Glosse

Tempo 140. Immer.

Am Mittwoch, 27.12.2017, hatte das Herner Stadtprinzenpaar zum Zweirad-Verkauf in das Opelmuseum geladen.

Im Bild: Tacho, Detail.

Bildautor: Bastian Haumann / Funke Foto Services

Am Mittwoch, 27.12.2017, hatte das Herner Stadtprinzenpaar zum Zweirad-Verkauf in das Opelmuseum geladen. Im Bild: Tacho, Detail. Bildautor: Bastian Haumann / Funke Foto Services

Foto: Bastian Haumann / Funke Foto Service

Hagen. Auf dem Weg zur Arbeit kam mir auf der Autobahn ein Räumfahrzeug entgegen und kippte mir den auf der linken Spur der Gegenfahrbahn aufgewischten Schnee auf die Frontscheibe – eine Maßnahme, die ich bedauerlicherweise nicht als Förderung der Verkehrssicherheit empfinden konnte.

Ich hätte vielleicht nicht zwingend mit 140 km/h auf der linken Spur fahren müssen. Andererseits sprach nichts dagegen. Auf meiner Seite lag kein Schnee. Und wenn kein Tempolimit mich beschränkt, bin ich meist mit 140 unterwegs. Das scheint mir ein guter Kompromiss zu sein zwischen der grundsätzlichen Dringlichkeit, die meiner Fortbewegung zugrunde liegt, und meiner Sparsamkeit. Bei 190 wäre mir einfach der Verbrauch zu hoch.

Blitze ohne Punkte

Allerdings fahre ich meist auch 140, wenn nur 120 erlaubt sind. Und 100, wenn 80 erlaubt sind. So, dass es keine Punkte gibt, wenn ich geblitzt werde. Leider werde ich oft geblitzt. Selten, weil ich in unbekannten Gefilden unterwegs bin, wo mich stationäre Anlagen überraschen. Häufig, weil ich meinen (gewiss wertvollen) Gedanken nachhänge, statt mich zu erinnern, wo in den Dauerbaustellen und City-Zufahrten die Fallen installiert sind.

Eigentlich weiß ich es ja. Und dann kommt doch ein paar Wochen später eine Rechnung. Über einen niedrigen zweistelligen Betrag. Das summiert sich. Das kostet mich dramatisch viel mehr, als mir meine verbrauchsbewusste Fahrweise auf freien Strecken spart. Finanziell gesehen benehme ich mich also ausgesprochen unvernünftig, zumal das etwas schnellere Fahren mir, wie ich wohl weiß, auch keinen großen Zeitgewinn verschafft.

Die Öko-Lüge

Auf dieses unlogische Verhalten wies mich kürzlich (und möglicherweise nicht zum ersten Mal) Frau S. hin. Natürlich hatte ich eine Antwort parat: Meine Beweggründe seien ökologischer Natur: 140 statt 190 entlaste die Umwelt, 80 statt 60 belaste sie nicht. Frau S. schaute skeptisch. Zu Recht. Zwar ist mir die Umwelt schon wichtig, aber mein Fahrstil hat wohl andere Ursachen, wie mir beim Nachdenken darüber klar wurde. Ungeduld spielt logischerweise eine Rolle. Aber es ist wohl auch so, dass ich mich einfach nicht gerne an Regeln halte, die ich nicht selbst gemacht habe.

Das ist, gebe ich zu, möglicherweise ein problematischer Charakterzug. Mich deshalb auf die Autobahn mit Schnee zu bewerfen, scheint mir dennoch nicht angebracht.

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