Außenansicht

Gesichtserkennung für Amazon für Polizei kein Thema

Sebastian Fiedler ist NRW-Landesvorsitzender des Bundes Deutscher Kriminalbeamter (BDK) und gebürtiger Wetteraner.

Sebastian Fiedler ist NRW-Landesvorsitzender des Bundes Deutscher Kriminalbeamter (BDK) und gebürtiger Wetteraner.

Foto: imago/Müller-Stauffenberg

Datenschützer fürchten vor neuer digitaler Fahndung mit Gesichtserkennung. Sebastian Fiedler sieht die Herausforderungen ganz woanders.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Neue Berichte über die Bemühungen des „Daten-Konzerns“ Amazon, die Gesichtserkennungssoftware „recognition“ an Polizeibehörden zu verkaufen, geistern durch die Gazetten.

Erfüllen sich nun zeitnah Träume der Kriminalisten und Nachrichtendienstler oder sind Warnung angebracht? Erst gestern kritisierte der Bundesdatenschutzbeauftragte Ulrich Kelber die Feldversuche der Bundespolizei, mit Videobeobachtung und Gesichtserkennungssoftware am Berliner Südkreuz auf Tätersuche zu gehen.

Datenschutzverordnung sorgt schon für Sicherheit

Ich denke, wir sollten das nüchtern betrachten. Wir haben in Deutschland, ausgehend von der europäischen Datenschutzgrundverordnung, ein recht strenges Datenschutzregime, auf dessen Einhaltung richtigerweise penibel geachtet wird.

Anderseits gilt auch: Die Sicherheitsbehörden stehen vor enormen Herausforderungen, die mit der digitalen Revolution einhergehen. Neben mobiler und kryptierter Kommunikation und Datenhaltung denke ich vor allem an das Entstehen der unvorstellbar großen Datenmengen, die in Ermittlungsverfahren anfallen.

Es übersteigt die menschlichen Möglichkeiten, dort alle beweisrelevanten Dokumente oder Foto- und Video-Dateien aufzufinden. Wollten wir den Versuch einer händischen Auswertung unternehmen, gliche er dem Ansinnen, in jedem bis zur Decke mit Aktenordnern gefüllten Raum des Empire State Building jedes einzelne Blatt anzuschauen.

Neue Werkzeuge benötigt

Die Unterstützung, die wir zur Bewältigung dieser Aufgaben benötigen, ist jedoch nicht eine ausschließlich technische. Eine Software, die in der Lage ist, Gesichter zu erkennen und zuzuordnen, muss in ihren wesentlichen, algorithmischen Fähigkeiten von den Kriminalisten verstanden werden.

Die Software selbst muss rechtsstaatlichen, forensischen und ethischen Anforderungen genügen.

Es besteht keinerlei Zweifel daran, dass die Sicherheitsbehörden dringend derlei Werkzeuge benötigen, um bei der Verbrechensbekämpfung mit den Tätern Schritt halten zu können. Ob ausgerechnet die Amazon-Software dazu gehört, darf hingegen mit sehr großen Fragenzeichen versehen werden.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben