Bayreuther Festspiele

Mein Bayreuth: Der Wagnerianer ist ein Herdentier

Kultur-Redakteurin Monika Willer berichtet in ihrem Tagebuch von den Bayreuther Festspielen 2019.

Kultur-Redakteurin Monika Willer berichtet in ihrem Tagebuch von den Bayreuther Festspielen 2019.

Foto: Michael Kleinrensing / WP Michael Kleinrensing

Bayreuth.  Was für Flugreisende der Tomatensaft, ist für Wagner-Freunde die Träubles-Schorle. Beobachtungen unserer Kultur-Redakteurin Monika Willer.

Der Wagnerianer an und für sich ist ein Gewohnheitstier und läuft gerne im großen Rudel. Nur so ist es zu erklären, dass auf dem Grünen Hügel ein Getränk Furore macht, das Tristan und Sieglinde den Rest des Jahres nicht geschenkt haben wollten. In diesem Punkt geht es den Wagner-Freunden wie der zufällig zusammengewürfelten Schicksalsgemeinschaft bei einer Flugreise. Was trinken die Leute? Tomatensaft! Es gibt sogar wissenschaftliche Abhandlungen darüber, woher der plötzliche Appetit auf flüssige Pizzasauce in der Economy Class wohl kommen mag. Eine Theorie ist, dass man am Tomatensaft nippt, weil alle anderen es auch tun.

In Bayreuth ist Träubles-Schorle der Drink der Stunde. In anderen Teilen der Republik kann man roten Johannisbeersaft nicht im Supermarkt kaufen, hier im Hotel gibt es ihn schon zum Frühstück und den Rest des Tages allenthalben. Gemischt mit Sprudel entsteht eine nicht zu süße, gleichwohl süffige Erfrischung.

Also denkt man elf Monate lang kein bisschen an Ribes Rubrum, aber dann sieht man die Leute aus Bayern, die auch jedes Jahr kommen, mit hohen Gläsern da sitzen, in denen eine rote Flüssigkeit kühl und appetitlich schwappt. Und sofort kommt das Gelüst.

Ich sage nur: Herdentrieb, wagnerianisch. Befällt sogar Einzelgänger.

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