Bei uns daheim

Von der Macht der Gewohnheit und neuen Situationen

Foto: DPA

Hagen.  Der Autor unserer Kolumne kann so manche Gewohnheiten nur schwer ablegen. Seine Ärztin lacht ihn bei einer Untersuchung einfach aus.

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Weil meine Nachbarn entweder viel zu verlieren haben oder etwas ängstlich sind, gibt es in unserem Haus, das wegen eines Zahnarzts und einer Physiotherapeutin im Erdgeschoss von vielen Fremden besucht wird, einige Sicherheitsmaßnahmen. Zum Beispiel lässt sich der Aufzug nur mit einem Schlüssel bedienen. So war es zumindest 20 Jahre lang.

Seit zwei Wochen ist das Schloss aber defekt und die Kabine fährt ganz normal auf Knopfdruck. Was für mich nicht so schlimm wäre. Wenn ich nicht jedesmal mit gezücktem Schlüssel in den Fahrstuhl träte und mir erst dann wieder einfiele, dass ich mir das jetzt sparen kann.

Die Macht der Gewohnheit

Das ist die Macht der Gewohnheit. 20 Jahre vergisst man nicht in zwei Wochen. Wahrscheinlich erst in dem Moment, wenn das Schloss repariert ist. Aber ich werde mich schon wieder eingewöhnen. Es ist kein Problem. Es fiel mir nur auf.

Dass ich durchaus in der Lage bin, mich auf neue Situationen einzustellen, habe ich erst kürzlich bewiesen. Dazu muss ich etwas ausholen: Unsere neue Spülmaschine passte irgendwie nicht richtig in ihren Einbauplatz. Jedenfalls kippte beim Schließen immer die untere Abdeckleiste weg, die wohl auch nicht mehr befestigt war. Das ließ sich nur verhindern, wenn man beim Schließen der Maschine unten den Fuß gegen das Holz stellte. So hielten wir es ein, zwei Jahre.

Dauerhafte Provisorien

Dann wurde es Frau S. zu lästig, und sie entfernte die untere Holzabdeckung und stellte sie gegen die Wand. Dort steht sie jetzt seit etwa einem Jahr. Und etwa ein halbes Jahr lang trat ich beim Anstellen der Maschine stets mit dem Fuß ins Leere, gegen die nicht mehr vorhandene Abdeckung. Darüber bin ich jetzt weg. Weshalb es ungünstig wäre, das Teil irgendwann wieder anbringen zu lassen. Man richtet sich eben auch in Provisorien ganz gut ein. Gewohnheiten erleichtern das Leben. Man muss nicht dauernd über alles nachdenken.

Aber man muss auch flexibel bleiben. Ohne sich freilich alles gleich schlechtreden zu lassen: Meine Ärztin fragte letztens, ob meine Magenbeschwerden vielleicht vom Weißwein und vom Nikotin kommen könnten. Das hielte ich für ausgeschlossen, antwortete ich, schließlich trinke und rauche ich schon seit 40 Jahren, ohne dass je Probleme aufgetreten seien. Ich sei das gewohnt. Da lachte sie mich einfach aus.

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