Glosse

Ich shoppe sonntags nicht

ILLUSTRATION - "einkaufen" steht am 05.12.2017 als Eintrag für den 24. Dezember in einem Kalender in Hamburg. Die Abgeordneten der Hamburgischen Bürgerschaft sollen am 06.12.2017 über die Ladenöffnungszeiten an Heiligabend debattiert. Wenn - wie in diesem Jahr der Fall - Heiligabend auf einen Sonntag fällt, gelten Sonderregelungen für bestimmte Geschäfte. (zu dpa "Hamburger Bürgerschaft debattiert über Öffnungszeiten an Heiligabend" vom 06.12.2017) Foto: Marcus Brandt/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++

ILLUSTRATION - "einkaufen" steht am 05.12.2017 als Eintrag für den 24. Dezember in einem Kalender in Hamburg. Die Abgeordneten der Hamburgischen Bürgerschaft sollen am 06.12.2017 über die Ladenöffnungszeiten an Heiligabend debattiert. Wenn - wie in diesem Jahr der Fall - Heiligabend auf einen Sonntag fällt, gelten Sonderregelungen für bestimmte Geschäfte. (zu dpa "Hamburger Bürgerschaft debattiert über Öffnungszeiten an Heiligabend" vom 06.12.2017) Foto: Marcus Brandt/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++

Foto: Marcus Brandt

Hagen.  Ich will sonntags nichts kaufen. Ich kaufe sowieso nicht so gerne, und ich shoppe schon gar nicht.

Ich will sonntags nichts kaufen. Ich kaufe sowieso nicht so gerne, und ich shoppe schon gar nicht. Und wenn ich wirklich etwas brauche, gibt es auch sonntags den Bahnhof und die Tankstelle. Wegen mir müssen also auch am Heiligabendmorgen keine Lebensmittelgeschäfte öffnen. Allerdings betrachte ich es schon als Traditionsbruch, wenn Ehemänner Am Tag vor Heiligabend nicht die Parfümerie aufsuchen können, um doch noch ein Geschenk für die Liebste zu besorgen. Oder für die Frau.

Andererseits bietet der 23. Dezember präsentmäßig auch Last-Minute-Gefühle: Das Beste ist schon weg, und die Preise sind doch nicht gesunken. Höchstens beim Weihnachtsbaum könnte abends ein Schnäppchen drin sein, wenn man die ästhetischen Ansprüche stark herunterschraubt. Meine sind sowieso nicht so hoch. Aber baummäßig sind wir versorgt.

Die agnostische Autowäsche

Grundsätzlich vermag ich allerdings keinen Grund zu erkennen, aus dem es einem muslimischen Gemüsehändler, einem hinduistischen Unterhaltungselektronikspezialisten oder einer agnostischen Autowaschanlage untersagt werden müsste, seine bzw. ihre Dienste anzubieten, nur weil Sonntag ist. Weil wir ein christliches Land sind? Traditionell gewiss, mehrheitlich vielleicht auch noch, doch viel christlichere Länder wie die USA oder Italien haben keine solchen Probleme. Der Kirchenbesuch würde unter sonntäglichen Einkaufsbummeln kaum mehr leiden als jetzt schon.

Personalprobleme

Aber die Angestellten – auf die müsse man Rücksicht nehmen, heißt es. Das ist wahr. Aber braucht man dazu gesetzliche Verkaufsverbote? Beziehungsweise Geschäftszeitenerlaubnisse, die diskutiert werden, als bestünde dann Öffnungspflicht? Werden Arbeitszeiten nicht üblicherweise in Tarifverträgen geregelt? Sollten die Mitarbeiter des Handels nicht besser Betriebsräte gründen und der Gewerkschaft beitreten? Das wäre übrigens auch ihren Kollegen in der ähnlich lückenhaft organisierten Alten- und Krankenpflegebranche anzuraten.

Der frühe Kommunarde Jesus hätte wohl Solidarität empfohlen statt Gejammer. Andererseits war er handelskritisch eingestellt und hat seinen eigenen Geburtstag nie gefeiert, was von an Arbeitsplätzen interessierten Gewerkschaftern als wachstumsfeindlich bemängelt werden könnte. Die Welt ist eben so widersprüchlich wie Weihnachten: Erst der totale Konsumwahn, dann drei Tage Läden zu. Ist schon gut so. Und Frau S. wird dies eine Mal ohne neues Parfüm auskommen.

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