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Guter Winterkorn – böser Winterkorn

Prof. Marc Eulerich.

Prof. Marc Eulerich.

Deutschlands „bestbezahlter Manager“ (taz) sollte Angst um sein Vermögen und die 3100 Euro Pension pro Tag haben. Im drohen bis zu 25 Jahre Haft.

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Nun ist es offiziell: Auf Ex-VW-Chef Martin Winterkorn wartet in den USA ein Haftbefehl wegen Verschwörung, Betrug von US-Kunden und Verstoß gegen Umweltschutzgesetze. Deutschlands „bestbezahlter Manager“ (taz) sollte Angst um sein Vermögen und die 3100 Euro Pension pro Tag haben und bis zu 25 Jahren hinter Gittern fürchten.

Der öffentliche Aufschrei ließ nicht lange auf sich warten. Gefühlt sprechen besonders die Oppositionspolitiker das aus, was Max Mustermann schon lange will: „Auch die Großen müssen mal einen drauf bekommen!“ Die Diskussion über Ungerechtigkeit ist seit dem Jahr 2011 eng mit dem Namen Winterkorn verbunden, als er 17,5 Mio. Euro verdiente (soviel wie die Top-Verdiener beim FC Bayern). Doch wie sieht seine Gesamtbilanz aus?

Unternehmenswert verfünffacht

Wert des Unternehmens und Absatzzahlen hat er während seiner Tätigkeit fast verfünffacht (!). Die Anzahl der Beschäftigten fast verdoppelt. Und nach dem Skandal wirtschaftet VW anscheinend erfolgreicher als je zuvor. Dem entgegen stehen der Dieselskandal, geprellte Dieselkunden und die Frage, inwieweit 25 Milliarden Strafe für VW und 25 Jahre Haft für Winterkorn gerecht sind? Der US-Justizminister Jeff Sessions ist ganz deutlich: „Wer versucht, die USA zu betrügen, wird dafür einen hohen Preis bezahlen“ und die „volle Härte des Gesetzes“ spüren.

Wäre ich einen Tag vor dem Skandal zur Führung bei VW gefragt worden, hätte ich wahrscheinlich einen langen Monolog über die tolle „Corporate Governance“ – neudeutsch für gute Unternehmensführung – und den Vorstand gehalten. VW war und ist ein tolles Unternehmen. Und Winterkorn war häufig der Ursprung des Erfolges. Er verdiente so viel, weil er die Umsätze und Gewinne bei VW in ungeahnte Sphären brachte.

Doch nun ist Winterkorn der ultimative Sündenbock und potenzielle Geldquelle für die US-typischen, hohen Schadensersatzansprüche.

Ohne Frage: Wer sich nicht an Gesetze hält, muss bestraft werden. Und die guten Umsätze der Vorjahre helfen den deutschen Dieselkunden wenig bei der Wiedergutmachung. Aber der (finanzielle) Umfang des Skandals beruht wohl nicht nur auf dieser einen Person, sondern auch auf dem Wettbewerb der Branche, dem US-Justizsystem und der Chance, ein Exempel an den deutschen Autobauern zu statuieren ... Oder nicht?

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