Übung

Deutsche Bahn probt in Erndtebrück den Winterdienst-Alarm

Für den  Winter gerüstet: Aytekin Kosmale am Bahnhof in Erndtebrück.

Foto: Ralf Rottmann

Für den Winter gerüstet: Aytekin Kosmale am Bahnhof in Erndtebrück. Foto: Ralf Rottmann

Erndtebrück/Siegen.   Landesweit 28 Winterdienstübungen. In Erndtebrück läuft alles nach Plan. Eine halbe Stunde nach dem Alarm rücken die Einsatzkräfte an.

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Die Älteren erinnern sich. Vor 51 Jahren, also 1966, startete die Bahn eine Werbekampagne, die bis heute unvergessen ist: „Alle reden vom Wetter. Wir nicht“, lautete der Slogan. Das Plakat zeigte eine Lokomotive der Baureihe E 10, die scheinbar mühelos durch eine Winterlandschaft rauscht.

Geschichte. Die Zeiten haben sich geändert.

Fünf Zentimeter Schnee

Heute redet nicht nur die Bahn viel über das Wetter. Mit der Unabhängigkeit von Wind und Wetter im Vergleich zum Auto, Schiff oder Flugzeug ist es eh nicht weither. Nach jedem Herbststurm, zuletzt fegte Herwart übers Land, stehen viele Züge still, weil umgestürzte Bäume die Gleise blockieren.

Am Mittwochmorgen aber geht es am Bahnhof in Erndtebrück nicht um das Gleisbett, nicht um Blätter, die tonnenschwere Züge ausbremsen, nicht um Bäume, die zu dicht an der Strecke stehen. Es wird geübt. Winterdienst. An 28 Stationen in Nordrhein-Westfalen gleichzeitig. Sind die Einsatzkräfte bei Schneefall zeitnah da, um die Bahnsteige von Schnee und Eis zu befreien?

Alarm um 8.45 Uhr

Ein Test. Um 8.45 Uhr löst Patrick Döbbeler, Arbeitsgebietsleiter Operations beim Bahnhofsmanagment Hagen, Winterdienst-Alarm aus: „Erndtebrück, fünf Zentimeter Schnee.“ Dieser Anruf geht bei der sogenannten Drei-S-Zentrale in Düsseldorf ein. Das S steht für Sicherheit, Sauberkeit und Service. Von hier wird der Anruf in die Winterdienst-Zentrale in Wuppertal weitergeleitet.

„Innerhalb einer halben Stunde müssen hier mindestens drei Einsatzkräfte mit Schneeschiebern, Schippen und Besen auftauchen“, sagt Marcus Paul, Leiter Bahnhofsmanagement Hagen. Ob er weiß, welche Firma woher kommt? „Keine Ahnung“, sagt der 53-Jährige. „Mittlerweile werden Aufträge in der Größenordnung europaweit ausgeschrieben und am Ende führt die Arbeiten ein Subunternehmen vom Subunternehmen die Arbeiten aus. Mittlerweile sind wir ja im Vergaberecht gefangen.“

Um 9.16 Uhr fährt ein Sprinter vor. Drei Männer steigen aus, Beschäftigte eines Bochumer Unternehmens, das sich auf Gebäudemanagement und -reinigung spezialisiert hat. Sie kommen direkt aus Siegen. Kolonnenführer Erdogan Tekin weiß, was er zu tun hat. Der 30-Jährige meldet sich beim Fahrdienstleiter mit dem Diensthandy am Bahnhof an, bittet darum, das Gleis zu sperren, holt die Sicherheitspläne heraus, um sich vor Ort zu orientieren.

Zwei Meter breit wird geräumt

Seine Kollegen, sein Bruder Serkan und Aytekin Kosmale, präsentieren Streusalz und Granulat, schultern die Schneeschieber für die Fotografen. „Ja“, sagt Paul zu dieser besonderen Situation, die nicht einer gewissen Komik entbehrt, „es ist eine Trockenübung. Sicher. Winterdienstübung ohne Schnee. Die Vorgehensweisen aber müssen stimmen.“

Am Ende ist der 53-Jährige hochzufrieden. „Der Schnee kann kommen. Der Ablauf war vorbildlich. Das ist nicht die Regel.“ Im Ernstfall, nicht nur virtuell, schiebt das Trio den Schnee zwei Meter von der Bahnsteigkante zur Drainage in der Mitte. Fehlt noch was? „Ja“, sagt Paul, „ein Investor für das Bahnhofsgebäude.“ Es verfällt und soll für einen symbolischen Preis von einem Euro verkauft werden.

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