Glosse

Genies wie Donald Trump

ARCHIV - Zahlreiche Zuschauer stehen am 25.05.2017 bei der Feier zum 50-jährigen Bestehen des Hannoveraner Jazz-Festivals vor dem Neuen Rathaus in Hannover (Niedersachsen). Das niedersächsische Landesamt für Statistik in Hannover stellt am 08.12.2017 den neuen Niedersachsen-Monitor vor, in dem es auch um die Bevölkerungsentwicklung geht. Foto: Silas Stein/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++ | Verwendung weltweit

ARCHIV - Zahlreiche Zuschauer stehen am 25.05.2017 bei der Feier zum 50-jährigen Bestehen des Hannoveraner Jazz-Festivals vor dem Neuen Rathaus in Hannover (Niedersachsen). Das niedersächsische Landesamt für Statistik in Hannover stellt am 08.12.2017 den neuen Niedersachsen-Monitor vor, in dem es auch um die Bevölkerungsentwicklung geht. Foto: Silas Stein/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++ | Verwendung weltweit

Foto: Silas Stein

Hagen.  Wir können nicht alle Genies sein wie Donald Trump. Glücklicherweise.

Wir können nicht alle Genies sein wie Donald Trump. Glücklicherweise. Aber auch wenn die meisten von uns ihn nicht als intellektuelles, moralisches oder emotionales Vorbild betrachten, auch wenn die wenigsten von uns sich dem Rest der Menschheit dramatisch überlegen fühlen, ist es noch ein schwieriger Schritt dahin, die eigene Mittelmäßigkeit zu akzeptieren.

Irgendwo dazwischen

Dabei sind die meisten Menschen genau dies: mittelmäßig begabt, mittelmäßig erfolgreich, mittelmäßig fleißig, freundlich, attraktiv, glücklich, herzlich, sozial oder geliebt. Das ist so definiert und lässt sich nicht ändern. Wenn alle klüger würden, wäre der Mittelkluge immer noch in der Mitte. Natürlich gibt es Abweichungen vom Durchschnitt. In einem Land mit wenigen super Reichen und vielen bitter Armen, sagt das Durchschnittsvermögen gar nichts aus. Andererseits sind Nobelpreisträger und Totaldeppen eben Ausnahmen. Und der große Rest tummelt sich irgendwo dazwischen. In der Mitte.

Politisch gilt die Mitte als attraktiv. Die Mehrheit der Parteien verortet sich dort, und wer die eigene Position als die der Mitte der Gesellschaft verkauft, will sich damit bodenständige Vernunft bescheinigen. Wahrscheinlich stört uns am Mittelmaß also das Mäßige. Andererseits sind das rechte Maß, das Augenmaß und sogar das Maßhalten meist positiv besetzt.

Etwas Besonderes

Das sind eben alles nur Worte. In Wirklichkeit geht es um ein Gefühl: Wir wollen besser sein als der Durchschnitt. Wir fühlen uns als etwas Besonderes. Letzteres sogar völlig zu Recht: Jeder Einzelne ist etwas Besonderes. Wir sind alle einzigartig. Bis man uns klont. Aber wer wollte unsereins schon klonen?

Vielleicht ist Konkurrenz das Problem. Vielleicht hat sich der kapitalistische Wettbewerbsgedanke zu tief in unsere Psyche gefressen. Deshalb wollen wir die anderen immer ausstechen. Was eine sinnvolle Motivation im Sport sein kann, aber kein Rezept für ein glückliches Leben. Ein solches vermag gerade ich hier natürlich auch nicht zu verkünden. Aber wahrscheinlich sollte man sich mehr aufs Eigene konzentrieren. Nicht im Sinne einer Optimierung, sondern positiv akzeptierend: So bin ich. Und genau so ist sonst keiner. Wie schön!

Das funktioniert sogar bei schwierigen Fällen wie dem stabil Gestörten im Weißen Haus: Wir können zufrieden damit sein, dass es genau so einen nicht mehrmals gibt. Ähnlichkeiten sind ja schon schlimm genug.

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