Gesundheit

Bedenkliche Zahlen: Immer mehr Menschen erkranken an Krebs

Krebsfälle im Kreis Olpe WP Olpe / Hallermann

Krebsfälle im Kreis Olpe WP Olpe / Hallermann

Foto: Miriam Fischer

Olpe.   Die Onkologiepraxis in Olpe meldet steigende Patientenzahlen. Woran liegt das? Unsere Zeitung hat bei den Experten nachgefragt.

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Immer mehr Menschen erkranken an Krebs. Auch die Onkologische und Hämatologische Schwerpunktpraxis in Olpe meldet einen deutlichen Anstieg der Fallzahlen. Während die Praxis im ersten Quartal 2007 noch 364 Patienten verzeichnete, sind es mittlerweile 1486 Menschen, die bei Dr. Clemens Müller-Naendrup und PD Dr. Dietmar Söhngen therapiert werden. Nun steht eine Erweiterung der Praxis in den Martinus-Höfen an. Doch wie kann man den enormen Anstieg der Krebszahlen erklären? Unsere Zeitung hat bei den Experten nachgefragt.

Bessere Begleittherapien

Clemens Müller-Naendrup ist Facharzt für Innere Medizin, Hämatologie und internistische Onkologie. Unter seiner Leitung wurde die Schwerpunktpraxis 2007 im Medizinischen Versorgungszentrum II eröffnet und teilt sich seitdem die Räumlichkeiten mit der Pneumologischen Praxis von Dr. Theodor Lison. 2008 sind die Praxen in die Martinus Höfe umgezogen. Doch mittlerweile reicht der Platz nicht mehr. „Man muss bedenken, dass unsere Patienten nicht nur einmal im Quartal kommen. Manche kommen sogar mehrmals täglich“, sagt Müller-Naendrup. „Das heißt, wir haben pro Quartal mehr als 5000 persönliche Patientenkontakte.“

Aber woran liegt es, dass die Zahl der Krebspatienten steigt? Dr. Müller-Naendrup spricht von multifaktoriellen Gründen. Zum einen bedinge die demografische Entwicklung, dass die Bevölkerung älter werde und dementsprechend die Erkrankungen zunähmen. Zum anderen habe sich aber auch die Diagnostik verbessert, weshalb Erkrankungen mittlerweile deutlich früher entdeckt würden. „Außerdem hat die Akzeptanz der Praxis zugenommen und Patienten kommen auch außerhalb von Olpe zu uns“, ergänzt der Onkologe. Ein weiterer Aspekt: Dank verbesserter Begleittherapien ist eine ambulante Therapie mittlerweile die Regel. Lediglich fünf bis zehn Prozent der Therapien müssen stationär durchgeführt werden, sagt er.

Zahl der Gestorbenen nach Todesursachen

Der Landesbetrieb Information und Technik Nordrhein-Westfalen (IT NRW) hat die Zahl der Gestorbenen nach Todesursachen veröffentlicht. Daraus geht hervor, dass trotz steigender Patientenzahlen die Todeszahlen aufgrund bösartiger Neubildungen konstant geblieben sind. Im Kreis Olpe sind im Jahr 2015 (jüngere Auswertungen stehen noch aus) 82 Menschen an einer bösartigen Neubildung im Bereich des Kehlkopfes, der Luftröhre und der Bronchien sowie der Lunge gestorben. 70 Menschen erlagen einer bösartigen Neubildung im Bereich der Genital- und Harnorgane. Insgesamt starben 378 Menschen im Kreis Olpe an Krebs.

Im Vergleich zur Zahl der Gestorbenen insgesamt macht das einen Anteil von rund 25 Prozent aus. Müller-Naendrup schätzt die Zahlen wie folgt ein: „Eine Bewertung anhand der Absolutzahlen ist immer schwierig“, sagt er. „Aber zwischen 2025 und 2030 werden mehr Menschen an bösartigen Neubildungen als an Herz-Kreislauf-Erkrankungen sterben. Und das, obwohl die Mortalität in den letzten 20 Jahren gesenkt werden konnte.“

Trotz ungebrochenem Zulauf, ein Patientenstopp kommt für den Arzt nicht infrage. Denn schließlich sei die Praxis die einzige Onkologie-Praxis im Kreis Olpe. „Das bedarf Organisation und Disziplin, das täglich zu schaffen“, sagt er. Durch die anstehende Erweiterung der Praxis wird sich die Situation entspannen, prophezeit der Onkologe. Denn der Lungenfacharzt wird in den Neubau der geplanten Erweiterung der Martinus-Höfe ziehen. Dadurch können Müller-Naendrup und Söhngen die Arbeitsabläufe optimieren.

Mehr Onkologen für den Kreis?

Doch wäre nicht eine weitere Onkologie-Praxis oder ein weiterer Onkologe denkbar? Das hängt von der Bedarfsplanung der kassenärztlichen Vereinigung ab, macht Thomas Klur, kaufmännischer Leiter der MVZ im Kreis Olpe GmbH, deutlich. „Das ist ein komplexes Thema“, sagt Klur und erklärt: „Wir befürchten, dass wir die zukünftigen Herausforderungen in der Patientenversorgung mit zwei Onkologen für den Kreis Olpe nicht bewältigen können. Derzeit besteht aufgrund der Bedarfsplanung keine Niederlassungsmöglichkeit für Onkologen im Kreis Olpe. Somit können wir in unserer MVZ-Praxis keinen dritten Onkologen anstellen. Unsere Bemühungen werden daher bei weiter steigenden Patientenzahlen in die Richtung gehen müssen, Sonderbedarfe geltend zu machen und das ärztliche Personal dadurch aufzustocken. Das bedarf jedoch der Genehmigung des Zulassungsausschusses bei der Kassenärztlichen Vereinigung.“

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