Preisverleihung

Bernward Koch aus Wenden stimmt in der Grammy-Jury mit

Der Komponist Bernward Koch

Der Komponist Bernward Koch

Foto: Privat

Wenden.   Der Komponist Bernward Koch aus Wenden sitzt in der Jury des begehrten Grammy-Musikpreises. Sonntag wird die Auszeichnung in New York verliehen.

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Die Grammy Awards sind die höchste internationale Auszeichnung für Musiker. Am 28. Januar werden sie in New York verliehen. Eine Stimme kommt dabei aus der Region Südwestfalen. Der Wendener Komponist Bernward Koch gehört zur Jury des begehrten Preises.

Wie viele Stücke er sich in den vergangenen Monaten angehört hat, das kann der 61-Jährige gar nicht zählen. Die Grammys werden in 84 Kategorien von der Sinfonie bis zum Rap vergeben. Vier Votings sind für jeden Juror Pflicht, maximal 15 darf er abgeben. „Mittlerweile läuft das alles online. Die Künstler versenden keine CDs mehr, sondern Links. Und man bekommt von allen Seiten per Mail oder über Facebook die Aufforderung: Bitte stimme für mich! Aber der Ausschuss hat schon ein gewisses Vertrauen zu den Juroren“, beschreibt Bernward Koch seine Tätigkeit. Natürlich ist ein Grammy Geld wert. „Die meiste Energie wird darauf verwendet, auf sich aufmerksam zu machen und riesige Anzeigen zu schalten. Man darf sich nicht von den Verkaufszahlen beeinflussen lassen. Die üblichen Verdächtigen sind auch immer dabei, Bob Dylan oder die Rolling Stones, und ganz viele amerikanische Sinfonieorchester. Doch Dylan oder Mick Jagger machen keine Werbung für ihre Musik, das brauchen sie nicht.“

In den USA populär

Worauf muss sich der Juror denn verlassen können? Auf seine Ohren! „Es gibt viele gute Produktionen in allen Kategorien, aber es muss schon greifen, es muss mich packen. Ich versuche, die Stücke nach meinem eigenen Gehör zu beurteilen“, schildert Koch.

Bernward Koch schreibt Werke, die in den USA als „Healing Music“ in den Kategorien Weltmusik und New Age populär sind und regelmäßig in die Charts kommen. Gute Airlines setzen sie gegen Flugangst ein, Krankenhäuser zur Therapie beispielsweise von im Krieg traumatisierten Soldaten.

„Meine Musik dient nicht zur Weltflucht, sondern zum wieder Runterkommen, weil die Hektik wächst und die Zahl der Menschen mit Burnout steigt. Es gibt Leute, die kennen die Stille gar nicht mehr, die halten Stille nicht aus“, sagt er. Seine CD „Remembering“ hat es 2016 auf den Grammy-Stimmzettel geschafft und dem Wendener damit die Eintrittskarte in den Club der Juroren beschert.

Bernward Koch lebt eine typische Sauerland-Biografie: zutiefst heimatverbunden und dennoch international unterwegs. Die Inspiration für sein Schaffen bezieht er aus der Natur, deshalb wohnt er mit seiner Familie in dem kleinen Dorf Brün in der Gemeinde Wenden und schlägt von dort die Brücke nach San Francisco, wo seine Plattenfirma Real Music sitzt.

Hat der Komponist einen heißen Tipp? „In diesem Jahr ist das Feld breiter gefächert, und die Spitzenreiter sind deshalb schwieriger zu benennen. ,Despacito’ hat meines Erachtens gute Aussichten, das ist die erfolgreichste jemals gestreamte Nummer, das Stück ist über fünf Milliarden Mal abgerufen worden. Justin Biebers Musik ist erwachsener geworden.“

Klare Favoriten

In der Kategorie Weltmusik/New Age hat der Wendener klare Favoriten: „Der japanische Musiker Kitarō, Brian Eno und Steve Roach. Ich vermute mal, dass es einer von ihnen wird. Grundsätzlich finde ich es toll, dass Weltmusik überhaupt gewertet wird, ebenso wie die Kategorie Instrumentalsolo.“

Prostet Bernward Koch dann bei der Grammy-Party in New York mit einem Gläschen Sekt Madonna zu? „Meine Tochter schimpft zwar, aber ich fahre nicht“, antwortet er schmunzelnd und schiebt noch eine Anekdote hinterher. „1967 hat der Grafiker und Musiker Klaus Voormann einen Grammy für das Cover des Beatles-Album ,Revolver’ erhalten. Aber er konnte es sich einfach nicht leisten, in die USA zu fliegen. Da hat sich inzwischen einiges geändert.“

Sollte seine Musik allerdings wieder gelistet werden, reist Bernward Koch in jedem Fall über den großen Teich. „Vielleicht hat man mal die Chance, nominiert zu werden. Aber ich habe keine Eile, ich arbeite ja weiter.“

www.bernwardkoch.de

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