Glosse

Milch vorm Urlaub wegschmeißen oder vergammeln lassen?

Das restliche Essen im Kühlschrank vor einer Reise aufzubrauchen, ist eine Herausforderung. Das findet auch unser Autor. Foto: Sebastian Gollnow/dpa

Das restliche Essen im Kühlschrank vor einer Reise aufzubrauchen, ist eine Herausforderung. Das findet auch unser Autor. Foto: Sebastian Gollnow/dpa

Foto: Sebastian Gollnow / dpa

Hagen.  Unser Autor möchte vorm Urlaub das Essen im Kühlschrank verbrauchen, damit nichts verdirbt. Doch bei der Milch stößt er an seine Grenzen.

Man will ja nicht krampfhaft Probleme suchen, wo gar keine sind. Aber Gedanken machen wir uns schon, wie wir es schaffen in Urlaub zu fahren, ohne Reste im Kühlschrank zu hinterlassen.

Klar: Man könnte vor der Abreise alles Verderbliche wegwerfen. Oder nach der Rückkehr die verschimmelten Reste angeekelt entsorgen. Aber ich habe schon ungern Dinge weggeworfen, bevor Umweltminister das tadelten. Alternativ böte sich reduzierter Einkauf in den Tagen vor der Abreise an. Allerdings möchte man auch nicht darben. Und völlig exakt lässt sich der Verbrauch eben nicht berechnen.

Das Rätsel der Milchpackung

Nehmen wir nur mal die Milch. Ich kippe sie morgens ins Müsli und in den Tee, Frau S. in ihren Kaffee. Wie viel macht das? Weniger als einen halben Liter pro Tag. Ein Drittel vielleicht? Reicht also ein Liter für drei Tage? Eventuell. Aber wie viel ist in der angebrochenen Packung? Und könnten wir nicht Besuch bekommen, der Milchkaffee möchte? Was, wenn Frau S. ein leichtes Magenunwohlsein mit einer Tasse Milch bekämpfen will?

Es ist alles sehr unsicher. Und leider ist es nicht möglich, kompromisslerisch einen halben Liter zusätzlich zu erwerben. Denn erstens kostet der nur geringfügig weniger als ein ganzer, was ich aus Prinzip nicht akzeptieren kann, und zweitens gibt es die Bioweidemilch mit 1,5 Prozent Fett gar nicht in der kleinen Packung.

Der menschliche Mülleimer

Also doch einen Liter als Reserve? Ich fände es schlimm, einen Großteil davon in den Ausguss zu kippen. Und ich könnte den Rest nicht trinken. Pur schmeckt mir Milch nicht; zudem vertrage ich weder die physischen, noch die psychischen Folgen. Meinen Körper würde mindestens die Kalorienzahl belasten (manche Veganer drohen mir sogar mit Prostatakrebs) und den Geist das Gefühl, mich selbst zum menschlichen Mülleimer zu degradieren. So geht das also nicht.

Wir werden wohl doch unseren Konsum dem Vorrat anpassen müssen. Im Notfall mit schwarzem Tee und weniger Müsli. Irgendwie wird es gelingen. Muss ja. Wie andere Menschen es allerdings schaffen, in ähnlichen Situationen aus Resten superoriginelle Köstlichkeiten zu kreieren, bleibt mir ein Rätsel. Wahrscheinlich ist das reine Propaganda. Wir jedenfalls haben dafür keine Kapazitäten. Die Milch macht’s? Uns schafft sie.

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