Bayreuther Festspiele 2017

Wagners wonnige Weiber – Die Opernheldinnen 2017

Starke Frau: Camilla Nylund als Elisabeth in "Tannhäuser" (Probenfoto von 2013)

Starke Frau: Camilla Nylund als Elisabeth in "Tannhäuser" (Probenfoto von 2013)

Foto: Bayreuther Festspiele/Enrico Nawrath/dpa

Hagen/Bayreuth.  In seinem Privatleben brauchte Richard Wagner starke Frauen an seiner Seite. Und auch seine Opernheldinnen nehmen ihr Leben selbst in die Hand.

Richard Wagner hat die Frauen wirklich geliebt. Im Privatleben brauchte er starke Damen an seiner Seite. Der Oper hat er die interessantesten Frauenfiguren überhaupt geschenkt: Heldinnen, die aus ihrem vorgezeichneten Schicksal ausbrechen, die die Regeln brechen, die ihr Leben selbst in die Hand nehmen. Diese drei Damen spielen auf dem Grünen Hügel 2017 Hauptrollen:

Eva ist ein Wanderpokal. In den „Meistersingern“ verspricht ihr Vater sie demjenigen zur Ehefrau, der bei einem Wettsingen im Nürnberg der Reformationszeit den Preis erhält. Beckmesser würde furchtbar gerne derjenige sein, welcher. Er ist Stadtschreiber, und seine Aufgabe ist es, darauf zu achten, dass die Meistersinger ihre Lieder regelkonform schreiben. Hans Sachs hat ebenfalls Ambitionen. Der Schuster ist zugleich Volksdichter und die unangefochtene Autorität in künstlerischen Fragen. Aber Eva will raus aus diesem engen, kleingeistigen Milieu. Und das schafft sie auch. Sie verliebt sich in den zugereisten Ritter Walther von Stolzing, der mit ihrer Hilfe am Ende den Contest gewinnt. Die „Meistersinger“ sind Wagners einzige Komödie. Aber das heißt nicht, dass es rund um Schusterstube und Festwiese nicht böse und gemein zugeht.

Isolde ist auch ein Wanderpokal. Die irische Kriegerprinzessin soll den viel älteren cornischen König Marke heiraten, um den Frieden zwischen beiden Reichen zu besiegeln. Brautwerber ist ausgerechnet Tristan, der Isoldes Verlobten erschlug und dem sie als Heilerin das Leben geschenkt hat. Wenn Isolde und Tristan sich verlieben, brechen sie alle Regeln. Denn die mittelalterliche Gesellschaftsordnung basiert auf dem Treueprinzip. Der Gefolgsmann schwört dem König Treue, dafür wird er mit Land und/oder Ämtern belehnt. Wird diese Treue im Privaten gebrochen, ist das politisch, kommt einem Staatsstreich gleich. Isolde weiß das. Aber es ist ihr egal. Sie entscheidet sich gegen das System und für den Geliebten. Die Geschichte geht nicht gut aus.

Brünnhilde ist Wotans Joker, die Mustertochter, und zwar genau so lange, bis sie in der „Walküre“ gegen ihren Vater Wotan aufbegehrt und Siegmund und Sieglinde hilft. Für diesen Akt der Selbstbestimmung bestraft Wotan sie, indem er sie von der unabhängigen Walküre zu einer sterblichen Hausfrau degradiert und auf einen Felsen einsperrt. Siegfried wird sie später wachküssen. Brünnhilde ist die einzige Figur im ganzen „Ring des Nibelungen“, die nicht nur aus Eigeninteresse handelt, sondern fähig ist, sich in andere Menschen einzufühlen, Mitleid zu empfinden. Die Walküre ist die spannendste Opernheldin, die je erfunden worden ist.

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