Bei uns daheim

Lächeln, Tomatensaft trinken und mit dem Jammern aufhören

Ihr Markenzeichen: Bundeskanzlerin Angela Merkel faltet ihre Hände zur Raute.

Ihr Markenzeichen: Bundeskanzlerin Angela Merkel faltet ihre Hände zur Raute.

Foto: Michael Kappeler/dpa

Hagen.  Merkels Raute und Trumps Frisur - unser Autor ärgert sich darüber, dass in den Medien das Unterhaltsame so oft das wirklich Wichtige verdrängt.

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Der Sinn so einer Kolumne besteht im Wesentlichen darin, mehr oder weniger wesentliche Themen auf eine Weise abzuhandeln, die eine Spur Originalität enthält und zumindest bei einem Teil der Leser einen Hauch von guter Laune erzeugt. Es handelt sich somit um eine Dienstleistung. Und was Empfänger einer solchen so gar nicht brauchen können, sind jämmrige Beschwerden des Dienstleisters.

Wenn Flugbegleiterinnen keinen Tomatensaft mehr sehen können und Außendienstlern vom Lächeln die Mundwinkel schmerzen, mögen sie es bitte für sich behalten. Oder sich gegenseitig in geschlossenen Foren und Chats ihr Leid klagen. Und wenn sie schlechte Laune haben, möchte ich bitte nichts davon mitbekommen. Ich habe auch so genug am Hals. Zum Beispiel soll und will ich mit dieser Kolumne gute Laune erzeugen, obwohl ich gerade schlechte habe.

Einfach wegschimpfen

Das wollten Sie wahrscheinlich nicht wissen. Aber vielleicht hilft es mir, das mitzuteilen und im Anschluss Ihnen, weil der Text danach besser wird. Frau S. macht das immer so: Sie schimpft so lange, bis sich ihre schlechte Laune verflüchtigt hat. Allerdings nur für sie. Weil jetzt ihre Zuhörer übler Stimmung sind. Das wäre hier aber wohl kontraproduktiv. Nur schimpft Frau S. sehr emotional, während meine Laune rational begründet ist.

Ich ärgere mich darüber, dass so viel mehr über Gauland in der Badehose geredet wird und über Lindners Unterhemd und Söders Kreuz (gegen muslimische Vampire?) und Merkels Raute und Wagenknechts Garderobe und Nahles’ Gesangsstimme als über unseren Umgang mit der Globalisierung und der Digitalisierung und dem Klima und der Landwirtschaft und der Pflege und der Bildung. Und dann habe ich noch das Gefühl, dass ich daran mitschuldig bin, weil in den Medien das Unterhaltsame und irgendwie Interessante immer das wirklich Wichtige verdrängt. Und davon bin ich eben ein Teil. Meist gern. Weil es auch mir leichter fällt, über Seehofers Heimatmuseum und Trumps Frisur zu spotten, als Europas Finanz-,Flüchtlings-, Umwelt und Verteidigungspolitik neu zu konzipieren. Und dann durchzusetzen.

Die Tomatensaft-Therapie

Man ist halt nur ein kleines Licht. In dunkler Zeit? Ach was. Kein Grund, alle Hoffnung fahren zu lassen: Einfach lächeln, Tomatensaft trinken und mit dem Jammern aufhören. Wie ich jetzt. Sofort.

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