Kriminalität

Baby im Müll: Anklage gegen die Mutter im nächsten Monat

Fundort: Hinter dem Wohnhaus der Mutter wurde der Säugling in einem Müllsack gefunden.

Fundort: Hinter dem Wohnhaus der Mutter wurde der Säugling in einem Müllsack gefunden.

Foto: Markus Klümper / dpa

Kierspe.  Gegen die Mutter aus Kierspe, die ihr gerade geborenes Baby in einem Müllsack hinter dem Haus abgelegt haben soll, wird bald Anklage erhoben.

Im Fall der Mutter aus Kierspe im Sauerland, die ihr frisch geborenes Kind in einem Müllsack hinter ihrem Wohnhaus abgelegt haben soll, werden die Ermittlungen absehbar abgeschlossen sein. „Ich gehe davon aus, dass innerhalb des nächsten Monats Anklage erhoben wird“, sagt Oberstaatsanwalt Bernd Haldorn von der Staatsanwaltschaft Hagen auf Nachfrage. Der Tatvorwurf lautet versuchte Tötung.

Die 31-Jährige, die ihre Schwangerschaft offenbar auch vor ihrem Verlobten geheim gehalten hatte, war am Morgen des 14. Juni ins Klinikum Hellersen in Lüdenscheid mit starken vaginalen Blutungen eingeliefert worden. Der Verlobte hatte in Sorge um seine Frau den Rettungswagen gerufen. Weil die Frau weder vor noch nach der Notoperation eine augenscheinliche Geburt erwähnte, handelte das Krankenhaus und informierte die Polizei. Diese fand das Mädchen etwa drei Stunden nach der Geburt in einem blauen Müllsack hinter dem Wohnhaus in einem Gebüsch. Das Baby war komplett in Handtücher eingewickelt und schwebte wegen starker Unterkühlung in Lebensgefahr. Die Körpertemperatur betrug nur noch 31 Grad.

„Nach unseren Erkenntnissen war das ein als intakt zu bezeichnendes familiäres Umfeld mit Eltern, die sich gekümmert haben“, sagte Kriminalhauptkommissar Andreas Möller von der Mordkommission Hagen kurz nachdem der Fall öffentlich wurde: „Die Frau hat Angaben zur Sache gemacht. Aufgrund vorliegender Ängste, die ich nicht näher beschreiben kann, habe sie das Kind wegbringen wollen.“

Baby in Obhut des Jugendamtes

Die Frau befindet sich weiterhin in Untersuchungshaft. Der Säugling konnte nach stationärer Behandlung im Klinikum Hellersen das Krankenhaus verlassen und befindet sich in Obhut des Jugendamtes. Es ist in einer Pflegefamilie untergebracht. Auch das ältere Geschwisterkind - ein zum Tatzeitpunkt ein Jahr altes Mädchen - befindet sich bis auf weiteres in Obhut des Jugendamtes und in Betreuung einer Pflegefamilie.

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