Bei uns daheim

Ist Skeptizismus vielleicht doch das bessere Gewerbe?

Verlängert Rotwein unsere Lebensdauer oder bringt er uns eher ins Grab? Studien zeigen unterschiedliche Ergebnisse.

Verlängert Rotwein unsere Lebensdauer oder bringt er uns eher ins Grab? Studien zeigen unterschiedliche Ergebnisse.

Foto: Gero Breloer/dpa

Hagen.  Macht Rotwein jetzt krank oder doch gesund? Der Autor unserer Kolumne glaubt erst mal nichts. Auch keiner Studie, die ihm in den Kram passt.

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Wenn ich jetzt nicht gegoogelt hätte, hätte ich hier hingeschrieben, dass mich für mein Leben die Szene aus „Der Schatz der Sierra Madre“ geprägt hat, in der Humphrey Bogart als sein Gewerbe „Trinker“ angibt. Aber das wäre falsch. In dem Film trinkt er zwar heftig, aber was ich meinte, stammt aus „Casablanca“. Da ist „Trinker“ die Antwort auf Major Strassers Frage nach seiner Nationalität. Ist sogar besser.

Obwohl sich Bogie in „Casablanca“ noch stärker als Raucher hervortut. Mich hat beides sehr beeindruckt. Und in der Jugend hat mich sein Krebstod nicht abgeschreckt. Zu dem Zeitpunkt war er schon alt, dachte ich. Aber die Einschätzung ändert sich. Heute bin ich älter als er zu dem Zeitpunkt, zu dem er Lauren Bacall zur Witwe machte. Also war er damals jung.

Die Rotwein-Skepsis

Heute würde ich mich sicher nicht mehr in erster Linie als Trinker oder Raucher bezeichnen, sondern, beruflich wie privat, als Skeptiker. Ich glaube erst mal nichts. Auch keine Studien, die mir in den Kram passen. Deshalb habe ich zwar immer gerne Rotwein getrunken, jedoch nicht in der Illusion, damit meiner Gesundheit etwas Gutes zu tun. Denn bei genauer Lektüre dieser gefeierten Erkenntnisse zeigte sich, dass erstens die Datenbasis dünn und zweitens die empfohlene Menge eher homöopathisch war. Und an Homöopathie glaube ich auch nicht.

Glaube ich vielleicht eher ans Negative? An diese neue französische Studie, dass Alkoholmissbrauch das Demenzrisiko verdreifacht? Und als Missbrauch gelten schon 1,5 Liter Bier pro Tag. Oder eine Flasche Wein. Für Frauen noch weniger. Das Machwerk wirkt seriös, bleibt aber Statistik, erklärt den Zusammenhang also nicht. Vielleicht fallen unprofessionelle Trinker nur häufig auf den Kopf.

Keine Studie ohne Gegenstudie

Und ruckzuck kam auch schon die Gegenstudie aus Kalifornien. Bei über 90-Jährigen verringern zwei Gläser Bier oder Wein das Sterberisiko um 18 Prozent. 15 bis 45 Minuten Bewegung täglich bringen nur 11 Prozent. Sich zwei Stunden täglich einem Hobby widmen: 21 Prozent weniger Todesfälle. Und wenn das Hobby Trinken nach dem Sport ist? Fröhliche Unsterblichkeit? Das Problem dabei: Die Untersuchung begann erst, als die Probanden bereits Mitte 70 waren. Und so weit muss man erstmal kommen. Vielleicht ist Skeptizismus doch das bessere Gewerbe.

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