Bei uns daheim

Als mich der Hausmeister aus der Ferne anschrie

So könnte der Schulranzen ausgesehen haben, dessen versuchten Diebstahls unser Autor damals bezichtigt wurde.

So könnte der Schulranzen ausgesehen haben, dessen versuchten Diebstahls unser Autor damals bezichtigt wurde.

Foto: Michael Korte/Funke Foto Services

Hagen.  Am Ende sind wir alle tot. Daher ist unser Autor stetig bemüht, positiv zu denken. Mit unschuldig Verfolgten kann er sich gut identifizieren.

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Gerade weil mir bewusst ist, dass letztlich alles übel ausgeht – am Ende sind wir bekanntlich alle tot – ,bin ich stetig bemüht, die optimistisch stimmenden Aspekte unseres kurzen Aufenthalts auf Erden zu identifizieren und ihre Bedeutung zu betonen. Wer mir vorhält, so redete ich mir die Welt nur schön, den fordere ich auf, das „nur“ wegzulassen. Das Schönreden ist keine kleine Leistung. Gerade für mich als der Natur nach sehr kritischen und eher pessimistischen Skeptiker. Deshalb muss ich jedwede Chance zu einer positiven Sichtweise nutzen.

Das beliebte Alibi

Eine solche hat sich mir vergangenen Sonntag beim „Tatort“ geboten. Wieder einmal hatte eine Mordverdächtige dieses bei Krimiautoren sehr beliebte Alibi anzubieten: Sie war zur Tatzeit wegen überhöhter Geschwindigkeit geblitzt worden. Statt mich nun über zu viele und zu ähnliche Zufälle in Drehbüchern zu ärgern, beschloss ich, mich zu freuen: Vielleicht könnten meine ganzen Verkehrsvergehen sich doch einmal positiv für mich auswirken. Dazu müsste ich allerdings erst eines Verbrechens beschuldigt werden. Möglichst eines, an dem ich unschuldig bin. Und das sich ereignet hat, während ich etwas zu schnell über die B54 fahre. Besonders wahrscheinlich ist das wohl nicht. Aber die Chance besteht.

Der falsche Verdacht

Ich mache mich nur selten verdächtig. Das letzte Mal war ich acht Jahre alt und wurde beschuldigt, den Schulranzen eines Mitschülers (oder etwas daraus) stehlen zu wollen. Dabei hatte ich das vor der Turnhalle liegende Teil nur geöffnet, um herauszufinden, wem es gehörte. Und als mich der Hausmeister aus der Ferne anschrie, war ich nicht ertappt, sondern erschrocken. Auf den Vorwurf der Diebstahlsabsicht reagierte ich nicht schuldbewusst, sondern so fassungslos, dass ich gar nicht in der Lage war, mich zu erklären.

Ich kann mich nicht erinnern, dass mir etwas Schlimmes passiert wäre, aber seitdem identifiziere ich mich schnell mit unschuldig Verfolgten. Und ich weiß, wie schwer der Beweis fällt, dass man keine bösen Absichten hegte. Dagegen helfen auch keine Blitzerfotos. Dagegen hilft nur die Bereitschaft, anderen nicht immer das Schlimmste zu unterstellen. Also Vertrauen und Optimismus. Ohne das und den machen wir uns das Leben noch schwerer. Es endet ja schon böse genug.

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