alle Generationen gut aktiv zusammen leben können, kann man sagen: So ist es gut.

Ein Gastkommentar von Franz Müntefering

  • Franz Müntefering wurde 1940 in Neheim geboren
  • Er war zweimal SPD-Bundesvorsitzender sowie Bundesarbeitsminister.
  • Aktuell ist er Vorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen und Präsident des Arbeiter-Samariter-Bundes.
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