Bayreuther Festspiele

Mein Bayreuth: Wagnerianerinnen in Schlappen

Kultur-Redakteurin Monika Willer berichtet in ihrem Tagebuch von den Bayreuther Festspielen 2019.

Kultur-Redakteurin Monika Willer berichtet in ihrem Tagebuch von den Bayreuther Festspielen 2019.

Foto: Michael Kleinrensing / WP Michael Kleinrensing

Bayreuth  Der Kleiderknigge wird in Bayreuth bei der Hitze fröhlich über Bord geworfen. Die Wagnerianer pilgern in Schlappen zum Grünen Hügel.

Das neue Kleid erweist sich als Fehlgriff. Wie ein Raumanzug klebt das Taft-Futter am Körper. Damit schafft man es noch nicht mal ohne Atemnot bis zum Hotelaufzug. Aber die erfahrene Wagnerianerin führt immer Plan B im Rollkoffer mit sich, in diesem Fall ein schlichtes Hängerchen, welches den großen Vorteil hat, schwarz zu sein. Fällt fast überhaupt nicht auf, denn allenthalben emanzipieren sich auf dem Grünen Hügel die Damen von ihren Roben und erklären Strandmode für festspieltauglich.

Das mag ja noch angehen, sagt eine Stil-Expertin im Interview mit der Lokalpresse. Doch bei Schlappen oder Zehentrennern höre der Spaß auf. Über diese These kann die geübte Walküre nur lachen, während sie fröhlich zum Bratwurststand humpelt.

Nach der Eröffnungspremiere schlägt die Stunde der Sandalen. Immer. Pumps kann man bei der Hitze nach vier Stunden Vorstellung mit der Flex von den geschwollenen Füßen fräsen. Worüber wir besser schweigen ist jedoch, was das Wetter mit den Haaren macht. Meine stehen so wirr zu Berge, als wäre ich heimlich am Liebestrank gewesen. Dagegen hilft einfach gar nichts. Was zählt, sind schließlich die inneren Werte.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben