Bei uns daheim

Empörend: Werbung für ein Gewerbe, das von Ausbeutung lebt

Prostituierte posieren in einem FKK-Sauna-Club.

Prostituierte posieren in einem FKK-Sauna-Club.

Foto: Boris Roessler/dpa

Hagen.  Auf Reklametafeln wird für Saunaclubs geworben, während Politiker uns vor Zigaretten-Werbung schützen wollen. Unseren Autor ärgert dies.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Die Frau, die meine Haare schneidet, nenne ich Friseurin, doch ich würde auch niemanden sozial ächten, der von einer Friseuse spricht. Das Wort „Neger“ habe ich schon länger nicht benutzt, doch finde ich nicht, dass eine Mainzer Dachdeckerei dieses Namens oder irgendeine „Mohren-Apotheke“ sich umbenennen müsste.

Ich unterstütze den Kampf gegen Diskriminierung wegen des Geschlechts, so vielfältig das auch immer sein mag, schreibe aber (aus grammatikalischen Gründen) weiter von Studenten und nicht von Studierenden, selbst wenn es sich nicht ausschließlich um Männer handelt. Ich bin für mehr Tierschutz und weniger Fleischkonsum, verzichte aber auf das Beschimpfen von Wurstessern.

Verbotener Sex

Generell halte ich nicht so viel von Verboten und dem Eindringen des Staates in die Privatsphäre. Dieses schwedische Gesetz, dass Sex ohne ausdrückliches Einverständnis als Vergewaltigung wertet, sehe ich als gut gemeint, in der Anwendung allerdings problematisch. Ich wäre auch dagegen, bei uns wie dort Prostitution unter Strafe zu stellen, weil man sie sowieso nicht verhindern kann. Und weil ein (wohl recht kleiner) Teil der Anbieter dieser Dienstleistung das ja freiwillig tut. Wenn man mich fragte, würde ich auch den Drogenverkauf freigeben, aber reglementieren, um die Organisierte Kriminalität zu bekämpfen.

Allerdings hielte ich nichts von Werbung für Kokain auf Plakatwänden. Das wäre auch eine absurde Idee? Aber wie absurd und empörend ist es denn, dass ich täglich auf dem Weg zur Arbeit an großen Reklametafeln vorbeifahre, die mir „100 Girls“ im „größten Saunaclub Europas“ offerieren? Reklame für ein Gewerbe, das von Ausbeutung lebt und internationalen Frauenhandel praktiziert, ist in Ordnung, während unsere Gesundheitspolitiker meinen, mich vor Zigarettenwerbung an gleicher Stelle schützen zu müssen? Man muss kein Freund der Tabakindustrie sein, um eine gewisse moralische Diskrepanz festzustellen.

Nur Gastronomie?

So ein Puff ist rechtlich gesehen auch nur ein Gastronomiebetrieb, in dem angeblich selbstständige Kleinunternehmerinnen ihre Haut und ihr Fleisch und ihre Seele zu Markte tragen. Da kann man dann nichts machen? Natürlich kann man: Weil etwas nicht verboten ist, muss man es noch lange nicht fördern. Das Akzeptieren solcher Werbung ist inakzeptabel. Wenn Sie hier heute eine Pointe vermissen – ich leider auch.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben