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Wie Amokläufe in Zukunft verhindert werden könnten

Der Amoklauf in Münster hat für große Bestürzung gesorgt. Solche Ereignisse seien abwendbar, sagt Sebastian Fiedler.

Der Amoklauf in Münster hat für große Bestürzung gesorgt. Solche Ereignisse seien abwendbar, sagt Sebastian Fiedler.

Foto: dpa

Hagen.  Amokläufe werden als unabwendbare Ereignisse dargestellt. Dabei würde mehr Prävention dabei helfen, solche Taten in Zukunft zu verhindern.

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Fast vier Wochen ist es nun her, dass ein 48-jähriger Sauerländer in Münster einen Campingbus in eine Gruppe von Menschen steuerte. Drei Opfer verloren ihr Leben, mehr als 20 weitere wurden zum Teil schwer verletzt. Der Täter selbst tötete sich noch am Tatort. Von der Minute an, als klar wurde, dass es sich voraussichtlich nicht um einen islamistisch bzw. politisch motivierten Anschlag, sondern um Morde eines psychisch gestörten Mannes handelte, flachte sprunghaft das mediale sowie politische Interesse an dem Fall ab. Der Programmdirektor der ARD, Volker Herres, auf Twitter: „(…) Auf einen #Brennpunkt wurde verzichtet, als sich zeigte, dass (…) offenbar kein terroristischer Hintergrund vorlag.“

Der unausgesprochene und daher undiskutierte Dreiklang scheint zu lauten: Es war kein Anschlag. Bei Amok kann man eh nichts machen. Der Einzelfall war schlimm, aber insgesamt ist alles gut und bleibt wie es ist.

Fatale Haltung

Diese Haltung ist fatal und Ausdruck einer Kriminalpolitik, die immer nur nach besonders folgenschweren Ereignissen politische Konsequenzen zieht. Das sorgt für mindestens zwei nachhaltige Probleme.

Erstens: Dadurch, dass es kein (islamistischer) Anschlag war, erfährt und diskutiert die Öffentlichkeit nicht, wie dramatisch schlecht es um den Polizeilichen Staatsschutz der Kripo in NRW bestellt ist. Niemand hinterfragt, warum die Landesregierung bislang nichts Nennenswertes unternommen hat, um diesen polizeilichen Kernbereich zur Anschlagsverhinderung zu stärken.

Zweitens: „Die Benennung einer Tat als ,Amoktat’ legt eine unvorhersehbare und plötzlich eintretende Katastrophe nahe. Dem ist aber in der Regel nicht so“, schrieb schon vor acht Jahren die Rechtswissenschaftlerin Prof. Britta Bannenberg.

Die nächste Tat verhindern

Warum blicken wir nicht nach vorn, um die nächste schlimme Tat zu verhindern und bauen ein „NRW-Beratungsnetzwerk Amokprävention“ auf und die Anzahl niedergelassener Pysychothera­peuten in NRW endlich erheblich aus, die sich um potentielle künftige Täter kümmern können? Das wäre gute Kriminalpolitik – außerhalb des Innenministeriums.

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