Glosse

Der stinkende, alte Mann

Foto: Maja Hitij/dpa / dpa

Hagen.  Ich habe Verständnis dafür, dass Menschen, die am Flughafen in einer Schlange vor dem Eincheck-Schalter stehen, sich unangenehm berührt fühlen, wenn ein stinkender alter Mann sich hektisch an ihnen vorbei drängt.

Allerdings weiß ich auch: Es ist noch wesentlich unangenehmer, dieser stinkende, drängelnde alte Mann zu sein.

Dabei waren wir so gut in der Zeit. Am Vorabend gepackt, früher als sonst aufgestanden, schnell gefrühstückt, pünktliche Bahnen. Alles entspannt. Ich frotzelte noch Frau S. an: „Und, Ausweis auch nicht vergessen?“ Sie präsentierte Reisepass und Perso.

Übermotiviert

Sie ist immer nervös, hat Angst einen Flug zu verpassen. Ich bin entspannter. Kurz bevor wir an der Reihe waren, griff ich nach meinem Portemonnaie, in dem mein Ausweis steckte. Nur fand meine Hand hinten in der Hose – nichts. Die ganze Börse lag wohl noch zu Hause auf dem Tisch.

Bemühen um Kontrolle Frau S. schaute mich forschend an. Ich wirkte wohl beunruhigt. Ich war es. Und hieß sie schweigen. „Check Du schon ein und pass auf meinen Koffer auf“, befahl ich, um Kontrolle bemüht, und rannte los. Taxi! Aber wo? Runter zu „Ankunft“. Anderes Ende. Da stand eine Reihe wartend. Ich riss an der Spitze die Tür auf: kein Fahrer. Ich blickte hektisch um mich.

Die Fahrerin kam gemächlich, verstand dann und fuhr los. Schnell. Es war Samstagmorgen. Wenig Verkehr. Wir lagen wieder gut in der Zeit. Bis kurz vor zu Hause. Die Polizei hatte die Straße gesperrt. Kurdendemo. Ich spurtete. 500 Meter hin, zwei Stockwerke, 500 Meter zurück. Unterwegs beruhigte sich mein Atem, aber der Schweiß begann zu fließen. Kräftig. Anhaltend.

Kontrolle mit Odeur

Frau S. hatte einen Platz in der Schlange frei gehalten. Die Menschen wichen vor mir zurück. Ich bekam meine Bordkarte noch. Ich war sehr, sehr erleichtert. Dann wurde es noch unangenehmer, als ich bei der Sicherheitskontrolle nach dem Mantel auch die Jacke ablegen musste, als mein Körpergeruch sich ungehindert ausbreiteten konnte und mein patschnasses TShirt abgetastet wurde. Immerhin mit Handschuhen.

Die Läden am Flugsteig verkauften keine T-Shirts. Die für die Hände vorzüglichen Dyson-Airblades sind zu einer Oberkörpertrocknung wenig geeignet. Es war schon alles sehr, sehr peinlich. Es war immer noch früh, aber ich bestellte schon ein Bier. Immerhin war jetzt Urlaub. Der Flug ging dann mit eineinhalb Stunden Verspätung.

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