Glosse

Warum der Brotschneider einfach nur überflüssig ist

Unser Autor schneidet sein Brot am liebsten zu Hause.

Unser Autor schneidet sein Brot am liebsten zu Hause.

Foto: Lars Heidrich

Hagen.   Unserem Autor reichte beim Brotschneiden ein Holzbrett und ein Messer. Nun hat aber eine elektronische Maschine Einzug in den Haushalt gehalten.

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Angeblich verkauft sich nichts so gut wie geschnitten(es) Brot. Meine Bäckerei-Erfahrungen bestätigen das. Auf die Frage „Geschnitten oder am Stück?“ entscheidet sich nur eine Minderheit für das unversehrte Brot. Zu der gehöre ich.

Das ganze Brot bleibt länger frisch. Und selber schneiden ist ja kein so großes Kunststück. Dazu genügen ein Holzbrett und ein Brotmesser. So dachte ich lange Zeit. Dann brachte Frau S. eine elektrische Brotschneidemaschine mit in den gemeinsamen Haushalt. Die nimmt viel Platz weg und ist komplett überflüssig.

Brotschneider verdrängt Holzbrett

Frau S. sieht es nicht so. Sie kann nichts dafür. Sie ist es aus ihrem Elternhaus so gewohnt. Sie hat nie Brotschneiden gelernt. Anfangs habe ich versucht, es ihr beizubringen. Sie war störrisch. Ich bin nachgiebig. Inzwischen habe ich mich an die Maschine gewöhnt. Ich benutze sie sogar. Schon deshalb, weil kein Platz mehr ist für mein Holzbrett.

Selbst esse ich nicht viel Brot. Abends kochen wir, morgens mische ich mir ein Müsli. Frau S. bevorzugt Wurstbrot (Fleischwurst, am Stück). Zwei Scheiben. Wenn sie unter der Dusche steht, wenn ich der Küche zugange bin, schneide ich ihr die ab. Weil ich nett bin. Und weil ich mich beschäftigen muss, bevor ich die Zeitung aus dem Briefkasten hole. Das muss erfolgen, während Frau S. ihren Kaffee mahlt. Das Geräusch vertrage ich nicht am Morgen.

Unfall beim Brotschneiden

Vergangene Woche schob ich das Brotende in die Maschine, rutschte ab, und das gezackte Sägeblatt fuhr mir in den kleinen Finger. Es dauerte einen Moment, bis das Blut floss. Der Schnitt war tief und breit. Musste das genäht werden? Erst ein Pflaster. Aber wo sind die? Ich war desorientiert. Und blutete.

Frau S. kam aus dem Bad. Und sagte nicht etwa: „Entschuldige bitte, dass Du Dich an m e i n e r Maschine geschnitten hast, weil Du für m i c h Brot geschnitten hast. Was kann ich für Dich tun, Du Armer?“ Vielmehr sprach sie vorwurfsvoll: „Du blutest ja die ganze Küche voll.“ Ich gebe zu: Die Kombination aus Brotschneidemaschine und weißen Bodenfliesen ist ungünstig.

Wird geschnittenes Brot zur Alternative?

Im Laufe des mehrtägigen, qualvollen Finger-Heilungsprozesses sagte Frau S., man könne sich auch mit Messern schneiden. „Du vielleicht“, entgegnete ich. „Und ich würde Dich dann nicht beschimpfen.“ Vielleicht sollten wir doch lieber geschnitten(es) Brot kaufen.

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