Außenansicht

Die sich selbst organisierende Fabrik

Prof. Dr. Alexander Stuckenholz, Inhaber der Professur „Angewandte Informatik“ an der HSHL.

Prof. Dr. Alexander Stuckenholz, Inhaber der Professur „Angewandte Informatik“ an der HSHL.

Foto: HSHL

Die Digitalisierung ist aus dem 21. Jahrhundert nicht mehr wegzudenken. Ein Gastkommentar von Prof. Dr. Alexander Stuckenholz.

Ist es Ihnen schon aufgefallen? Wir erleben gerade eine Revolution. Die digitale Revolution. Man sieht es überall. Wer kein Smartphone besitzt, wird komisch angeschaut. Von der Rechenkraft dieser Mini-Computer hätte die NASA bei der ersten Mondlandung nur geträumt. Einige wenige Unternehmen der Industrie beginnen damit, die sich selbstständig organisierende Fabrik zu realisieren. Im Gegensatz zum 20. Jahrhundert, in dem die Massenproduktion im Vordergrund stand, ist das Ziel des 21. Jahrhunderts das hoch individualisierte Produkt. In Franken lässt Adidas mittlerweile maßgeschneiderte Schuhe automatisiert fertigen. Auch im heimischen Handwerk kommt dieser Trend an. In einigen Schreinereien scheint das wichtigste Werkzeug für die Erstellung eines Dachstuhls schon die Maus zu sein, nicht mehr Hammer und Säge.

„German Angst“

Diesen Wandel kann man finden, wie man will. Er findet statt. Ganz einfach, weil die Möglichkeiten durch billige Mikrochips, Breitbandvernetzung, 3D-Druck, die Cloud und viele andere Technologien eben nun mal da sind. Der Deutsche tendiert bei solch rasanter Veränderung oft zu großer Skepsis. Mit „German Angst“ im Blick denkt man an Unternehmen, die den Wandel verschlafen haben (Kodak, Nokia, Nixdorf, Quelle …). Dabei vollzieht sich dieser Wandel der Berufsbilder seit Beginn der Industrialisierung. Den Fassmacher, den Hufschmied oder den Korbmacher gibt es längst nur noch im Freilichtmuseum. Nur die Geschwindigkeit der Veränderung hat sich rasant gesteigert.

Der technische Fortschritt eröffnet enorme Chancen. Digitale Technologien bringen neue Möglichkeiten für Produkte und Dienstleistungen hervor. Arbeit wird flexibler, da sie zeit- und ortsunabhängig erbracht werden kann. Warum soll der Sachbearbeiter noch ins Büro kommen, um dort den ganzen Tag am Rechner zu sitzen? Der boomende Online-Handel ist gerade auch für kleine Anbieter zugänglich. In Kooperation mit dem Hofladen-Sauerland wurde kürzlich an meiner Hochschule eine automatisierte Abholbox umgesetzt, um den Onlinehandel mit regionalen Lebensmitteln zu ermöglichen.

Leider habe ich den Eindruck, dass viele mittelständische Unternehmen unserer Region die Möglichkeiten der Digitalisierung aktuell verschlafen. Kaum ein Unternehmen verfügt über eine echte Digitalisierungsstrategie. Oft wird IT nur als dieses „lästige Gedöns“ angesehen, um das man sich nicht auch noch kümmern kann.

Ich bin aber überzeugt, dass viele Branchen (Handwerk, Einzelhandel, Rechtsanwälte, Ärzte …) großes Potenzial für die Nutzung digitaler Technologien hätten. Mit der niedrigschwelligen Fördermaßnahme „Mittelstand Innovativ! – Innovationsgutschein“ stehen finanzielle Mittel für Projekte zwischen Wirtschaft und Wissenschaft bereit. Fühlen Sie sich angesprochen? Die Hochschulen in Ihrer Nähe helfen gerne weiter!

Ein Gastkommentar von Prof. Dr. Alexander Stuckenholz

  • Prof. Dr. Alexander Stuckenholz ist Inhaber der Professur "Angewandte Informatik" an der HSHL.
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben