Armut

Bertelsmann Studie: Viele arme Kinder, wenige Kita-Plätze

In Mädchen steht ohne Schuhe im Hof. Wenn das Geld schon für Kleidung nicht reicht, kommt Bildung bei Kinder aus armen Familien oft zu kurz.

In Mädchen steht ohne Schuhe im Hof. Wenn das Geld schon für Kleidung nicht reicht, kommt Bildung bei Kinder aus armen Familien oft zu kurz.

Foto: Christian Hager

Südwestfalen/Gütersloh.   Laut Bertelsmann Stiftung reichen U3-Plätze nicht aus. In Hagen gibt es mehr arme Kinder als Betreuungsangebote. Im HSK sieht es besser aus.

In Hagen gibt es mehr Kinder aus einkommensschwachen Familien als es Kita-Plätze. Das geht unter anderem aus einer Untersuchung der Bertelsmann Stiftung zu der Betreuung von Unterdreijährigen und Kinderarmut in NRW hervor.

Jedes fünfte Kind wächst in einem Hartz-IV-Haushalt auf

Demnach wachse jedes fünfte Kind in einem Haushalt auf, in dem Hartz IV bezogen werde. Erschwerend komme laut der Studie hinzu, dass in Regionen mit starker Kinderarmut die Betreuungsquoten eher niedrig seien.

In Hagen sind beispielsweise von den unterdreijährigen Kindern 32 Prozent von Armut betroffen, nur 19,9 Prozent in diesem Alter ­bekommen aber einen Kita-Platz.

Allein deswegen sei es rein rechnerisch gar nicht möglich, allen finanziell benachteiligten Kindern einen Betreuungsplatz bereitzustellen.

Betreuung bei armen Kindern wichtig

„Eine frühe und gute Kinderbetreuung stärkt die frühkindliche Bildung von Kindern gerade aus finanzschwachen Familien“, sagt Barbara Nolte, Referatsleiterin Erzieherinnen und Erzieher beim Verband Bildung und Erziehung (VBE).

Das sei gerade für diese Kinder wichtig, da sie beispielsweise Spielmöglichkeiten wie in der Kita zu Hause aus finanziellen Gründen nicht immer vorfänden. Außerdem hätten Kinder in der Kita eine emotional unbelastete Situation, in der finanzielle Sorgen um die Existenz der Familie zurücktreten.

„Arme Kinder haben oft nicht die Bildungszugänge wie andere Kinder – so haben sie von vornherein erschwerte Bedingungen“, weiß Manuela Pischkale-Arnold vom Hagener Kinderschutzbund.

http://funke-cms.abendblatt.de:8080/webservice/thumbnail/article/214893377In ganz NRW hat Duisburg die niedrigste Betreuungsquote der Unterdreijährigen mit 17 Prozent, Spitzenreiter ist Coesfeld mit 37,3 Prozent.

In Südwestfalen liegt der Hochsauerlandkreis mit einer Betreuungsquote von 28,6 Prozent ganz oben. Obendrein weist der HSK eine unterdurchschnittliche Kinderarmut auf.

Ähnlich ist dieses Verhältnis von Armut und Betreuung im Kreis Olpe und Siegen-Wittgenstein. Im Märkischen Kreis gibt es hingegen fast so viele von Armut betroffene Kinder (19 Prozent) wie Kitaplätze (22,5 Prozent).

In 15 der 53 Kreise und kreisfreien Städte ist es kritisch

Neben Hagen übersteigt in 14 der 53 Kreise und kreisfreien Städten die Zahl der Unterdreijährigen aus einkommensarmen Familien die Zahl aller betreuten Kinder dieser Altersgruppe.

Das heiße im Umkehrschluss aber nicht, dass nur gut situierte Eltern ihre Kinder in die Kitas schicken, betont Pischkale-Arnold: „Ich bin in vielen Kindergärten in Hagen unterwegs und das Publikum ist dort eher gemischt.“

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