Glosse

Die Frau braucht Deko

Foto: : Stephan Eickershoff

Hagen.  Bis Dreikönig soll der Weihnachtsbaum stehen, heißt es. Wer uns das geheißen hat, ist mir ein Rätsel.

Bis Dreikönig soll der Weihnachtsbaum stehen, heißt es. Wer uns das geheißen hat, ist mir ein Rätsel. So mag es üblich sein – doch warum? Zugegeben: Die Mitte Dezember im Sauerland erworbene Nordmanntanne nadelt, und diese Angewohnheit wird sie wohl beibehalten. Sie steht nicht im Wasser, und wir heizen abends. Aber die Nadeln lassen sich leicht wegsaugen. Und es scheinen noch genügend zu hängen, um das Frühjahr mit einem Baum zu erreichen, der nicht völlig kahl ist. Ich sehe also aktuell keine Notwendigkeit, etwas zu unternehmen.

Ich brauche keine Deko

Frau S. schon. Sie will den Baum dieses Wochenende los werden. Dabei hat sie ihn gewollt. Ich habe ihn nur beschafft. Auf ihren Wunsch. Ich brauche keine solche jahreszeitliche Dekorationen. Aber jetzt, wo ich mich gerade daran gewöhnt habe, wüsste ich nicht, warum ich den Baum mühsam durch die Wohnung und das Treppenhaus auf die Straße schleppen sollte, dabei sicher einen Nadelhaufen und möglicherweise ernsthaftere Schäden hinterlassend. Ich habe ja weder diesen Trichter noch ein Kunststoffnetz zur Hand, um ihn wieder so zu verpacken wie bei seinem Einzug.

Es wäre also viel leichter, argumentiere ich derzeit, wenn wir einfach warten würden, bis alle Nadeln abgefallen seien und ihn dann entsorgten. Dann würde die Müllabfuhr ihn aber nicht mehr mitnehmen, entgegnet Frau S. Vor allem jedoch sei die Weihnachtszeit definitiv vorbei. Der Schmuck passe nicht in den fortgeschrittenen Januar. Dann solle sie halt abtakeln, rate ich. Ein Baum sei doch auch ohne Lichterkette und Sterne und all das Zeug etwas Schönes. Manche Menschen gingen deshalb extra in den Wald. Dann solle ich halt auch in den Wald gehen, empfiehlt Frau S.

Lieber nicht ins Freie

Nun sollte sie aber wissen, und sie weiß es natürlich auch, dass ich im Winter äußerst ungern ins Freie gehe. Da ist es mir zu kalt. Und momentan im Wald zu matschig. Wenn es draußen dunkel und ungemütlich ist, liege ich lieber drinnen auf dem Sofa. Und wenn dabei ein deutlich vernehmbarer Tannenduft ein angenehmes Waldgefühl erzeugt, fördert das mein Wohlbefinden. So meine Verteidigungslinie.

Frau S. lässt sich darauf nicht ein. Ich sei einfach nur faul, behauptet sie. Und noch schlimmer: Mein Widerstand gegen Veränderungen jeglicher Art sei wahrscheinlich ein Zeichen beginnender Altersdemenz. Harte Bandagen. Ich weiß, dass ich den Kampf nicht gewinnen kann. Aber erstmal bleibe ich noch liegen. Bis es wieder heller wird.

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