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Gewalt an den Schulen: Erwartung trifft auf Realität

Udo Beckmann, Bundesvorsitzender Verband Bildung und Erziehung (VBE), zur Gewalt an den Schulen

Udo Beckmann, Bundesvorsitzender Verband Bildung und Erziehung (VBE), zur Gewalt an den Schulen

Foto: Roland Weihrauch

Hagen.   Udo Beckmann ist Bundesvorsitzender des Verbands Bildung und Erziehung (VBE). Er sagt, dass Anspruch und Realität in Schulen auseinanderliegen.

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Andere zu respektieren, sich gegenseitig ausreden zu lassen und konstruktiv zu diskutieren sind keine Optionen, sondern Grundfeste unseres gesellschaftlichen Miteinanders.

Und Schule ist und bleibt ein Spiegelbild der Gesellschaft. Der Pöbler an der Kasse ist vielleicht Vater, die drängelnde Frau in der U-Bahn vielleicht Mutter. Wir alle leben Kindern Verhaltensweisen vor, die auch in der Schule reproduziert werden.

Kinder werden in Schulen zum ersten Mal mit einem „Nein“ konfrontiert

Wir wissen zudem: Der Anteil an Kindern mit emotional-sozialen Entwicklungsstörungen hat sich seit 2005 auf fast 90 000 Betroffene verdoppelt. 200 000 Kinder jährlich erfahren schwere körperliche Misshandlungen.

Diese Kinder fallen öfter durch aggressives Verhalten im Unterricht auf. Ebenso wie die Kinder, die in der Schule das erste Mal mit einem „Nein“ konfrontiert werden oder eine weibliche Lehrkraft achten müssen.

Die Ressourcen sind nicht da

An Schule trifft Erwartung auf Realität. Optimale Förderung und Forderung eines jeden Kindes versus dreißig Kinder, die alle gleichermaßen Aufmerksamkeit von nur einer Lehrkraft brauchen.

Die Ressourcen sind einfach nicht da, um einlösen zu können, was die Politik vollmundig verspricht. Zum Beispiel der im Oktober 2016 zugesagte milliardenschwere Digitalpakt, von dem bis heute kein Cent geflossen ist. Oder die Umsetzung der gemeinsamen Beschulung von Kindern mit und ohne Beeinträchtigungen.

Inklusion braucht bessere Ausstattung der Refelschulen

Erst langsam setzt sich in der Politik die Erkenntnis durch, dass Inklusion nicht nur das Schließen von Förderschulen meint, sondern auch eine sehr viel bessere Ausstattung der Regelschulen.

Denn auch die schlechten Bedingungen führen zu Aggression – und die mündet leider auch in Beleidigungen und tätliche Angriffe gegen Lehrkräfte. An jeder zweiten Schule kam es in den vergangenen fünf Jahren zu psychischer Gewalt gegen Lehrkräfte, an jeder dritten zu physischer. Dieser Verantwortung muss sich die Politik stellen, indem sie die Ressourcen für die Erfüllung ihrer Forderung bereitstellt. Sonntagsreden allein bilden kein Fundament für eine gute Schule.

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