Glosse

Exzessives Bestellverhalten

Foto: Rolf Vennenbernd / dpa

Hagen.  Noch immer ist es mir nicht gelungen, alle Kartons in die Tonne zu stopfen. Es waren einfach zu viele.

Noch immer ist es mir nicht gelungen, alle Kartons, die im Laufe dieses nun zu Ende gehenden Monats angekommen sind, in die blaue Tonne zu stopfen. Nicht einmal in vorbildlich kleingerissener Form. Es waren einfach zu viele.

Natürlich ist für die Masse in erster Linie das exzessive Bestellverhalten von Frau S. verantwortlich, aber ich fühle mich teil- und mitverantwortlich für ihre Handlungen. Deshalb haben wir über eine Reduktion gesprochen. Aber ich sehe das realistisch. Der Weg zur Konsumhölle ist mit guten Absichten gepflastert. Deshalb wollen wir das 2018 anders halten. Was mich stört, sind ja nicht die Kartons. Und der Inhalt auch nicht immer und am meisten. Mir geht es ausnahmsweise mal um die Menschen. Die Fahrer der Paketdienste, die in der Mehrzahl der Unternehmen erbärmlich ausgebeutet werden.

Ich möchte lieber nicht

Daran möchte ich nicht beteiligt sein. Ich werde also jedesmal, wenn einer der Paketdienste etwas liefert, die mit Sub-Sub-Unternehmens- Knebelverträgen arbeiten, mich beim Produktanbieter beschweren, ihn auffordern, künftig eine andere Firma zu wählen und für den anderen Fall mit Kaufboykott drohen. Das ist für mich eine Win-Win-Situation: Entweder unterstütze ich vergleichsweise akzeptable Arbeitsverhältnisse oder verhindere weitere Käufe. Beides ist in meinem Interesse. Und auch moralisch korrekt.

Das Problem der Konsequenz

Der Nachteil: Wenn ich konsequent wäre, müsste ich diese Haltung auch auf andere Bereiche ausdehnen und keine Unternehmen mehr unterstützen, die ihre Mitarbeiter schlecht behandeln. Also keine Billigflüge mehr mit Ryanair. Nur so als Beispiel. Oder kein Fleisch aus Fabriken, in denen osteuropäische Schlachter unter Ekelbedingungen arbeiten. Im Grunde müssten wir auf alles verzichten, was niedrige Preise an erste Stelle und Respekt vor den Menschen auf eine hintere setzt. Aber überall überblicken wir das gar nicht. Und es widerspricht unserem anerzogenen Hang zum Billigangebot. Außerdem gefällt es mir nicht, wenn die Reichen, die nicht auf den Preis schauen, sich auch noch moralisch überlegen fühlen dürfen.

Das ist der Punkt, an dem schöne Vorsätze für ethisch korrekten Konsum gerne beerdigt werden: Das Projekt ist zu groß. Deshalb nehmen wir uns das nicht alles vor. Wir wollen 2018 einfach kleinere Päckchen packen. Damit wir Ende des Jahres noch Platz in der blauen Tonne des schlechten Gewissens haben. Fühlt sich einfach besser an.

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